Keine Lohnerhöhung in den nächsten zwei Jahren, Kürzungen bei den Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld sowie eine Stunde unentgeltliche Mehrarbeit pro Woche: Das ist das Angebot, dass der Mutterkonzern Nestlé den Maggi-Mitarbeitern in Singen bei den Tarifverhandlungen auf den Tisch gelegt hat.

Dabei hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ursprünglich ein Lohnplus von 6 Prozent gefordert. Doch mitten in den Tarifverhandlungen veröffentlichte Nestlé einen Sparplan, nach dem im Maggi-Werk 7 Millionen Euro gespart werden sollen, davon 4 Millionen Euro im Personalbereich.

Streiks nicht ausgeschlossen

"Wir haben die Verhandlungen nach diesem Angebot sofort abgebrochen", berichtet NGG-Landesbezirksvorsitzender Uwe Hildebrandt. „Für Nullrunden und Absenkungen von tariflichen Leistungen gibt es keine ökonomischen Notwendigkeiten bei einem Konzern der im letzten Jahr 7,2 Milliarden Schweizer Franken Gewinn erwirtschaftet hat“, so Hildebrandt weiter. Am 19. September soll wieder verhandelt werden. "Bis dahin erwarten wir von der Arbeitgeberseite ein verhandlungsfähiges Angebot", sagte Hildebrandt.

Ähnlich äußerte sich Alfred Gruber, Betriebsratsvorsitzender des Singener Maggi-Werks. "In der Belegschaft gibt es kein Verständnis für das Angebot der Arbeitgeber", sagte Gruber. Die Stimmung in den Werkshallen sei derzeit mies. Man sei zwar grundsätzlich weiter verhandlungsbereit, schließe aber Streiks nicht aus, wenn sich die Arbeitgeber nicht bewegen. Nestlé ist einer der größten Arbeitgeber in Singen. Aktuell arbeiten 750 Mitarbeiter im Maggi-Werk, wo unter anderem Dosen-Ravioli, Trockensuppen und die traditionsreiche Maggi-Würze hergestellt werden.

In Singen sollen keine Jobs gestrichen werden

Nestlé spart derzeit an allen Ecken und Enden. So schloss der Konzern 2017 sein Nescafé-Werk in Mainz mit 380 Mitarbeitern. Im Maggi-Werk in Lüdinghausen, wo Maggi Soßen und Fixprodukte herstellt, sollen fast 100 der 370 Jobs gestrichen werden. Bei Nestlé in Biessenhofen (Ostallgäu) sollen über 100 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Und auch in der Deutschland-Zentrale von Nestlé in Frankfurt stehen viele Verwaltungsjobs auf der Kippe. In Singen sollen allerdings keine Jobs gestrichen werden, teilte ein Nestlé-Sprecher mit. "Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit unserer Standorte erhalten", begründete der Sprecher den Sparkurs des Konzerns. Wichtig sei nun, dass gemeinsam weiterverhandelt werde. Der Sparkurs sei eine Reaktion auf den Wandel der Konsumgewohnheiten in Europa. Fertiggerichte und Trockenmischprodukte seien nicht mehr so stark gefragt wie früher.

Nestlé ist mit weltweit 323.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von fast 90 Milliarden Schweizer Franken (76 Milliarden Euro) der größte Lebensmittelkonzern der Welt. Neben Maggi gehören auch Marken wie KitKat, Nescafé, Nespresso, Perrier, Vittel und Purina (Tiernahrung) zum Nestlé-Konzern.