Die Spannung ist greifbar. Ich darf nach Saudi-Arabien, in das Land, das zuletzt vor allem durch den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi sehr in der Kritik stand. Schon bei der Anreise merke ich, dass das eine besondere Erfahrung wird. Im Flugzeug gibt es einen mit einem Vorhang abgetrennten Gebetsraum, zudem einen Countdown, der die Minuten bis zum nächsten Gebet zählt. Auch viele Filme sind zensiert, zum Beispiel nackte Beine von Frauen gepixelt. Ich fliege mit der saudischen Fluglinie Saudia.

Mit der saudi-arabischen Fluglinie Saudia ging es von Rom nach Riad.
Mit der saudi-arabischen Fluglinie Saudia ging es von Rom nach Riad. | Bild: Christoph Schmidt, dpa

Am späten Abend komme ich in Riad an. Die Stadt leuchtet und blinkt, aber nicht so sehr wie die arabischen Nachbarn Dubai oder Abu Dhabi. Die sind beide noch wesentlich westlicher geprägt. In Abu Dhabi etwa finden sich sogar viele Weihnachtsbäume oder anderer Weihnachtsschmuck rund um den Jahreswechsel. Davon ist im sehr konservativen und stark vom Islam geprägten Riad nichts zu sehen. Eine Besonderheit ist hier der Kingdom-Tower, der wie ein Flaschenöffner aussieht. Die beiden Türme verbindet eine Brücke, auf der man von oben auf die Stadt blicken kann.

Der Kingdom-Tower ist eines der Wahrzeichen von Riad.
Der Kingdom-Tower ist eines der Wahrzeichen von Riad. | Bild: Scheinhof, Marco

Wer teuer und schick einkaufen möchte, wird natürlich auch in Riad fündig. Dass in der Stadt dank des Erdöls viel Geld zu finden ist, wird sofort klar. Eine Luxusboutique steht neben der anderen. Und es gibt natürlich viele Juweliere, die ihren Schmuck anbieten. Touristen gibt es in Riad kaum, bislang war das Land mit seinen Visa nicht sehr freizügig. Nur Geschäftsleute kamen ins Land. Das hat sich durch den Besuch der Formel E Mitte Dezember etwas geändert.

... wie teure Marken aus dem westlichen Ausland. Bilder: Scheinhof
... wie teure Marken aus dem westlichen Ausland. Bilder: Scheinhof | Bild: FAYEZ NURELDINE

Riad aber hat auch seine Schattenseiten. Nicht wenige, um ehrlich zu sein. Die Gesellschaft ist noch geschlechtergetrennt, der Mann hat das Sagen. Auch wenn mittlerweile das Fahrverbot für Frauen aufgehoben wurde. Es gibt keine Bars und keinen Alkohol. Das Schlimmste aber: Es finden noch regelmäßig öffentliche Hinrichtungen statt. Auf dem Deera-Platz. Durch den Gully soll das Blut schneller ablaufen.

Unser Redakteur Marco Scheinhof hat sich den Platz angeschaut, auf dem noch immer die Hinrichtungen stattfinden.
Unser Redakteur Marco Scheinhof hat sich den Platz angeschaut, auf dem noch immer die Hinrichtungen stattfinden. | Bild: Scheinhof, Marco

Als ich dort bin, ist wenig los. Der Platz ist verwaist. Es ist ein Freitagnachmittag. Die öffentlichen Enthauptungen, die auch als Abschreckung für vermeintliche Wiederholungstäter herhalten sollen, finden am Freitagmorgen nach dem ersten Gebet statt. Allerdings nicht an jedem Freitag. Ich jedenfalls bin froh, dass ich keine Enthauptung miterleben musste.

Video: Scheinhof, Marco

Natürlich haben nicht alle Menschen in Saudi-Arabien viel Geld. Auch dort macht sich die Wirtschaftskrise breit. Vor allem in der Innenstadt gibt es viele riesige Wohnblöcke, in denen die Menschen auf wenig Platz zusammenleben. Riad ist groß, mehr als sechs Millionen Menschen leben hier. Gerade wird an einer Metro gebaut, die in den nächsten Jahren fertig werden soll.

Neben vielen modernen Hochhäusern gibt es in Riad auch viele ältere Wohngebiete.
Neben vielen modernen Hochhäusern gibt es in Riad auch viele ältere Wohngebiete. | Bild: Scheinhof, Marco

Auffallend ist natürlich nach wie vor die Geschlechtertrennung. Es gibt für Männer und Frauen eigene Eingänge in Restaurants. Und natürlich sind sie auch während der Gebete, die mehrmals am Tag stattfinden, getrennt. Es gibt eigene Räumlichkeiten für die Männer, aber natürlich auch für Frauen.

Auch beim Rennen der Formel E gibt es Gebetsräume – jeweils für Männer und Frauen.
Auch beim Rennen der Formel E gibt es Gebetsräume – jeweils für Männer und Frauen. | Bild: Scheinhof, Marco

Durch die Formel E, die in Riad zu Gast war, hat sich das Land etwas geöffnet. Kronprinz Mohammed bin Salman hat die Gelegenheit genutzt, um Werbung für sein Land zu machen. Auch beim Rennen taucht er auf und läuft durch die Startaufstellung, neben sich der Kronprinz aus Bahrain. Später schaut er sich das Rennen von seiner exklusiven Loge aus an, die über die Strecke gebaut ist.

Kronprinz Mohammed bin Salman ließ sich auch bei der Formel E blicken. Bild: dpa
Kronprinz Mohammed bin Salman ließ sich auch bei der Formel E blicken. Bild: dpa | Bild: -

Bin Salman lockerte die Visa-Regeln und zeigte sich als guter Gastgeber. Mehr Schein als Sein? Die Kritik an ihm ist groß. Widersprüche duldet er nicht, wenngleich er sich als Sprecher der Jugend sieht. Der Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi ist das beste Beispiel für seine Skrupellosigkeit.

Immerhin, und das war das Gute bei meinem Besuch in Riad, hatten die Leute an diesem Wochenende viel Spaß. Es fanden erstmals in Saudi-Arabien richtige Konzerte statt, bei denen Männer und Frauen zusammen feiern und tanzen durften. Star-DJ David Guetta tritt auf, mehr als 10 000 Fans sind dabei. "Wir schreiben zusammen Geschichte", ruft Guetta. Ein guter Schritt in die Zukunft. Aber auch einer, der dauerhaft bleibt? Ich habe Zweifel, als ich wieder in den Flieger nach Hause steige.

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