Wie soll man es sagen? Zu langes Mittagsschläfchen? Kurz vor Spielbeginn noch ein Schlückchen Baldrian getrunken? Oder schon vor der Partie ein paar Pullen Sekt geköpft anlässlich des 200. Pflichtspiels von Christian Günter und des 150. von Nicolas Höfler? Fakt ist jedenfalls, dass die Kicker von Trainer Christian Streich die ersten 25 Minuten völlig verpennen – und zwar ohne Ausnahme.

Die Quittung fürs ziellose Nebenherlaufen bekommen die Freiburger schnell. In der 6. Minute erlaubt sich Gbamin einen Weitschuss aus 25 Metern, der schön aussieht, aber eben haltbar ist. Alexander Schwolow steht ungünstig und reagiert dann auch noch zu spät, schon liegt der Ball im Netz des SC-Tores. Nur zwölf Minuten später darf nach einem ungenügend abgewehrten Eckball erst Aarón unbehelligt flanken und dann in der Mitte des Strafraums Mateta köpfen, schon steht’s 0:2. Selten hatte man einen so schwachen, in einigen Szenen geradezu hilflosen Auftritt des SC Freiburg gesehen.

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Kurz nach dem zweiten Gegentreffer hat Pascal Stenzel seine bis dahin beste Szene, als er einen Zettel, den ihm an der Seitenlinie der Trainer mitgegeben hatte, zu Nicolas Höfler bringt. Umstellung! Dreier- statt Viererkette! Und, bitteschön, endlich auch mal Einsatz, Pressing, Aggressivität. Luca Waldschmidt ist es, der in einen Abwurf des Mainzer Schlussmanns Zentner grätscht und so Ballbesitz schafft, den Mike Frantz zu einer scharfen Flanke und Höfler zu einem feinen Flugkopfball nutzen. Doch Zentner reagiert stark und verhindert den Freiburger Anschlusstreffer.

Nach einer halben Stunde tobt der Sportclub-Anhang. Eine Flanke von Günter Richtung Tim Kleindienst prallt 05-Abwehrrecke Niakhaté an den Oberarm, Schiedsrichter Sascha Stegemann lässt weiterspielen und aus dem Kölner Videokeller meldet sich niemand. Daniel Siebert sieht keinen Grund einzugreifen, und wenn das auch der Fall gewesen wäre, wenn Stegemann auf Elfmeter entschieden hätte, soll alles gut sein. Kann-Entscheidung, tatsächlich hat es für Aktionen wie die von Niakhaté auch schon Strafstoß gegeben.

Die zweite Halbzeit

Zur zweiten Halbzeit schickt Christian Streich den Ungar Roland Sallai für Kapitän Frantz aufs Feld, der einen rabenschwarzen Tag erwischt hat. Die erste Chance geht in der 49. Minute freilich wieder an die Gäste, als sich Schwolow nach einem Mainzer Befreiungsschlag einen Aussetzer leistet und den Ball durch die Hände rutschen lässt. Doch damit hat Quaison nicht gerechnet und bereits abgedreht.

Nach 53 Minuten hätte die Partie vielleicht noch eine Wende nehmen können. Wenn, ja, wenn Höfler einen weiteren Flugkopfball im Tor untergebracht hätte – der Ball saust am staunenden Zentner, aber eben auch am Pfosten vorbei. Immerhin gelingt es den Freiburgern nun, Druck aufzubauen. 62. Minute, Eckball Günter, zu schwacher Kopfball von Dominique Heintz; 63. Minute, Flanke Sallai, um ein Haar unterläuft Brosinski ein Eigentor, die Kugel rauscht Zentimeter neben den Pfosten; 66. Minute, Konter über Haberer und Sallai, der Ungar schießt aus 18 Metern knapp neben den Kasten. Dann die 72. Minute – und endlich klappt es: Günter setzt sich wieder einmal kraftvoll auf Linksaußen durch, sein Flanke lässt Kleindienst durch, Waldschmidts Schuss wehrt Zentner bravourös ab, doch gegen Sallais Nachschuss ist auch er machtlos – 1:2 und noch 18 Minuten ohne Nachspielzeit.

Geht da noch was für den SCF? Drei Minuten später heißt die Antwort: Nein! Der 150er-Jubilar Höfler versucht vor dem eigenen Strafraum einen Zaubertrick, verliert den Ball, den der eingewechselte Onisiwo Sekunden später zum 1:3 ins Tor setzt. Unglaublich, aber irgendwie passt es zu diesem aus Freiburger Sicht gebrauchten Tag. Wie denn auch die Szene zwei Minuten später: Günter zirkelt einen Freistoß in den Strafraum, Robin Koch springt am höchsten, doch sein Kopfball kracht gegen die Latte. Oder die Szene in der 80. Minute: Waldschmidt trickst drei Mainzer aus, doch frei vor Zentner spitzelt er den Ball am Tor vorbei – das war fast schon eine Kunst. Oder auch noch die 86. Minute: Der Mainzer Torschütze Onisiwo foult Höfler böse, worauf der Freiburger humpelnd vom Platz muss. Erst das 1:3 verschuldet, dann auch das noch – sein Jubiläumsspiel wird der Mann aus Owingen am Bodensee nicht so schnell vergessen. Und seine Teamkollegen wohl auch nicht.