Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny hält sich auch nach seiner Entlassung aus der Berliner Charité noch in Deutschland auf. Immer wieder war über den Aufenthaltsort von Wladimir Putins schärfstem Kritiker spekuliert werden. Aus gut unterrichteten Quellen erfuhr der SÜDKURIER, dass sich Nawalny in Ibach im Kreis Waldshut von seiner Nowitschok-Vergiftung erholt. Mehrere Quellen bestätigen, dass er dort vor drei Tagen eine Ferienwohnung bezog. Ein SÜDKURIER-Mitarbeiter sah den prominenten Politiker am Mittwochvormittag vor die Tür treten und mit Personenschützern in einem großen Audi davonfahren. „Ich habe ihn mit Maske fotografiert, aber ich habe ihn auch ohne gesehen“, sagt Peter Koch.

Mit Mundschutz kommt Alexej Nawalny (oben rechts) die Treppe von seiner Ferienwohnung herunter.
Mit Mundschutz kommt Alexej Nawalny (oben rechts) die Treppe von seiner Ferienwohnung herunter. | Bild: Peter Koch

Nawalny bewohnt eine Luxusferienwohnung im Ort. Vermieterin Gabriele Voser bestätigt den Aufenthalt Nawalnys nicht. „Wir haben immer wieder prominente Gäste, aber Sie werden von mir nicht erfahren, wer es ist“, sagte sie dem SÜDKURIER. Schließlich seien die Gäste ruhesuchend. „Diese Ruhe sollte man ihnen auch gönnen.“ Die Fünf-Sterne-Appartments, die Voser vermietet, sind im modernen Schwarzwald-Stil ausgestattet. „Das kommt bei unseren Gästen gut an.“ Auch aus der Musikbranche seien des Öfteren schon Prominente dort abgestiegen.

Polizei ordnet umfangreiche Schutzmaßnahmen an

Eine Bestätigung von offizieller Seite gab es noch nicht. Matthias Albicker, Polizeipressesprecher im Landkreis Waldshut, bestätigte allerdings auf Anfrage, dass sich eine Schutzperson in Baden-Württemberg befinde. Albicker: „Das Polizeipräsidium Freiburg hat entsprechend der Gefährdungsbewertung umfangreiche Schutz- und Einsatzmaßnahmen angeordnet.“ Ob es sich dabei um Nawalny handelt, wollte er weder bestätigen noch dementieren.

Das Rathaus in Ibach mit zwei Mannschaftswagen der Polizei.
Das Rathaus in Ibach mit zwei Mannschaftswagen der Polizei. | Bild: Peter Koch

Laut Anwohnern soll Nawalny begleitet von Polizeibeamten Spaziergänge durch Ibach unternommen haben. Ein SÜDKURIER-Mitarbeiter berichtete, dass das Dorf nicht abgeriegelt sei. Allerdings werde am Ortseingang von Polizeibeamten in Zivil kontrolliert. Beamte wurden offenbar landesweit zum Schutz Nawalnys zusammengezogen. Anwohner schilderten, dass über dem Ort in der Nacht der Hubschrauber kreiste, außerdem seien Zivilstreifen unterwegs.

Der bekannte Oppositionelle Nawalny gilt als äußerst gefährdet. Am 20. August war er auf einem Flug vom sibirischen Tomsk nach Moskau zusammengebrochen. Zwei Tage später wurde er auf Drängen seiner Familie zur Behandlung in die Berliner Universitätsklinik Charité gebracht. Ein Speziallabor der Bundeswehr wies nach, dass Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der sogenannten Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde. Das bestätigte inzwischen auch die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW).

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