Die Insolvenz des Pfullendorfer Küchenbauers Alno wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Justiz beschäftigen. Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, plant der ehemalige Hauptaktionär des Unternehmens, Tahoe Investors, eine Klage gegen das Ex-Management um den langjährigen Firmenchef Max Müller. Und auch dieser fährt schwere Geschütze auf und zieht im Gespräch mit dem SÜDKURIER "rechtliche Schritte" in Erwägung.

Kurz vor Weihnachten hatte der Geschäftsführer der von der bosnischen Hastor-Familie kontrollierten Investmentgesellschaft Tahoe in der "Stuttgarter Zeitung" eine Klage gegen Ex-Alno-Verantwortliche angekündigt. "Wir werden die Verträge vom Ende vergangenen Jahres über unseren Einstieg bei Alno wegen Täuschung anfechten", sagte Mensur Sacirovic. Tahoe war damals bei den Pfullendorfern eingestiegen und hatte sich rund 43 Prozent der Alno-Aktien gesichert.

Der Ex-Vorstandsvorsitzende von Alno Max Müller: Ab wann wusste er von der Pleite?
Der Ex-Vorstandsvorsitzende von Alno Max Müller: Ab wann wusste er von der Pleite?

Dem Vernehmen nach steckten die Bosnier bis zur Insolvenz des Unternehmens Mitte Juli 2017 zwischen 70 und 100 Millionen Euro in Form von Krediten und Aktien in das Unternehmen – Geld, das nicht investiert worden wäre, hätte das damalige Alno-Management das Unternehmen nicht durch "aktive Fehlinformation" bei den Käufern aufgehübscht, wie es jetzt von Tahoe heißt. So habe die Müller-Vertraute und Alno-Finanzchefin Ipek Demirtas den potentiellen Käufern am 18. Juni 2016 eine Prognose vorgelegt, in der von einem Jahresumsatz von 564 Millionen Euro und von einem operativen Gewinn von knapp 19 Millionen Euro die Rede gewesen sei. Gleichzeitig sei Alno intern schon rund einen Monat früher von operativen Erlösen von 5,5 Millionen Euro ausgegangen, die auch noch einen positiven, außerplanmäßigen Einmaleffekt enthielten.

Bis zum November 2016 hätte der Alno-Vorstand um Müller an diesen Zahlen festgehalten, schreibt die "Stuttgarter Zeitung". Am Jahresende stand indes ein Verlust von 18,8 Millionen Euro. Tahoe war da allerdings längst bei Alno eingestiegen und fordert nun das investierte Kapital vom Ex-Vorstand zurück: Mindestens 70 Millionen Euro.

"Vorwürfe sind falsch"

Müller und Demirtas weisen die Vorwürfe zurück. Die "Vorwürfe sind falsch", sagte der gebürtige Schweizer unserer Zeitung. Man habe "immer sauber informiert". Gleichzeitig machte er klar, eine juristische Auseinandersetzung nicht zu scheuen. "Ich überlege mir, ob ich nicht rechtlich gegen Tahoe und die Verantwortlichen vorgehe", sagte er. Das Vorgebrachte "grenzt an Verleumdung".

Tahoe will auch belegen, dass es bei Müller zu seiner Zeit als Alno-Chef zu einer Interessenverquickung zu Lasten der Aktionäre gekommen ist. So sei er direkt oder indirekt an mehreren Gesellschaften beteiligt gewesen, die Alno Geld in Rechnung gestellt und bekommen hätten. Auch das wies Müller gegenüber dem SÜDKURIER zurück. Alle entsprechenden Beschlüsse seien vom Aufsichtsrat von Alno abgesegnet worden, sagte er.

Tatsächlich werfen die Vorwürfe Tahoes Fragen auf. Beim Einstieg in Unternehmen nehmen Interessenten für gewöhnlich eine vertiefte Buchprüfung, eine soganannte Due Dilligence, vor. Diese gewährt detaillierte Einblicke in die Geschäftslage. Tahoe verzichtete darauf beim Alno-Einstieg aber offenbar. In all den Monaten ist bei mir keine einzige Email angekommen, in denen derartige Informationen verlangt worden wären, sagte Müller. Vielmehr sei Tahoe bei Alno "sehr schnell eingestiegen", weil sie fürchteten sonst gar nicht zum Zug zu kommen. Um an frisches kapital zu kommen, plante Alno demnach ab Juli 2016 eine Kapitalerhöhung. "Das wollte Tahoe nicht", sagte Müller.

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