Bei dem schweren Unwetter am Freitag sind im Raum Paderborn 30 bis 40 Menschen verletzt worden, davon mindestens zehn schwer. „Im Zuge eines Gewitters hat eine Windhose am Freitagnachmittag eine Schneise der Verwüstung von West nach Ost mitten durch Paderborn in Richtung der östlichen Stadtteile gezogen“, erklärte die Polizei am frühen Abend. Die Beamten berichteten von Millionenschäden. In einem Gewerbegebiet seien Dächer von Hallen angerissen worden. Bleche, Dämmung und andere Materialien seien kilometerweit geflogen.

Mutmaßlicher Tornado richtet schwere Schäden an

Auch im etwa 35 Kilometer entfernten Lippstadt meldete die Feuerwehr einen mutmaßlichen Tornado, der schwere Schäden angerichtet habe. Es habe zerstörte Dächer und umgestürzte Bäume im gesamten Stadtgebiet gegeben, sagte ein Feuerwehrsprecher. Fensterscheiben platzten und Autos wurden durch herabfallende Äste zerstört. Teils seien die Bäume schon am Stamm umgeknickt, berichtete die Gemeinde Altenbeken bei Paderborn – wie von der Hand eines Riesen getroffen.

Eine Dachlatte steckt am 20. Mai 2022 in der Windschutzscheibe eines geparkten Autos in Paderborn, nachdem ein Sturm große Schäden ...
Eine Dachlatte steckt am 20. Mai 2022 in der Windschutzscheibe eines geparkten Autos in Paderborn, nachdem ein Sturm große Schäden angerichtet hatte. | Bild: Lino Mirgeler/dpa

Bahnstrecke wurde gesperrt

Wegen Ästen und Bäumen auf den Gleisen musste die Bahnstrecke zwischen Paderborn und Altenbeken gesperrt werden. Betroffen seien der Regional- und Fernverkehr, Züge würden umgeleitet, sagte ein Bahnsprecher.

Ein Sprecher des NRW-Innenministeriums sagte, neben Paderborn und Lippstadt seien keine weiteren Orte bekannt, die es ähnlich getroffen habe.

Keine Verletzten oder Toten in Lippstadt

Verletzte oder gar Tote wurden aus Lippstadt zunächst nicht gemeldet. Hilfsorganisationen sowie Drohnen seien in Lippstadt im Einsatz, teilte der Kreis Soest mit. Es gebe noch „unzählige“ offene Einsatzstellen im Stadtgebiet.

Trümmer liegen vor der katholischen Kirche St. Clemens in Hellinghausen bei Lippstadt, deren Spitze zerstört wurde.
Trümmer liegen vor der katholischen Kirche St. Clemens in Hellinghausen bei Lippstadt, deren Spitze zerstört wurde. | Bild: Friso Gentsch/dpa

Im Lippstadter Freizeitbad Cabrioli wurden zeitweise etwa 120 Badegäste eingeschlossen, weil umgestürzte Bäume den Eingang blockierten. Später seien die Eingeschlossenen befreit worden, berichtete die Feuerwehr.

300 Feuerwehrkräfte im Einsatz

Im Ortsteil Hellinghausen sei durch den Sturm die Spitze einer Kirche heruntergestürzt. Etwa 200 bis 300 Kräfte der Feuerwehr seien im Einsatz. Die Lippstadter Feuerwehr werde dabei von Kräften mehrerer Nachbarorte unterstützt.

Die Kirchenspitze der katholischen Kirche St. Clemens in Hellinghausen bei Lippstadt wurde komplett zerstört und liegt jetzt vor der Kirche.
Die Kirchenspitze der katholischen Kirche St. Clemens in Hellinghausen bei Lippstadt wurde komplett zerstört und liegt jetzt vor der Kirche. | Bild: Friso Gentsch/dpa

DWD sprach höchste Unwetterwarnung aus

Für die Region hatte der Deutsche Wetterdienst DWD zeitweise die höchste Unwetterwarnstufe 4 ausgegeben – „extreme Gewitter“ mit Hagelschlag, heftigem Starkregen oder extremen Orkanböen. Es seien mehrere Meldungen über Tornados eingegangen – nicht nur aus Lippstadt, sondern etwa auch aus Lüdenscheid und Meschede, sagte ein DWD-Sprecher. Diese Meldungen müssten aber noch überprüft werden. (dpa)