Buscopan ist ein Mittel gegen Bauchschmerzen und Krämpfe – und in etlichen Apotheken Mangelware. Auch bei eigentlich gängigen Medikamenten wie Ibuprofen 400 oder Aspirin plus C bleiben mittlerweile die Schubfächer teils leer. Manche Asthmasprays sind für Patienten schwer zu bekommen. Genauso Antibiotika, starke Schmerzmittel oder Fiebersäfte für Kinder.

Die Liste der Lieferengpässe wird immer länger. Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind derzeit knapp 300 Medikamente für Apotheken sehr schwer oder oder nur in eingeschränkter Stückzahl erhältlich. Im Juli waren es noch 200.

„Lieferschwierigkeiten sind generell sind schon seit gut zehn Jahren ein ernstzunehmendes Problem, das die Apothekerschaft dauerhaft beschäftigt“, sagt Carmen Gonzalez vom Landesapothekerverband Baden-Württemberg. Dabei hätte sich die Situation mit der Corona-Pandemie und dem Ukrainekrieg noch verschärft. Mit Entspannung rechnen Fachleute so schnell nicht.

China und Indien sorgen für Probleme

Hauptgrund für Lieferengpässe: die Abhängigkeit von wenigen Wirkstoffherstellern. Ein Großteil der Wirkstoffe wird aus Kostengründen von Betrieben in China oder Indien produziert.

Kommt es dort zu Ausfällen oder zu Verunreinigungen, kommt es zu Schwierigkeiten auf dem langen Transportweg, gerät die gesamte Lieferkette ins Wanken.

Darüber hinaus fehlen manchmal nicht die Wirkstoffe, sondern das Verpackungsmaterial. Ohne Folie kein Blister, ohne Papier keine Schachtel. Auch Glasfläschchen fehlen bisweilen.

Pharmahersteller können Lieferengpässe nicht ausschließen

Die Arzneimittelhersteller müssen mit dieser Situation umgehen. Der Schweizer Pharma-Riese Roche verfüge über ein „robustes, weltweites Produktionsnetzwerk“, wie Unternehmenssprecher Karsten Kleine sagt. „Dies bietet uns die Möglichkeit, Kapazitäten schnell zu verlagern.“

Bei Takeda werde „jederzeit mit Hochdruck“ daran gearbeitet, den Patienten „möglichst jederzeit“ zur Verfügung zu stellen, sagt Kristina Plohmann. Genaue Bedarfsabschätzungen und Vorratshaltung sollen bei dem Hersteller mit Standorten in Singen und Konstanz unter anderem dafür sorgen, dass Lieferengpässe gar nicht erst entstehen. Dennoch lasse sich nicht prinzipiell ausschließen, dass ein Medikament vorübergehend nicht in den Mengen verfügbar ist, in denen es nachgefragt wird, so Plohmann.

Wenn das passiert, bedeutet das für Apotheker: mehr Arbeit. Sie halten Rücksprache mit Ärzten, um Patienten ein Ersatzmedikament anbieten zu können. Sie telefonieren, mailen, faxen oft mit mehreren Großhändlern, um ihre Bestelllisten abarbeiten zu können. Oder sie mischen selbst Fiebersäfte an, damit sie einen Vater oder eine Mutter nicht mit leeren Händen zu ihrem kranken Kind heimschicken müssen.

Die Mehrheit der Apotheker wendet laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände mittlerweile über ein Zehntel der Arbeitszeit allein dafür drauf, Lieferengpässe und Lieferschwierigkeiten zu bearbeiten. Wie belastend und frustrierend diese Situation ist, berichteten einige Apotheker aus dem Bodenseekreis kürzlich dem SÜDKURIER.

Patienten mit schweren Erkrankungen leiden besonders unter Lieferengpässen, sagt Carmen Gonzalez vom Landesapothekerverband. Sind etwa Psychopharmaka nicht lieferbar, ist es für Betroffene nicht einfach oder manchmal schlicht nicht möglich, auf ein anderes Medikament umzustellen. „Der Patient hat Vertrauen in ‚sein Medikament‘, auf das er gut eingestellt war und toleriert einen Wechsel häufig nicht“, sagt Gonzalez.

Patienten sollen nicht bis zur letzten Tablette warten

Zum Jahresbeginn war das Brustkrebsmittel Tamoxifen nicht verfügbar und viele Patientinnen stark verängstigt. Das Medikament wurde dann zunächst in kleinen Mengen ausgegeben, später wurde verfügt, dass Packungen aus Italien, der Schweiz oder Großbritannien auch hierzulande ausgegeben werden durften.

Gerade Patienten, die ein Medikament regelmäßig einnehmen, rät der Landesapothekerverband, frühzeitig zum Arzt und mit dem Rezept zur Apotheke zu gehen. So verschaffe man dem Team Zeit, das benötigte Mittel aufzutreiben oder nach einer Alternative zu suchen – bevor es auf die letzte Tablette zugeht.