Bis zur 85. Minute war es ein ganz normales Fußballspiel in der Kreisliga A. Das ist die drittniedrigste Amateurliga, hier dauern Auswärtsfahrten selten länger als eine halbe Stunde, in Sachen Leidenschaft und Einsatz sind die Unterschiede zu den großen Ligen dagegen kaum geringer. Der FC Weizen, mit vier Siegen am Hochrhein in die Saison gestartet, führte bereits 4:1 gegen den SC Lauchringen, der mit einer ausgeglichenen Bilanz die Partie begonnen hatte. Die Begegnung schien gelaufen, doch der Fußballnachmittag endete anders als erwartet. Auslöser war ein Zweikampf, in den Lauchringens Kebba Mamadou verwickelt war, an der Außenlinie auf der Seite des Vereinsheims des FC Weizen. Auch hier: Eigentlich eine normale Szene. Auf dem Platz war es bis dato ruhig gewesen.

Was folgte, erklärte SC-Vorsitzender Thomas Kummer später so: „Ein Zuschauer hat unseren Spieler Kebba Mamadou rassistisch beleidigt.“ Laut Kummer habe zunächst ein Mann den Spieler aus dem Senegal verbal angegangen, kurz darauf habe eine Frau nachgelegt. Was genau gesagt wurde, darüber gingen die Meinungen auseinander. Es wurde nun heftig diskutiert, Schiedsrichter Gregor Huber aus Erzingen hatte die angeblichen Beleidigungen selbst nicht mitbekommen, erörterte mit den Kapitänen Tobias Kummer (SC Lauchringen) und Adrian Scheu (FC Weizen) die Situation. Der 21-jährige Mamadou war sichtlich geknickt, lief weinend zur Auswechselbank der Lauchringer. Kummer: „Wir haben uns dann dafür entschieden, vom Platz zu gehen.“ Der Schiedsrichter brach die Begegnung daraufhin ab: „Was bleibt mir anderes übrig, als das Spiel zu beenden, wenn die Lauchringer Spieler vom Platz laufen?“ Auf dem Weg zur Kabine kam es dann zu weiteren Wortgefechten, diesmal zwischen Lauchringer Spielern und dem Publikum. Die Gäste verließen nach dem Umziehen sofort das Sportgelände und fuhren nach Hause. „Wir stehen hinter unserem Spieler“, betonte Tobias Kummer, der bei aller Kritik das Verhalten der Trainer und der Mannschaft des FC Weizen lobte. „Die haben Verständnis gezeigt.“

Mamadou ist, so Thomas Kummer, vor gut drei Jahren als Flüchtling aus dem Senegal nach Lauchringen gekommen, hätte sich beim Sportclub seither bestens integriert. „Ein netter Kerl, der inzwischen einem Beruf nachgeht und auch bei uns bei jedem Arbeitseinsatz hilft“, so Kummer.

Im Internet wurden die Szene und die Reaktionen aller Beteilligten seit Samstagabend stark diskutiert, auf der Facebookseite des Hochrhein-Regionalsports überwogen Zuspruch und Anerkennung für die Lauchringer. Wie die Partie gewertet wird, ist noch ungewiss und Sache des Bezirksgerichts. Offen ist auch, ob es Folgen für den oder die Zuschauer vonseiten des FC Weizen geben wird. Vereinsvorsitzender Jannik Boma sagte: „So etwas geht natürlich nicht. Wir werden die Sache im Vorstand besprechen und klären.“