Bis zum Anpfiff der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft werden noch fast viereinhalb Jahre vergehen, doch die ersten Schlagzeilen gibt es jetzt schon: Das kleine, aber superreiche Golf-Emirat Katar will als erster Gastgeber einer WM auf arabischem Boden neue Rekorde aufstellen und fängt auch gleich damit an. Angeblich wollen die Kataris dem Weltstar Zinedine Zidane insgesamt 200 Millionen Euro zahlen, wenn er die Nationalmannschaft des Landes als Trainer bis zur WM 2022 auf Vordermann bringt. Geld ist für Katar, den weltweit größten Produzenten von Flüssiggas, kein Problem. Die Schwierigkeiten liegen woanders – und könnten die ehrgeizigen Pläne ins Wanken bringen.

Zidane hätte viel zu tun

Mit seinen 2,6 Millionen Einwohnern – von denen nur 300.000 katarische Bürger und der Rest Ausländer sind – hat das kleine Emirat auf einer Halbinsel im Persischen Golf bisher noch nie an einer WM teilgenommen. In der Qualifikation für das Turnier in Russland scheiterte Katar chancenlos. In der Fifa-Weltrangliste liegt das Emirat auf Platz 98 – Zidane hätte in den kommenden Jahren viel zu tun, wenn er das Jobangebot vom Golf annimmt.

Es geht um Prestige-Gewinn

Doch bei der Ausrichtung der WM geht es Katar weniger um eigene sportliche Erfolge als um den internationalen Prestige-Gewinn. Acht Stadien in futuristischem Design in der Nähe der Hauptstadt Doha sollen für die Wüsten-WM gebaut werden, und zwar als wiederwendbare Sportstätten – nach dem Turnier sollen Teile der Sitzreihen abgebaut und in arme Entwicklungsländer verschifft werden. Möglicherweise müssen Fußballfans bei der ersten WM in einem muslimischen Land auf Alkohol rund um die Stadien verzichten.

Schwere politische Krise

Mit diesen Unwägbarkeiten fangen die Probleme aber erst richtig an. Die schwere Krise zwischen Katar und den Nachbarstaaten Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain und Ägypten störte nicht nur die Lieferung von Baumaterial, sondern wirft auch die Frage auf, ob die erste arabische WM ohne Zuschauer aus wichtigen arabischen Staaten auskommen muss. Die Grenzen zwischen Katar und dem Quartett sind seit mehr als einem Jahr geschlossen. Niemand rechnet mit einer baldigen Beilegung des Streits.

Der Imageschaden ist schon passiert

Für Unruhe sorgen auch Berichte über die schlimmen Zustände an den Stadion-Baustellen in Katar. Arbeiter schuften sich bei großer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit buchstäblich zu Tode, sagen Menschenrechtler. Die Regierung Katars, die einen Imageschaden für das Land befürchtet, verspricht Besserung. Auch Vorwürfe, Katar habe sich bei der Vergabe der WM-Austragung vor acht Jahren mit Hilfe üppiger Schmiergelder gegen die USA durchgesetzt, werfen einen Schatten auf die Vorbereitungen. Die katarische Fernsehgesellschaft beIN soll der Fifa 100 Millionen Dollar zugesagt haben, wenn Katar den Zuschlag erhalte. Der damalige Fifa-Chef Sepp Blatter rief demnach US-Präsident Barack Obama schon Tage vor der Entscheidung an, um ihn vom Sieg Katars zu informieren.

Saudi-Arabien untergräbt die WM

Nach wie vor ist nicht sicher, wie die WM aussehen soll. Laut Presseberichten dringen Katars reiche Rivalen in Saudi-Arabien und anderswo bei der Fifa auf eine Ausweitung des Turniers von 32 auf 48 Mannschaften. Das würde die Frage aufwerfen, ob das kleine Emirat die Massenveranstaltung noch alleine stemmen kann oder ob der Wettbewerb besser zu einer „Golf-WM“ erklärt werden sollte, bei der auch die Saudis mitmachen würden. Das würde den Kataris die Schau stehlen und das kleine Land als nicht stark genug erscheinen lassen – genau das ist die Absicht von Katars Gegnern. Die Regierung in Doha betont demonstrativ, das Land könne auch 48 Mannschaften alleine verkraften. Schon jetzt deutet sich an, dass sich die WM tief in die Rivalitäten auf der Arabischen Halbinsel verstricken wird.

So werden die acht Stadien für die WM 2022 aussehen: http://www.sk.de/9821106

So läuft’s vor Katar: Nationenliga, EM

Vier Jahre, vier Monate und sechs Tage liegen zwischen dem Finale von Moskau und dem Eröffnungsspiel in Katar. Bis dahin rückt der Fußball in Europa in den Mittelpunkt.

  1. .Wie funktioniert die Nationenliga? Die Uefa-Mitglieder wurden nach Leistungsstärke in vier Divisionen eingeteilt. In diesen Ligen gibt es je vier Gruppen in denen in Hin- und Rückspielen Sieger ermittelt sind. Wenn diese Gewinner nicht über die normale Qualifikation die EM-Teilnahme schaffen, können sie sich über eine Playoffrunde die Quali sichern. Ist ein Gruppensieger schon qualifiziert, bekommt das nächste noch nicht qualifizierte Team den Playoff-Startplatz.
  2. .Gegen wen spielt Deutschland in der Nationenliga? Die DFB-Elf wurde in der Divison 1 in die Gruppe A mit Frankreich und den Niederlanden gelost. Start ist am 6. September in München gegen die Équipe tricolore.
  3. .Wieso findet die EM 2020 in zwölf Ländern statt? Die Idee stammt noch vom alten UEFA-Chef Michel Platini. Der Franzose wollte den völkerverbindenden europäischen Gedanken zum Ausdruck bringen – so die offizielle Version. Kritiker unterstellten ihm eine egoistische sportpolitische Motivation.
  4. .Wie funktioniert das Turnier? Die zwölf Gastgeber bilden Paare, in denen Gruppenspiele stattfinden. Neben München/Budapest sind die weiteren Duos Rom/Baku, Kopenhagen/St. Petersburg, Amsterdam/Bukarest, London/Glasgow und Bilbao/Dublin. Halbfinals und Endspiel sind in London.
  5. .Wird der Modus so kompliziert wie bei der EM 2016? Ja. Wieder sind 24 Teams dabei. Ins Achtelfinale kommen sechs Gruppensieger und Gruppenzweiten sowie die vier besten Dritten.
  6. .Wo spielt die deutsche Mannschaft? Zumindest die Gruppenphase wird bei erfolgreicher Qualifikation zur Heim-EM. Wahrscheinlich alle drei Partien der Vorrunde finden in der Allianz-Arena statt. Danach ginge es für das Team auf Europa-Reise. Als Gruppensieger wären Bukarest und St. Petersburg Spielorte für Achtel- und Viertelfinale, als Zweiter Dublin und Rom.
  7. .Wie läuft die EM-Qualifikation? Alle 55 Uefa-Mitglieder, also auch die zwölf EM-Gastgeber, müssen die Qualifikation in zehn Gruppen mit fünf oder sechs Teams bestreiten. Die Gruppensieger und Gruppenzweiten lösen das EM-Ticket. Zu diesen 20 Teams kommen vier Mannschaften, die sich über die neue Nationenliga qualifizieren. (dpa)