In den ersten Partien des Confederations Cups kam die neue Videotechnik mehrfach zum Einsatz. Die Entscheidungen der Referees aus der Videobox waren korrekt, dreimal wurden Fehler der Schiedsrichter korrigiert. Und doch gibt es für den Fußball-Weltverband einiges zu tun. Fans sind überfordert und auch die Spieler nicht glücklich.

 
  1. Wie funktioniert der Videobeweis beim Confederations Cup? Bei jedem Spiel verfolgen zwei Videoreferees und ein Linienrichter in einem Raum im Stadion die Partie auf mehreren Bildschirmen. Trifft der Schiedsrichter bei Szenen wie Tor, Elfmeter, Roter Karte oder der Bestrafung eines falschen Spielers eine aus ihrer Sicht falsche Entscheidung, kontaktieren sie ihn über Funk. Das Spiel wird unterbrochen und der Schiedsrichter zeichnet mit den Armen ein Viereck in die Luft: das Symbol, dass der Videobeweis zum Einsatz kommt. Die Videoreferees können die Szene in bis zu 34 verschiedenen Einstellungen checken. Ihr Urteil geben sie an den Schiedsrichter weiter.
  2. Muss der Schiedsrichter das Urteil der Videoreferees akzeptieren? Nein. Der Schiedsrichter kann es sofort annehmen oder sich die Szene auf einem Bildschirm am Spielfeldrand nochmals anschauen. Letztlich trifft er auf dem Platz dann die letzte Entscheidung. In Russland folgten die Schiedsrichter in allen vier Fällen sofort den Videoreferees und lagen damit richtig.
  3. Warum gibt es doch wieder Aufregung? Das Problem ist nicht der Videobeweis als solcher, sondern die technische Umsetzung.
    Tor oder kein Tor? Bis zur Antwort auf die Gretchenfrage des Fußballs verging am Sonntag in je zwei Fällen bei den Spielen Chile gegen Kamerun (2:0) und Portugal gegen Mexiko (2:2) sehr viel Zeit. 56 Sekunden, 2:09 Minuten, 1:08 Minuten, 1:05 Minuten – das ist für Fans wie Spieler zu lang. Das zweite Problem: Zuschauer im Stadion und am TV wie auch Spieler und Trainer fühlten sich schlecht informiert, warum der Videoreferee überhaupt zum Einsatz kam.
  4. Was sagt die Fifa zu den Problemen? Der Weltverband hatte vorab gewarnt, das System befinde sich noch in der Testphase, Holprigkeiten seien nicht auszuschließen. Nach den Ernstfällen in Moskau und Kasan versuchte die Fifa mit Videos bei Twitter und Erklärungen auf ihrer Homepage die Sachlage zu erläutern. Hinter den Kulissen wurde eingeräumt: Die Präsentation der Abläufe für Fans im Stadion und im TV sind verbesserungswürdig.
  5. Wie geht es weiter mit dem Videobeweis? Nach dem Confed Cup wird das System in einigen nationalen Ligen weiter getestet – auch in der Bundesliga! Dabei wird sich der Videobeweis bewähren müssen. Die Ergebnisse werden vom International Football Association Board (Ifab) bewertet. Nur die Regelhüter können entscheiden, ob und in welcher Form der Videobeweis dauerhaft Einzug in den Profifußball hält.
  6. Wird nun jeder Bundesliga-Spieltag von Video-Disk ussionen begleitet? Die Deutsche Fußball Liga hat sich freiwillig als Probe-Liga gemeldet. In der vergangenen Saison liefen Tests mit Videoreferees ohne Kontakt zum Schiedsrichter. Das wird anders. Mit etwa zwei bis drei Situationen rechnet man im Durchschnitt pro Spieltag – hitzige Debatten sind programmiert. Bislang ist nur ein Videoreferee pro Spiel vorgesehen – statt der drei beim Confed Cup. Diese Personalstärke wird von Insidern als kritisch bewertet, gerade wenn Entscheidungen schnell getroffen werden müssen. DFL-Direktor Ansgar Schwenken: „Wir fühlen uns dank umfangreicher Vorbereitungen gut gerüstet.“




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Die Technik in anderen Sportarten

Nach den ersten Spielen beim Confederations Cup in Russland entzündet sich Kritik an der Umsetzung des Videobeweises. In vielen anderen Sportarten ist das technische Hilfsmittel längst etabliert. Eine Auswahl:

  • Basketball: Seit 2014 können die Schiedsrichter in der Bundesliga ihre Entscheidungen über einen Monitor am Kampfrichtertisch überprüfen und gegebenenfalls ändern. Die Situationen, die angeschaut werden können, sind festgelegt – etwa, ob ein erfolgreicher Korb ein Wurf für zwei oder drei Punkte gut oder ob die 24-Sekunden-Uhr bereits abgelaufen war. Auch international ist der Videobeweis üblich.
  • Eishockey: Technische Hilfsmittel beim Torentscheid sind im Eishockey Normalität. Bei strittigen Entscheidungen kann der Schiedsrichter in einer Spielunterbrechung den Videobeweis nutzen. Dem Unparteiischen werden verschiedene Videobilder vom Torschuss gezeigt. In der DEL sind daher Übertorkameras Pflicht. Bei TV-Übertragungen werden auch die Wiederholungen der seitlichen und hinteren TV-Kameras zurate gezogen. Über Fouls wird nicht entschieden.
  • Handball: Bei der WM 2017 war erstmals offiziell der Videobeweis im Einsatz. Neben der Kontrolle, ob ein Ball hinter der Linie war oder nicht, können die Schiedsrichter auch checken, ob die Spielzeit schon abgelaufen war, als ein Tor erzielt wurde. Auch bei groben Fouls, die übersehen wurden, können sie die Technik nutzen.
  • Hockey: Bei Turnieren des Weltverbandes FIH gibt es zwei Arten von Videobeweisen: „Umpire Referral“ und „Team Referral“. Ein Umpire Referral darf ausschließlich von den Schiedsrichtern angefordert werden. Hier geht es darum: Ist ein Tor korrekt erzielt worden oder nicht. Beim Team Referral kann per Video geklärt werden, ob zum Beispiel eine Strafecke oder ein Siebenmeter-Entscheid berechtigt ist. Jedes Team hat das Recht, den Video-Referee einzuschalten. War der Einwand berechtigt oder kann keine abschließende Klarheit erzielt werden, behält das Team sein Einspruchsrecht. Wenn nicht, ist dieses Recht verwirkt.
  • Tennis: Das Hawk-Eye ist populär, bei Spielern wie bei Zuschauern. Jeder Spieler hat pro Satz dreimal die Möglichkeit, das Hawk Eye zu befragen. Lag der Schiedsrichter falsch, behält der Spieler seine drei Einspruchsmöglichkeiten. Liegt der Spieler falsch, verliert er einen Versuch.
  • Leichtathletik: Bewegte Bilder sind bei Protesten als Beweismittel zugelassen – allerdings erst nach dem Wettkampf. Eine Jury berät im sogenannten Technischen Informationszentrum des Stadions oder der Halle über den Protest. Neben Videos sind auch andere Beweismittel zugelassen.
  • Fechten: Der Videobeweis ist längst Alltag und gehört zum Standardprogramm wie Parade und Riposte. Ein Fechter kann je Gefecht grundsätzlich zwei strittige Situationen via Technik klären lassen. Fällt die Entscheidung zu seinen Gunsten aus, darf er das beliebig oft anwenden. (dpa)