Manuel Neuer: Machtlos beim Gegentor, das er angesichts des kapitalen Fehlpasses von Toni Kroos treffend mit den Worten „So ein Scheiß“ kommentierte. Hielt Bergs Kopfball mit einer fantastischen Parade – und hielt damit die deutsche Elf im Spiel. – Note: 2

Joshua Kimmich: Besser als gegen Mexiko, aber das war ja auch eher leicht. Trotz allem bleibt der Eindruck, dass der junge Bayern-Kicker den vielen Pflichtspielen dieser langen Saison Tribut zollen muss. – Note: 3

Jérôme Boateng: Es ist ungewöhnlich, dass der Münchner nur 47 Prozent der Zweikämpfe gewinnt. Es ist zu viel verlangt, dass er im Mittelfeld das Spiel ankurbeln soll. In der 82. Minute musste er mit Gelb-Rot vom Platz, doch hätte es auch schon in der ersten Halbzeit eine glatte Rote Karte setzen können – wenn Schiedsrichter Marciniak seinen höchst grenzwertigen Einsatz gegen Schwedens Angreifer Berg als Foulspiel gewertet hätte. – Note: 4

Antonio Rüdiger: Der moderne Fußball wirft ja so manches Rätsel auf, eines davon ist, wie es der in Berlin geborene Verteidiger hinaus schaffte in die große weite Kick-Welt. Der Mann kann harte Zweikämpfe führen, aber nicht die Bohne ein strukturiertes Aufbauspiel inszenieren. Ein kapitaler Ballverlust hätte zur schwedischen Führung und zum Platzverweis für den Kollegen Boateng führen können – ein echtes Glück, dass das nicht passierte. Sollte sein erstes und vorläufig letztes WM-Spiel gewesen sein. – Note: 5

Jonas Hector: Bist du in Deutschland Linksverteidige rund kannst stramm geradeaus marschieren, bist du schon Nationalelf-verdächtig. Der Kölner hatte immerhin eine starke Abwehraktion, als er Claesson seine Hacke in den Weg stellte, aber ansonsten einfach Durchschnitt. Mit etwas mehr Mumm beim Abschluss hätte er sonst einen Treffer erzielen können. – Note: 4

Sebastian Rudy: Seine Aufstellung kam für viele überraschend, für jene, die sich eine verlässliche defensive Komponente im wackligen Mittelfeld wünschten, freilich nicht. Hatte bis zur 31. Minute keinen einzigen Fehlpass, dann machte er Bekanntschaft mit dem Kickstiefel von Toivonen und musste mit gebrochener und extrem blutender Nase raus. Wie Rudy das blutverschmierte Trikot auf den Boden pfefferte, zeigte, wie fokussiert er war. Gute und schnelle Besserung, der Mann könnte noch gebraucht werden. – Note: 3

Toni Kroos: Wie anfangen? Klar: mit der 95. Minute! Was für ein Freistoß, was für ein Schuss, was für ein Tor. Man kann da die Superlative plagen: sensationell, überragend, einzigartig, fantastisch, grandios – jeder stimmt, alle sind richtig. Und weil der Star von Real Madrid der deutschen Elf damit das 2:1, den Sieg und die Chance, im Turnier doch noch weit zu kommen, sicherte, erhält er in der Benotung einen Bonus. Soll heißen, die unterirdische erste Halbzeit, in der er diesen unverständlichen Fehlpass in der eigenen Hälfte produzierte, der zur schwedischen1:0-Führung führte, wird in ein rosarotes Wölkchen geschoben. – Note: 2 statt 3

Julian Draxler: Hätte nach wenigen Minuten das 1:0 machen können, nein, müssen. Schoss stattdessen kopflos den auf der Torlinie stehenden Larsson an. Traf auch sonst nicht immer die richtigen Entscheidungen. Und wenn er mal in den Zweikampf ging, endete das meist mit Freistößen für Schweden. Zur Pause zu Recht ausgewechselt. – Note 4,5

Marco Reus: Sollte jemand daran gezweifelt haben, dass der Dortmunder ein klarer Startelf-Kandidat ist, der wurde eines Besseren belehrt. Wendig, lauf- und einsatzfreudig, und auch torgefährlich, das  war stark. Der Lohn: der Ausgleichstreffer zum 1:1, auf fast schon artistische Weise erzielt mit Wade, Knie oder Oberschenkelansatz. Wurstegal, der Reus muss natürlich drin bleiben – in der Mannschaft und im Turnier. – Note: 2

Thomas Müller: Sagen wir es mal so: Wer mag den Mann nicht, wer wünscht ihm nicht das Allerbeste und wenigstens einen Hauch jener Spielideen und Torraumpräsenz, die ihn 2010 in Südafrika und 2014 in Brasilien jeweils fünfmal haben treffen lassen. Leider ist es aber so, dass der Zahn der Zeit an dem Münchner nagt und er angesichts der Saisonstrapazen auch nicht so fit ist wie früher. Müller bemüht sich stets, doch kommt kaum mehr etwas dabei heraus. – Note: mit Wohlwollen 4

Timo Werner: In der ersten Halbzeit kam der Leipziger noch nicht so richtig zur Geltung, im zweiten Abschnitt aber große Klasse. Da durch die Einwechslung von Mario Gomez ab der 46. Minute das Sturmzentrum besetzt war, kam Werner über die linke Seite. Und wie: mit Mumm, mit Tempo, mit Wirkung. Er bereitete das 1:1 vor und er holte in der 95. Minute mit einem weiteren Dribbling, das von Durmaz nur mit einem Foul unterbunden werden konnte, den Freistoß heraus, den Kroos dann zum Siegtreffer nutzte. Wie heißt es neudeutsch? Tolle Performance! – Note: 2

Ilkay Gündogan: Kam für den verletzten Sebastian Rudy zu seinem ersten Einsatz bei der WM, rechtfertigte das Vertrauen von Bundestrainer Löw allerdings nicht. Zu langsam, ohne Esprit, mutlos. Einmal startete Reus auf der rechten, einmal startete Werner auf der linken Seite doch beide Male traute sich Gündogan den Vertikalpass nicht zu, den er doch eigentlich beherrscht. Keine empfehlung für weitere Einsätze. – Note: 4,5

Mario Gomez: Es war aus zwei Gründen gut, dass Löw den Stuttgarter brachte. Erstens beschäftigte der kräftige Stürmer die ebenso kernigen schwedischen Innenverteidiger ziemlich, zweitens bekam so Timo Werner den Plazt für Sturm und Drang auf der linken Seite. Am 1:1 war Gomez beteiligt, weil er bei Werners scharfer Hereingabe Schwedens Abwehrchef Granqvist aus dem Zentrum lockte und den Ball auch noch berührte – wenn man so will, der Kugel den entscheidenden Touch gab, der es Reus ermöglichte, sie ins Tor zu bugsieren. Als er selbst das 2:1 auf dem Kopf hatte, gelang es Gomez allerdings, den Ball in ein Eck zu platzieren – die Chance hätte er verwerten müssen. – Note: 3

Julian Brandt: Kann, soll man einen Spieler bewerten, der erst in der 87. Minute  eingewechselt wird? Nicht immer, aber manchmal schon. Wie schon gegen Mexiko, als er ebenso spät aufs Feld kam, hinterließ der Leverkusener einen super Eindruck. Wie gegen Mexiko ließ er einen großartigen Torschuss los, doch wie gegen Mexiko landete der Ball am Pfosten. Beim ersten Mal war es noch der Außenpfosten, diesmal der Vollpfosten, der nächste Ball geht rein! Aber auch so war Brandts Pfostentreffer wichtig, er zeigte in der 92. Minute nämlich, dass auch in den restlichen drei Nachspielminuten noch etwas gehen kann. Tja – und ging! – Note: für die Courage eine 2