Der Friedrichshafener Großmotorenbauer Rolls-Royce Power Systems (RRPS) lässt Urlaubsrückkehrer vorsichtshalber erst einmal nicht aufs Werksgelände. Wie ein RRPS-Sprecher sagte, sperre man seit Anfang der Woche für alle Mitarbeiter, die fünf Tage oder länger Urlaub hatten, vorsorglich die Werksausweise. Um wieder Zutritt zum Firmengelände zu erhalten, müssten sie in einer Mail erklären, dass sie sich während ihres Urlaubs nicht in einem Corona-Risikogebiet aufgehalten haben.

Getestet werden muss in Deutschland

Wer dagegen aus einem solchen zurückkomme, müsse einen negativen Corona-Test vorlegen. Dieser dürfe nicht älter als 72 Stunden sein und müsse in Deutschland angefertigt worden sein. Fehlt der Test, sehe die Regelung eine 14-tägige Quarantäne vor. In dieser Zeit müsse Urlaub genommen oder Überstundenkonten abgebaut werden. Gegebenenfalls sei es möglich, aus dem Home-Office weiterzuarbeiten. „Wir haben fast nur positive Rückmeldungen“, sagt der Sprecher.

Corona-Kontrolle bei RRPS in Friedrichshafen im Frühjahr.
Corona-Kontrolle bei RRPS in Friedrichshafen im Frühjahr. | Bild: Mommsen, Kerstin

Die Maßnahmen sind Teil des Coronaschutzprogramms bei der MTU-Mutter aus Friedrichshafen am Bodensee. Seit dem Inkrafttreten der Regelung seien 850 Ausweise gesperrt und 250 wieder entsperrt worden. Demnach kamen vier Rückkehrer aus Corona-Risikoländern. Sie verfügten aber über einen negativ ausgefallenen und in Deutschland gemachten Corona-Test. „Es gab bislang keine Rückkehrer aus Risikoländern mit positivem Testausgang“, sagte der RRPS-Sprecher.

Was passiert mit Schummlern?

Man wolle den Mitarbeitern nicht vorschreiben, wohin sie in den Urlaub gingen, sagte er. Man müsse aber den guten Gesundheitszustand der Beschäftigten bei ihrer Rückkehr sicherstellen, um andere nicht zu gefährden.

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Was genau mit Mitarbeitern geschieht, die bewusst Falschangaben zu ihrem Urlaubsziel machen, um negative Auswirkungen zu vermeiden, ließ der Sprecher offen. Das müsse entschieden werden, sobald ein solcher Fall eintrete, sagte er. „Wir vertrauen den Mitarbeitern, dass sie uns ehrlich antworten“, sagte der RRPS-Sprecher.

Andere Unternehmen gehen härter vor

Die Regeln bei RRPS klingen zwar strikt, geben den Mitarbeitern aber mehr Freiraum als üblich. Beim Arbeitgeberverband Südwestmetall weiß man von Unternehmen, die Mitarbeiter generell nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet zu einer einwöchigen Quarantäne verpflichten.

Die Unternehmen sind mit ihren Maßnahmen der Politik einen Schritt voraus. Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten müssen sich erst ab kommendem Samstag vor oder nach ihrer Ankunft in Deutschland verpflichtend auf das Virus testen lassen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) teilte am Donnerstag in Berlin mit, dass er eine entsprechende Regelung angeordnet habe.

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