Ein High-Tech-Dorf ist Falkenberg nicht. 800 Einwohner leben hier, rund 30 Kilometer südlich von Kassel. In einem Neubau hat sich die Shift GmbH niedergelassen. Samuel Waldeck (39) lächelt. In der Hand hält er das, um das es im von ihm zusammen mit seinem Bruder Carsten (47) und dem Vater gegründeten Unternehmen geht. Das erste faire, nachhaltig produzierte Smartphone aus Deutschland – das Shift-Phone.

Nachfrage zieht deutlich an

Im ersten Stock sitzen fünf junge Männer an Bildschirmen, vor sich in Einzelteile zerlegte Smartphones. Ende 2014 hat Shift die ersten Geräte ausgeliefert, bislang wurden mehr als 30 000 verkauft. „Ende des Jahres sollen es 50 000 sein“, sagt Carsten Waldeck. Zum Vergleich: Samsung hat 2018 weltweit rund 295 Millionen Smartphones verkauft. Dass sich das erste in Deutschland konzipierte nachhaltige Smartphone in nur fünf Jahren zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt hat, können die Brüder immer noch nicht so recht fassen. Aber das neueste Modell liegt vor Carsten Waldeck auf dem Tisch, zerlegt in seine 13 Einzelteile. „Das ist im Prinzip wie Lego“, lacht er. Damit kann alles ausgetauscht oder das Gerät einfach aufgerüstet werden.

Modular aufgebaute Geräte

Schon in den neunziger Jahren hatten die beiden erste Ideen für ein Smartphone, vor sechs Jahren war es soweit. Bis dahin hatten auch sie Smartphones genutzt. „Aber bei den meisten ist alles verklebt, verbacken und gelötet. Ein einfacher Austausch von Teilen ist nicht möglich“, sagt Samuel Waldeck. Das haben die Shift-Phone-Macher geändert. „Wir bauen jetzt leistungsstarke und zugleich ressourcenschonende und modular aufgebaute Geräte.“ 444 Euro müssen bei Bestellung und späterer Lieferung für das kleinste Shift bezahlt werden, 733 Euro für das teuerste. Wenn das Gerät sofort gewünscht wird, ist es 10 Prozent teurer. Das Betriebssystem basiert auf Android, Windows Phone soll auch möglich sein. Neue Akkus gibt es ab 20, Displays ab 55 Euro. Das verlängert die Lebensdauer.

Auch Rohstoff-Herkunft wichtig

Wichtig sind beiden auch die Herkunft der Rohstoffe und die Arbeitsbedingungen. Im Kongo hat sich Carsten Waldeck 2017 zertifizierte Minen angeschaut, wo Coltan und Gold geschürft wird. Die auch für die Shift-Phones unverzichtbaren Metalle sollen unter menschenwürdigen Bedingungen gefördert werden. „Wir wollen zudem Arbeitsplätze schaffen, an denen wir selbst gerne arbeiten würden“, sagt Samuel Waldeck. Und verweist auf den Service in Falkenberg und die eigene kleine Manufaktur im chinesischen Hangzhou, wo die Smartphones hergestellt werden. Weil alles gesteckt wird, sind keine Reinräume nötig, es gibt keine schädlichen Dämpfe durch Löten und Kleben. Auch in China gilt für die Mitarbeiter die 40-Stunden-Woche bei sozialer Absicherung. Warum aber wird in China produziert? „Die empfindlichen Bauteile wie Platinen, Displays, Kameras und Sensoren müssten für die Luftfracht aufwendig verpackt werden. Es fiele also viel Verpackungsmüll an“, sagt Carsten Waldeck.

Crowdfunding als Grundlage

Natürlich muss auch Shift rentabel arbeiten. Aber den Waldecks geht es nicht um Rendite. „Der Gewinn bleibt im Unternehmen und wird investiert oder wir unterstützen soziale Projekte.“ Shift arbeitet ohne Bankkredite und fremde Kapitalgeber. Grundlage dafür, dass es trotzdem klappt und bei einem Umsatz von 3,6 Millionen Euro im vergangenen Jahr (nach 1,6 Millionen davor) schwarze Zahlen geschrieben werden ist Crowdfunding. Shift-Phone-Käufer zahlen vorab für ihr Gerät, das erst dann hergestellt wird.

Kooperation mit WeTell

Gespräche mit großen Mobilfunkanbietern laufen freilich zäh. Erst wollen die Waldecks mit WeTell, dem ersten nachhaltigen Mobilfunkanbieter aus Freiburg, kooperieren. Der will im Herbst loslegen. Daneben arbeiten die Brüder an Tablet-Displays, größeren Bildschirmen und Tastaturen. Sie können per WLAN mit dem Shift-Phone verbunden werden. Es fungiert als Rechner. „Smartphones werden Laptops überholen“, ist sich Samuel Waldeck sicher.