Ausländische Finanzkonzerne hatten es bislang schwer in China. Obwohl in den letzten 20 Jahren kein Land so sehr von der Globalisierung profitiert hat wie die Volksrepublik – wenn es um den eigenen Kapitalmarkt ging, blieb die Tür für Investoren aus dem Ausland verschlossen.

Auf dem diesjährigen Wirtschaftsforum im südchinesischen Bo’ao war der Moment aber gekommen, auf den die internationale Bankenwelt so lange gewartet hatte: Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping kündigte eine „neue Phase der Öffnung“ an und sprach sich explizit für eine Liberalisierung der chinesischen Finanzmärkte aus. Nun lässt die chinesische Führung Taten folgen: Ab 30. Juni soll es ausländischen Unternehmen erlaubt sein, die Mehrheit an chinesischen Banken, Brokern oder auch Versicherern zu übernehmen. Unter anderem dürfen Ausländer künftig bis zu 51 Prozent an Finanzunternehmen halten.

Auch der Joint-Venture-Zwang soll fallen

Eigenständig war es ausländischen Investoren bislang gar nicht möglich, auf den chinesischen Finanzmärkten mitzumischen. Wer trotzdem vom boomenden Markt etwas abbekommen wollte, musste sich einen heimischen Partner suchen. Und auch dabei blieb den Ausländern nur die Rolle des Juniorpartners. Sie durften am Gemeinschaftsunternehmen maximal 49 Prozent halten. Das chinesische Finanzministerium kündigte an, dass diese Begrenzung in den nächsten Jahren ganz aufgehoben werde. Sprich: Der Joint-Venture-Zwang für ausländische Banken, Versicherungsgesellschaften und andere Finanzdienstleister in China wird damit komplett fallen.

Die Schweizer Bank UBS ist die weltweit erste Bank, die Pekings Ankündigung beim Wort nimmt. Sie hat bereits einen Antrag eingereicht, an ihrem bisherigen chinesischen Wertpapier-Joint-Venture UBS Security eine Mehrheitsbeteiligung zu erwerben. „Diese Schritte eröffnen dem Investment Banking, dem Wealth- und Asset-Management-Geschäft von UBS in China große Chancen“, teilt die Zürcher Großbank mit. Bislang hielt UBS an seiner chinesischen Joint-Venture-Tochter nur einen Anteil von 24,99 Prozent.

Auch Einlagen-Grenze wird abgeschafft

Und noch eine Auflage für ausländische Finanzdienstleister soll fallen, die für die heimische Konkurrenz nicht galt. Ein chinesischer Bürger konnte erst dann Kunde einer ausländischen Bank werden, wenn er als Einlage mindestens eine Million Renminbi eingezahlt hatte (rund 130 000 Euro). Diese Bedingung wird aufgehoben.

Doch trotz dieser Ankündigungen ist in den ausländischen Banken- und Versicherungskreisen in Peking und Shanghai von Aufbruchstimmung nicht viel zu spüren. „Natürlich begrüßen wir die Regelung“, heißt es aus deutschen Bankenkreisen. Einige der angedachten Regelungen seien jedoch nicht ausgegoren. Von verhaltenem Optimismus ist denn auch nur die Rede.

Einige Hürden bleiben

Und auch Hongkonger Finanzexperten sind skeptisch, ob sich der Marktanteil ausländischer Finanzunternehmen in der Volksrepublik signifikant erhöhen wird. Denn einige Hürden bleiben. Ausländische Banken müssen mindestens 100 Milliarden Yuan (rund 13 Milliarden Euro) an Eigenkapital mitbringen, um in China eine eigene Bank betreiben zu können. Zudem sind die chinesischen Staatsbanken so groß, dass es der ausländischen Konkurrenz schwerfallen wird, ihnen nennenswerte Anteile abzunehmen. Chinas Banken gehören inzwischen zu den größten der Welt.

Dient die Ankündigung einer Öffnung der Finanzmärkte denn auch nur zur Beschwichtigung von Donald Trump? Genau das fordert der US-Präsident im Handelsstreit von China. „Nein“, beteuert der chinesische Zentralbankchef Yi Gang. Die Ankündigung, die Finanzmärkte der Volksrepublik stärker für Ausländer zu öffnen, habe nichts mit dem Handelsstreit zu tun. Vielmehr sei es schon seit einiger Zeit Ziel der chinesischen Regierung, auch anderen auf der Welt zu ermöglichen, „auf den Schnellzug der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas aufzuspringen“.