Wer im Internet Einkäufe erledigt, kann Geld sparen – aber auch ziemlich böse Preisüberraschungen erleben. Selbst ein und dasselbe Produkt kann bei ein und demselben Händler ständig und ohne ersichtlichen Grund seinen Preis verändern, teilweise geschieht das sogar im Tagestakt. Das hat die Verbraucherzentrale Brandenburg in einer jetzt veröffentlichten Studie festgestellt. Ein Drittel der beobachteten Produkte aus verschiedenen Shops und Produktkategorien schwankte im rund einmonatigen Testzeitraum in seinem Preis. Klare Muster oder Erklärungen gibt es dahinter nicht. Als „ziemlich intransparent“ bezeichnet Studienleiterin Kirsti Dautzenberg das Geschäftsgebaren vieler Online-Händler.

Hose bei Zalando schwankt zwischen 199 und 79 Euro

1133 Produkte bei 13 Online-Shops von unter anderem Zalando, Otto, MediaMarkt, Hornbach und anderen branchenbestimmenden Händlern hat Dautzenbergs Team untersucht. Davon waren zwar viele Angebote konstant in ihrem Preis oder schwankten nur in nachvollziehbarem Rahmen, bei einigen Produkten zeigten sich aber extreme Ausschläge. Fast jedes sechste Produkte schwankte über viermal im Preis, manche davon fast täglich. Ein besonders krasses Beispiel gab es laut der Verbraucherzentrale bei Zalando. Der Preis einer Hose wurde zunächst von 129,95 Euro auf 99,95 Euro und am nächsten Tag auf 79,95 Euro heruntergesetzt. Am Tag drauf kostete sie 199,95 Euro, dann wieder 79,95 Euro; zwei Tage später erneut 199,95 Euro und schließlich 119,95 Euro. Ein wirres Auf und Ab, das Kunden natürlich extrem frustriert, wenn sie davon erfahren, wie vorherige Studien gezeigt haben.

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Warum drehen Online-Händler dann überhaupt so extrem an der Preisschraube? Zalando verweist auf SÜDKURIER-Anfrage darauf, sich an der unverbindlichen Preisempfehlung der Hersteller zu orientieren und ansonsten Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen lassen. Wenn ein Produkt ausverkauft sei, könnten zudem Drittanbieter die Ware über Zalando verkaufen, was zu anderen Preisen führe. Auch Kirsti Dautzenberg kennt die teilweise wenig überzeugenden Begründungen der Händler und hat ihren eigenen Verdacht: „Ich vermute eher, da geht es um Umsatz- und Gewinnmaximierung. Nach dem Motto: Wie weit kann ich mit dem Preis gehen und trotzdem noch jemanden finden, der das Produkt kauft.“

Kirsti Dautzenberg | Bild: KARLA FRITZE

Das Problem bei den sogenannten dynamischen Preisen: Keiner außer den Anbietern weiß, nach welchem Muster verteuert und reduziert wird. „Wir haben das Gefühl, dass noch viel experimentiert wird“, sagt Dautzenberg. Manche Anbieter verzichten auf Sprünge, anderen drehen im Vor- und Nachmittagstakt. An sich will Dautzenberg das nicht verteufeln: „Auch auf dem Wochenmarkt ändern sich die Preise“. Nur sei da alles verständlicher, etwa dass Produkte vor Marktschluss günstiger werden. Der Onlinemarkt sei da undurchsichtiger und genau das führe zu Vertrauensverlust.