Schlechte Nachricht für alle Bauherren: Der Pfusch am Bau hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Die Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg führt dies auf die wachsende Zahl von Solo-Scheinselbständigen zurück, die besonders in den Ausbaugewerken explosionsartig nach oben gegangen sei.

Vize-Präsident Rainer König verwies in Stuttgart auf eine aktuelle Studie des Bauherren-Schutzbundes, nach der sich die gemeldeten Schadensfälle bei neuen Wohnhäusern zwischen 2009 und 2016 nahezu verdoppelt hätten. Die häufigsten Mängel gebe es dabei an Dächern, Decken, Fußböden und Wänden. König: „In erster Linie liegt das am fehlenden Fachwissen, da die meisten Billiganbieter nicht über die notwendigen Qualifikationen verfügen.“

Existenzbedrohende Konkurrenz

Rainer König, Vizepräsident der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg.
Rainer König, Vizepräsident der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg. | Bild: ZDB/Zensen

Die Billigkonkurrenz ist nach Königs Worten für die „ehrlich arbeitenden Betriebe zur echten Existenzbedrohung geworden“. Firmen die nach Tarifvertrag bezahlten, müssten Stundensätze von mehr als 50 Euro verrechnen und seien nicht konkurrenzfähig zu Ein-Mann-Unternehmen, die nicht einmal Mindestlöhne zahlten und mit weniger als 40 Euro je Stunde kalkulierten. „Bei der illegalen Billigkonkurrenz kommen meist moderne Arbeitssklaven aus Osteuropa zum Einsatz, die unter dem Deckmantel der Solo-Selbstständigkeit in Kolonnen für Nachunternehmen arbeiten und deshalb weder Steuern noch Sozialabgaben und oft auch keine Mehrwertsteuer zahlen“, empörte sich König. Ausgezahlt würden zum Teil 8 Euro die Stunde. Die öffentliche Hand verschließe die Augen vor der Realität.

Das könnte Sie auch interessieren

Für Wiedereinführung der Meisterplicht

Die Landesvereinigung verweist Bauherren auf die Betriebe mit Meisterbrief. Dort sei das Fachwissen vorhanden, das zum Beispiel für eine energetische Sanierung notwendig sei. Würden die Platten nicht korrekt verklebt, drohe schnell Schimmel, erläuterte Stuckateur König. Von der Politik wünscht sich der Branchenverband die Wiedereinführung der Meisterpflicht auch für Gewerke wie Fliesenleger oder Trockenbauer. Außerdem müssten die Kontrollen verschärft werden.

Bau-Konjunktur brummt weiter

Unterdessen hält der Bauboom an. Für 2019 erwartet Verbandspräsident Bernhard Sänger weiter gute Geschäfte mit einem Plus von 6 Prozent auf 18,3 Milliarden Euro. Für das vergangene Jahr geht die Branche sogar von einem zweistelligen Wachstum von rund 10 Prozent auf 17,3 Milliarden Euro aus.

Sänger wehrte sich gegen Vorwürfe, die Baufirmen würden die gute Lage zur Gewinnmaximierung nutzen. Der Preisanstieg von 4,5 Prozent bewege sich im normalen Rahmen. Neben den Lohnsteigerungen von 5,7 Prozent hätten die Preise für Baustahl in nur zwei Jahren um 50 Prozent zugelegt. Für das laufende Jahr erwartet Sänger einen ähnlichen Anstieg der Baupreise.

Vorwürfe an die Politik

Mit deutlichen Worten wies Mathias Waggershauser, der Vizechef der Landesvereinigung, Vorwürfe vom baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl (CDU) wegen des schleppenden Ausbaus des Breitbandnetzes zurück. „Der Schwarze Peter liegt beim Innenministerium“, sagte Waggershauser. Die Baubranche könne zwischen 25 und 30 Prozent mehr Aufträge erledigen, wenn die Kommunen die Aufträge gleichmäßig über das Jahr verteilten. Mangels Arbeit müssten besonders kleinere Firmen Kurzarbeitergeld beantragen, weil von Dezember bis März kaum Projekte für den Ausbau des schnellen Internets vergeben würden. „Das ist traurig“, findet Waggershauser.

Ein Ministeriumssprecher nannte die Vorwürfe der Baubranche „fast schon grotesk“. Zugleich räumte er aber ein, dass es eine „bessere Koordinierung vor Ort mit der Bauwirtschaft brauche“.