1. Die Corona-Impfstoffe könnten bei Frauen zu Unfruchtbarkeit führen

Diese Behauptung ist falsch. Menschen, die das behaupten, stützen ihre Argumentation oft auf die vermeintliche Ähnlichkeit zwischen dem sogenannten Spike-Protein des Coronavirus, mit dem der Erreger an menschliche Zellen andockt, und dem körpereigenen Protein namens Syncytin-1. Bei gebärfähigen Frauen ist Syncytin-1 etwa für die Bildung der Plazenta verantwortlich, über die der Nachwuchs in der Gebärmutter mit Nährstoffen versorgt wird. Die These ist nun: Wenn der Körper nach einer Impfung eine Immunabwehr gegen das Corona-Spike-Protein bildet, weite sich diese Reaktion zugleich auch auf Syncytin-1 aus und verhindere so die Bildung der Plazenta. Es gebe jedoch überhaupt keine besondere Ähnlichkeit zwischen den beiden Proteinen, so „dass eine Kreuzreaktion des Impfstoffs im Grunde unmöglich ist“, sagt die Leiterin der Forschungsgruppe Biochemie und Bioorganische Chemie an der Universität Leipzig, Annette Beck-Sickinger.

Menschen ziehen bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung durch Stuttgart. Falschinformationen zur Corona-Impfung finden sich im Internet zuhauf.
Menschen ziehen bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung durch Stuttgart. Falschinformationen zur Corona-Impfung finden sich im Internet zuhauf. | Bild: Christoph Schmidt, dpa

Lars Dölken, Professor für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg, sagt: Selbst wenn beide Proteine Ähnlichkeiten aufwiesen, könne man nicht schlussfolgern, dass die körpereigenen Abwehrkräfte gegen das Coronavirus auch das Protein Syncytin-1 angriffen. Käme es tatsächlich zu einer solchen erweiterten Reaktion, hätte auch bereits eine Covid-Erkrankung schädliche Auswirkungen auf Schwangere haben müssen, so Dölken.

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2. EinemRNA-Impfung führt zu Genveränderungen

Das ist ausgeschlossen. Die Corona-Mittel von Biontech und Moderna funktionieren erstmals über die sogenannte mRNA (das „m“ steht für „messenger“, „RNA“ für „Ribonukleinsäure“). Dabei werden keine abgetöteten Sars-CoV-2-Erreger injiziert, sondern nur die Bauanleitung für einen Bestandteil des Virus – das Botenmolekül mRNA. Auf dieser Grundlage stellen die Körperzellen Teile des Viren-Hüllproteins (Spike-Protein) selbst her. Gegen dieses wiederum entwickelt das Immunsystem nun bestimmte Faktoren, sodass es bei einem späteren Kontakt mit dem Coronavirus die Struktur des Proteins wiedererkennen und den Erreger gezielt abwehren kann. Die Informationen der RNA können dabei nicht in die menschliche DNA eingebaut werden. Das verhindert schon die unterschiedliche chemische Struktur beider. Zudem erreicht die mit der Impfung aufgenommene mRNA gar nicht die Zellkerne, in denen das Erbgut in Form von DNA lagert.

Ein Demonstrant hält ein Schild mit der Aufschrift „Wir wollen frei sein und kein Gift“ bei einem Protest gegen Corona-Einschränkungen auf dem Grazer Hauptplatz. In Österreich ist die Impfskepsis besonders stark ausgeprägt.
Ein Demonstrant hält ein Schild mit der Aufschrift „Wir wollen frei sein und kein Gift“ bei einem Protest gegen Corona-Einschränkungen auf dem Grazer Hauptplatz. In Österreich ist die Impfskepsis besonders stark ausgeprägt. | Bild: dpa

3. Bei den Testläufen sind sechs Menschen am Biontech-Impfstoff gestorben

Das ist falsch. An der Phase-3-Studie von Biontech nahmen 43 448 Menschen teil. Im Studienzeitraum zwischen Ende April und Mitte November 2020 starben sechs der Teilnehmer – allerdings nicht an der Impfung. „Alle Todesfälle stellen Ereignisse dar, die in der allgemeinen Bevölkerung der Altersgruppen, in denen sie auftraten, mit einer ähnlichen Rate vorkommen“, schreibt die für die US-Zulassung des Präparats zuständige Behörde FDA. „Keinen Zusammenhang“ der Fälle mit der Impfstudie sieht auch die europäische Zulassungsbehörde EMA: „Andere Vorerkrankungen waren eher die Todesursache.“

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4. Die schnelle Zulassung und die Neuartigkeit des mRNA-Impfstoffs machen das Präparat unsicher

Diese Behauptung ist falsch. Anders als etwa in Großbritannien oder den USA gab es in der EU keine Notfallzulassung. Stattdessen setzt Europa auf eine sogenannte bedingte Marktzulassung. Der Unterschied: Bei einer bedingten Marktzulassung wird umfassender geprüft und die Hersteller tragen mehr Verantwortung für die Sicherheit des Medikaments. Angesichts der Pandemie-Lage wurde der Zulassungsprozess für die Corona-Impfstoffe allerdings beschleunigt – es gilt ein sogenanntes Rolling-Review-Verfahren. Dabei können Arzneimittelhersteller schon vor dem vollständigen Zulassungsantrag einzelne Berichte über die Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit ihres Präparats einreichen. Es werden also bereits während der Entwicklung neue Erkenntnisse geprüft, nicht erst ganz am Ende. Das macht das Verfahren schneller, aber nicht unsicherer: „Ein Rolling Review und ein beschleunigtes Bewertungsverfahren bedeuten nicht, dass es Abstriche hinsichtlich der Sorgfalt bei der Prüfung geben wird“, schreibt das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut. Seit mehr als drei Jahrzehnten wird an der Technologie der mRNA-Impfstoffe für Menschen geforscht – für die Krebstherapie und zum Impfen gegen Tollwut, Zika oder die saisonale Grippe.