Es war eine Geste mit Symbolcharakter: Angesichts immer stärker werdender Kritik am Kurs der deutschen Autobauer in Sachen Klimaschutz suchte der mächtigste deutsche Konzernmanager das Gespräch mit seinen Herausforderern. Fast eineinviertel Stunden nahm sich Volkswagen-Chef Herbert Diess im Vorfeld der Autoesse IAA Zeit, um mit der neuen Greta Thunberg des deutschen Öko-Aktivismus zu reden. Tina Velo heißt sie, ist 33 Jahre alt und ihr Name ist natürlich ein Pseudonym. In Zeiten von Shitstorms und Hasstiraden im Netz, ist das wohl besser so. Insbesondere, wenn man Botschaften mit so viel Sprengkraft hat.

„Hochgradig kriminell“

Die deutsche Autobranche sei „hochgradig kriminell“, schleuderte die Sprecherin des Bündnisses „Sand ins Getriebe“ dem VW-Manager entgegen und kündigte an, die Zugänge zur IAA „mit Körpern“ zu blockieren. Diess, der allgemein als ziemlich abgezockter Manager gilt, tat was er in Jahrzehnten gelernt hat: Er blieb cool, konterte seine Gegenüber allenfalls mit einem gesäuselten: „Da tun Sie uns unrecht.“ So gelang es ihm den Konflikt mit den Umweltorganisationen nicht weiter zu eskalieren.

Sie geht mit der deutschen Autoindustrie hart ins Gericht: Tina Velo, Sprecherin des Aktionsbündnises „Sand im Getriebe“. Bild: dpa
Sie geht mit der deutschen Autoindustrie hart ins Gericht: Tina Velo, Sprecherin des Aktionsbündnises „Sand im Getriebe“. Bild: dpa | Bild: Boris Roessler

Diese machen gerade Front gegen die Autoindustrie. Am Mittwoch empfing die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Besucher der Messe mit einer entfernt an eine Hüpfburg erinnernden riesigen Daimler-Attrappe und der plakativen Botschaft: „Diesel-Abgase töten“. Am Wochenende wollen Zehntausende Radaktivisten mit einer Sternfahrt vor die Tore der IAA für die Verkehrswende und gegen eine aus ihrer Sicht verfehlte Strategie der Autokonzerne demonstrieren. Es sind die größten Proteste in der jüngeren Messe-Geschichte DUH-Chef Jürgen Resch sagte dem SÜDKURIER, man fordere einen Werbe- und Entwicklungsstopp für SUVs. Die „tollen deutschen Ingenieure“ sollten ihre Arbeitskraft lieber auf die Entwicklung „effizienter und umweltfreundlicher Fahrzeuge„ konzentrieren. Der Rückstand, den Resch in punkto neue Antriebe bei den deutschen Autobauern ausgemacht haben will, bereite ihm „Sorgen“, sagte er – auch wegen der dadurch bedrohten Arbeitsplätze.

Daimler-Chef Källenius trifft auf Robert Habeck

Die Branche scheint sich der Kritik zu öffnen. Resch war vor einiger Zeit beim neuen Daimler-Chef Ola Källenius zu Besuch, fast so wie Tina Velo gerade bei VW-Chef Diess. Man habe sich damals konstruktiv und offen unterhalten, sagt Resch. Auf anderer Ebene wird der Umwelt-Dialog weitergehen: Källenius wird heute auf der IAA live mit Grünen-Chef Robert Habeck diskutieren.

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