Die Trauer und Abschiedsmelancholie in Pfullendorf ist plötzlich und unerwartet einer neuen Aufbruchsstimmung gewichen: Alno hat wieder eine Perspektive. 20 Millionen Euro zahlt der britische Investor Riverrock, um den insolventen Küchenbauer als "Neue Alno GmbH" aufzumöbeln. 410 ehemalige Beschäftigte sollen einen neuen Job bekommen. Wir fassen für Sie die Reaktionen aus dem Alno-Umfeld und der Politik zusammen.

  1. Wie ist die Stimmung in der Belegschaft? Nach Berichten aus der Mitarbeiterversammlung, ist der Funke vom neuen Investor auf die Belegschaft übergesprungen. Viele Mitarbeiter wollen trotz der emotionalen Achterbahnfahrt der letzten Wochen wieder für ihren alten Arbeitnehmer arbeiten. Peter Belien, 51 Jahre, überlegt zum Beispiel trotz zweier Jobangebote von anderen Arbeitgebern wieder bei Alno einzusteigen. "Ich werde mir den neuen Vertrag anschauen und dann eine Bauchentscheidung treffen", sagt Belien, der schon seit 30 Jahren bei Alno in der Endmontage arbeitet. Der neue Investor habe einen guten Eindruck gemacht und die Mehrzahl der Mitarbeiter auf seine Seite gebracht. Für eine Beschäftigung nehmen viele Alno-Mitarbeiter sogar Lohneinbußen in Kauf. „Wir arbeiten mehr, bekommen weniger Geld, aber dafür haben wir womöglich eine Chance auf eine dauerhafte Beschäftigung“, sagt ein Alno-Mitarbeiter. Waltraud Klaiber, Vorsitzende des Alno-Betriebsrats, ist ebenfalls positiv gestimmt.
    "Wir glauben an das Konzept von Riverrock", sagt sie.
  2. Was passiert mit den Alno-Mitarbeitern, die keinen neuen Job bekommen? Da sich die Neue Alno GmbH eine Nummer kleiner aufstellt, werden nicht mehr alle ehemaligen Mitarbeiter benötigt. Gut 100 Mitarbeiter von zuletzt 520 Beschäftigten sollen in eine Transfergesellschaft wechseln. "Ziel der Transfergesellschaft ist es, die Mitarbeiter durch Qualifizierungsmaßnahmen in neue Beschäftigungsverhältnisse zu vermitteln", teilt Insolvenzverwalter Martin Hörmann mit.
  3. Für wie lange kann Alno Kurzarbeitergeld beantragen? Die Neue Alno GmbH will schnellstmöglich für eine Übergangsphase Kurzarbeitergeld bei der Agentur für Arbeit beantragen. Auf Anfrage des SÜDKURIER erklärte Edgar Dreher vom zuständigen Operativen Service der Agentur für Arbeit, dass die Bezugsdauer für das so genannte konjunkturelle Kurzarbeitergeld maximal zwölf Monate betrage.
  4. Was sagt der Insolvenzverwalter? Martin Hörmann findet für Riverrock nur lobende Worte. „Riverrock stellt sein Management-Wissen zur Verfügung, lässt aber der Alno-Geschäftsführung genügend Handlungsspielraum“, sagt der Jurist. Gleichzeitig betont er, dass der Handlungsdruck groß sei. „Jetzt müssen Erfolge her. Wichtig ist es, einen Umschwung zu schaffen“, so der 47-Jährige.
  5. Was sagt die Politik? Thomas Kugler, Bürgermeister von Pfullendorf, beurteilt das Engagement von Riverrock positiv.
    "Für die Stadt ist es wichtig, dass voraussichtlich über 400 Arbeitsplätze gesichert werden können", sagte er. Vom neuen Investor habe er einen guten Eindruck. Riverrock gehe die Sanierung sehr kooperativ und zielführend an. Die Kritik der IG Metall an den Lohnkürzungen weist er zurück. "Es ist besser einen Job zu haben als arbeitslos zu sein", so Kugler. Zuvor hatte sich bereits die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut optimistisch zu Alno geäußert. „Die Zeichen aus Pfullendorf stimmen mich positiv. Die intensiven und konstruktiven Verhandlungen zwischen allen Beteiligten scheinen sich auszuzahlen", sagte die CDU-Politikerin.
  6. Wie reagiert die Alno-Aktie? Durch das Interesse von Riverrock stieg der Kurs von knapp einem Cent auf knapp fünf Cent. Ein Einstieg lohnt sich allerdings nur für Spekulanten. Privatanleger könnten sich die Finger verbrennen, warnen Experten. "Ob die Alno-Aktionäre von den 20 Millionen Euro, die Riverrock für Alno zahlt, etwas sehen werden, bleibt fraglich, denn zunächst werden die Gläubiger des Unternehmens bedient", schreibt der Finanzfachmann Johannes Weber auf dem Internet-Portal Finanztrends. "Zocker glauben offenbar an die Wiedergeburt von Alno", schreibt der Analyst Martin Mrowka auf dem Finanzportal "Der Aktionär".