Die Wirtschaft in Südbaden hat viel zu bieten: Starke Touristiker, einen in Normalzeiten florierenden Handel, Zuliefer-Weltkonzerne wie ZF und global aufgestellte Mittelständler im Maschinen- und Anlagenbau. Dazu eine Pharma- und Luftfahrtindustrie, die trotz Corona gut im Futter ist. Einige dieser Firmen sind auch an der Börse. So haben sie sich 2021 entwickelt:

Sto – Der Bau-Riese aus dem Südschwarzwald:

Klassische Farbeimer von Sto. Das Unternehmen gehört zu den Premium-Ausrüstern der Bauindustrie.
Klassische Farbeimer von Sto. Das Unternehmen gehört zu den Premium-Ausrüstern der Bauindustrie. | Bild: Sto

Ökologisches Bauen boomt, und das macht sich auch beim Dämm- und Baustoffspezialisten Sto aus Stühlingen bemerkbar. Um 76 Prozent sind die Vorzugsaktien (Wertpapierkennnummer 727413) 2021 gestiegen und notierten gestern bei rund 217 Euro das Stück nur knapp unter Jahreshöchststand. Anteilseigner konnten sich zudem über eine Dividende von fünf Euro freuen. In den kommenden Jahren will das Stiftungsunternehmen weiter wachsen und die zwei-Milliarden Euro-Grenze beim Umsatz knacken. Effizienzmaßnahmen soll die Umsatzrendite auf zehn Prozent steigern.

Schweizer Electronic – Familienunternehmen mit Drang nach Asien:

Leiterplattenfertigung bei Schweizer Electronic Werk in Schramberg. Das Unternehmen gehört zu den letzten Leiterplattenbauern Deutschlands und ist das wohl einzige mit einem chinesischen Ankeraktionär. Auch mit seiner Hilfe soll die Expansion nach Asien ein Erfolg werden.
Leiterplattenfertigung bei Schweizer Electronic Werk in Schramberg. Das Unternehmen gehört zu den letzten Leiterplattenbauern Deutschlands und ist das wohl einzige mit einem chinesischen Ankeraktionär. Auch mit seiner Hilfe soll die Expansion nach Asien ein Erfolg werden. | Bild: NICO PUDIMAT

Der Titel des Schramberger Leiterplattenspezialisten Schweizer Electronic (WKN 515623) hat eine Berg- und Talfahrt hinter sich. Wer genau vor einem Jahr bei dem börsennotierten Mittelständler eingestiegen ist und nun verkaufen würde, hätte rund elf Prozent seines Kapitals verloren, wer später einstieg, deutlich mehr. Das Unternehmen kämpft vor allem mit einer neuen Fabrik für Hochleistungsleiterplatten in China – ein Zukunftsprojekt das aber durch Corona aus dem Zeitplan ist und hohe Kosten verursacht. Die klare China-Strategie des Unternehmens könnte aber in den kommenden Jahren aufgehen. Eine Dividende gibt es derzeit nicht.

H-Gears – Antriebsspezialist auf neuen Wegen:

HGears in Sulgen-Schramberg im Schwarzwald produziert unter anderem Antriebe für E-Fahrräder. Hier will man besonders schnell wachsen.
HGears in Sulgen-Schramberg im Schwarzwald produziert unter anderem Antriebe für E-Fahrräder. Hier will man besonders schnell wachsen. | Bild: Kipping, Julia

In unmittelbarer Nachbarschaft von Schweizer Electronic befindet sich mit dem Getriebebauer H-Gears ein zweites börsennotiertes Unternehmen in Schramberg. Allerdings wagte der Spezialist für Fahrrad-E-Antriebe erst zur Jahresmitte den Gang aufs Parkett (WKN A3CMGN) und verkündete damals ambitionierte Wachstumsziele. Der Konzernumsatz soll auf 250 Millionen Euro verdoppelt werden, im Geschäftsbereich E-Antriebe strebt man gar eine Verdreifachung an. Wer Ende Mai für gut 26 Euro pro Aktie bei H-Gears eingestiegen ist, hat – Stand heute – dennoch einen Verlust eingefahren. Gestern notierte die Aktie bei gut 23 Euro.

Nexus – der digitale Gesundheitsdienstleister:

Die Firma Nexus aus Donaueschingen wächst schnell – mit Datenbanken und IT-Lösungen für Kliniken.
Die Firma Nexus aus Donaueschingen wächst schnell – mit Datenbanken und IT-Lösungen für Kliniken. | Bild: Ann-Kathrin Moritz

Der Donaueschinger Spezialist für Klinik-Datenbanken, Nexus AG, ist im IT- und Gesundheitsbereich gleich auf zwei Zukunftsfeldern unterwegs. Und das zeigt sich auch am Aktienkurs. Um gut 38 Prozent hat die Aktie (WKN 522090) 2021 zugelegt und notierte gestern bei rund 72 Euro. Eine kleine Dividende wird zuverlässig gezahlt. 2020 wuchs man zweistellig auf gut 160 Millionen Euro Umsatz, und auch bis Ende des 3. Quartals 2021 lief es gut. Für die 1500-Mitarbeiter stehen die Zeichen auf Wachstum.

Elexxion – Medizintechnik-Unternehmen am Tropf von China:

Elexxion aus Singen ist börsennotiert, hat aber nicht einmal ein Dutzend Mitarbeiter. Die Zukunft des Medizintechnik-Unternehmens, das maßgeblich am Tropf Chinas hängt, ist ungewiss. Im Bild ein Zahn-Laser für Praxen.
Elexxion aus Singen ist börsennotiert, hat aber nicht einmal ein Dutzend Mitarbeiter. Die Zukunft des Medizintechnik-Unternehmens, das maßgeblich am Tropf Chinas hängt, ist ungewiss. Im Bild ein Zahn-Laser für Praxen. | Bild: elexxion

Nicht einmal ein Dutzend Mitarbeiter, aber börsennotiert. Elexxion aus Singen am Hohentwiel gehört sicher zu den echten Zwergen am Aktienmarkt. Aber seit die Welt digital ist, weiß der Börsenprofi, dass Mitarbeiter allein nicht mehr das Maß sind, das über Umsatz und Gewinn bestimmt. Bei dem Singener Dental- und Medizintechnikspezialisten ist die Lage aber kompliziert. Das 2002 gegründete Unternehmen, das vier Jahre später von Ernst & Young als „Entrepreneur des Jahres“ ausgezeichnet wurde, ist in schwerem Fahrwasser. Hauptinvestor ist ein chinesisches Medizintechnikunternehmen, der Vorstandschef ist mit Xianling Song ebenfalls ein Chinese. Um elf Prozent ist die Aktie des auf Laser für Zahnärzte spezialisieren Unternehmens im Jahresverlauf 2021 laut der Online-Plattform onvista gesunken. Mit aktuell knapp 30 Cent je Anteil gehört man zu den Penny-Stocks. Wie es dem Unternehmen geht, lässt sich aus öffentlich zugänglichen Quellen nicht genau ablesen. Seit November 2020 hat das Unternehmen auf seiner Webseite weder Quartals- noch Geschäftsberichte veröffentlicht. Im letzten lückenlos dokumentierten Geschäftsjahr 2019 machte das Unternehmen laut Geschäftsbericht bei einem Umsatz von etwa 680.000 Euro mehr als eine Million Euro Verlust. Und nur weil der chinesische Hauptinvestor – die in Schanghai ansässige Tian Ying Medical – Geld zuschoss, sah es nicht noch düsterer aus. Heimische Banken haben den Geldhahn längst zugedreht. Zwar sei man zuversichtlich, bis Ende 2021 „ausreichend finanziert“ zu sein, heißt es im Geschäftsbericht, dennoch bestünden durch die Corona-Krise „große Unsicherheiten“. In den Folgemonaten, das geht aus dem letzten veröffentlichten Halbjahresbericht 2020 hervor, hat sich die Finanzlage nochmals verschärft. Auch eine Insolvenz wird jetzt nicht mehr ausgeschlossen. Für Rückfragen war das Unternehmen am Dienstag nicht zu erreichen.