Mit dem Altweibersommer sind auch die Spinnennetze wieder da, die so schön im Sonnenlicht glänzen und für romantische Herbststimmung sorgen. Wenn nur die Spinnen darin nicht wären. So manch einer ekelt sich vor ihnen oder fürchtet sie gar – völlig zu Unrecht. Hier kommen die verbreitetsten Vorurteile und Irrtümer über Spinnen.

  • Der Ekel vor Spinnen ist angeboren: Zugegeben, Spinnen sind ganz anders als andere Tiere. Sie weben Netze, bewegen sich auf acht Beinen und haben auch kein kuscheliges Fell wie etwa kleine niedliche Meerschweinchen. Dennoch sind weder die ausgeprägte Spinnenangst (Arachnophobie) noch das schaurige Ekelgefühl angeboren. Beides wird erlernt, sagen Psychologen. Wenn Mutti zu Hause jedes Mal laut aufschreit, sobald ihr einer der kleinen Achtbeiner begegnet, schaut sich der Nachwuchs dieses Verhalten von der Mutter ab. Wird dann auch noch belehrend nachgeholfen, mit Vorurteilen wie „Spinnen sind eklig“, stehen die Chancen sehr gut, dass auch der Sprössling Spinnen in Zukunft meidet, wo es nur geht. Fatal kann das Ganze werden, wenn es so zu einer ausgeprägten Spinnenangst (Arachnophobie) kommt. Die Betroffenen sind dann nicht mehr mit guten Worten vom Gegenteil zu überzeugen und leiden im Alltag teilweise stark unter ihrer Angst – bis hin zu regelrechten Panikattacken.
  • Unsere Spinnen sind gefährlich: Fast alle Spinnen sind giftig, das stimmt. Allerdings verfügen unsere Spinnen hierzulande weder über größere Mengen gefährlichen Giftes noch über die entsprechenden körperlichen Voraussetzungen, dieses auch dem Menschen beibringen zu können. In unseren Breitengraden gibt es nur zwei Spinnen, die dazu überhaupt fähig sind – beide sind aber keinesfalls wirklich gefährlich für den Menschen, vielleicht abgesehen von Allergikern, die eventuell überreagieren können. Die Wasserspinne (Argyroneta aquatica) ist eine der beiden Arten. Sie lebt allerdings als einzige Spinne ausschließlich unter Wasser und stellt somit für Wanderer wirklich keine Gefahr dar. Selbst wenn man im Wasser auf sie treffen sollte, ergreift sie sofort die Flucht. Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein Biss, der in etwa so schmerzhaft ist wie ein Wespenstich. In der gleichen Kategorie, was den Schmerz betrifft, rangiert der Dornfinger (Cheiracanthium). Die Tiere haben einen schlanken Körper und lange dünne Beine sowie sehr stark ausgeprägte auffällige Kieferklauen. Auch sie ergreifen in der Regel die Flucht und verteidigen sich nur in Notwehr. Dornfinger halten sich vor allem in Sträuchern, Büschen und in hohem Gras auf.
Auch die Dornfinger genannte Spinnenart kommt bei uns vor und kann Menschen stechen. Das schmerzt dann ähnlich wie ein Wespenstich, kommt aber ziemlich selten vor.
Auch die Dornfinger genannte Spinnenart kommt bei uns vor und kann Menschen stechen. Das schmerzt dann ähnlich wie ein Wespenstich, kommt aber ziemlich selten vor. | Bild: Brett - stock.adobe.com
  • Jeder isst im Schlaf jährlich acht Spinnen: Kaum ein Mythos über Spinnen hält sich so wacker wie dieser. Nur: Dafür fehlt jeder Beleg. Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass irgendwer im Schlaf irgendwann mal eine Spinne verschluckt. Doch es ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Als atmende, schnarchende, sich bewegende Riesen werden wir von Spinnen eher als Bedrohung wahrgenommen. Acht Spinnen im Jahr pro Kopf kommen so sicher nicht zusammen.
  • Zitterspinnen verursachen Zitterweh, also Fieber: Im Haus hat sie wohl jeder schon einmal gehabt: die Zitterspinnen (Pholcidae). Sie haben selbst für Spinnen außergewöhnlich lange Beine und hängen manchmal kopfüber an der Zimmerdecke. Berührt man ihr Netz, so beginnen sie zumeist augenblicklich mit dem namengebenden Zittern. Dabei wackeln sie so gut sie können am Netz herum und versuchen, sich so für ihre Feinde unsichtbar zu machen. In der Tat fällt es Vögeln viel schwerer, die wild herumzappelnden Spinnen zu ergreifen. Mit dem Zitterweh, das die Tiere angeblich verursachen, Fieber also, hat der Name der Zitterspinnen aber rein gar nichts zu tun. Warum auch, denn schließlich können die Achtbeiner die menschliche Haut überhaupt nicht durchdringen.
Die filigranen Zitterspinnen sind oft in Wohnungen zu sehen. Man sagt ihnen nach, Fieber zu verursachen. Das ist absoluter Unsinn.
Die filigranen Zitterspinnen sind oft in Wohnungen zu sehen. Man sagt ihnen nach, Fieber zu verursachen. Das ist absoluter Unsinn. | Bild: Rainer Fuhrmann - stock.adobe.com
  • Einige der Achtbeiner legen ihre Eier unter der menschlichen Haut ab: Für viele ein schreckliche Vorstellung: Da legen Spinnen ihre Eier im menschlichen Körper ab und irgendwann durchbrechen die Jungspinnen von innen die Haut und entkommen ins Freie. Gruselig in der Tat, doch mit der Realität hat das rein gar nichts zu tun. Derartige Szenen mögen in Horrorfilmen für einen wohligen Schauer sorgen, aber im wirklichen Leben gibt es keine Spinnen, die ihre Eier im Menschen ablegen, auch nicht unter der Haut. Versprochen.
  • Spinnen sind Insekten: Nein, sind sie nicht. Sie zählen zu den Spinnentieren, wie Skorpione und Zecken. Im Gegensatz zu den Insekten haben Spinnentiere nämlich nicht sechs Beine, sondern acht.
Eine Spinne auf dem Boden: Auch gewöhnliche Hausspinnen können einige Zentimeter groß werden. Gefährlich sind sie aber nicht.
Eine Spinne auf dem Boden: Auch gewöhnliche Hausspinnen können einige Zentimeter groß werden. Gefährlich sind sie aber nicht. | Bild: cbckchristine - stock.adobe.com
  • Spinnen sind vollkommen überflüssig: Jedes Tier hat seinen Platz im Kreislauf der Natur, auch die Spinnen. Sie fangen Insekten und dienen ihrerseits größeren Tieren wie Vögeln als Nahrung. Es gibt wissenschaftliche Berechnungen, die davon ausgehen, dass der gesamte Erdball unter einer mehrere Zentimeter dicken Schicht von Insekten ersticken würde, gäbe es keine Spinnen mehr. Überflüssig sind Spinnen also keineswegs, auch wir Menschen brauchen sie.
  • Spinnen überleben im Staubsauger nicht nur, sie fressen sich dort voll und entkommen, sobald es dunkel wird: Eine Horrorvorstellung für viele Hausfrauen und -männer: Die mit dem Staubsauger aufgesaugten Spinnen fliehen in der Nacht wieder – und nicht nur das, sie entkommen sogar noch viel fetter und ekliger, als sie aufgesaugt wurden, weil sie sich im Staubsauger vollgefressen haben. Die Realität sieht viel schlimmer aus – allerdings für die Spinnen selbst. In der Regel werden die Tiere nämlich beim Aufsaugen schwer verletzt und ersticken spätestens im Staubsaugerbeutel oder werden dort von anderen aufgesaugten Dingen erschlagen, zumindest aber durch Staubknollen und anderes am Herausklettern gehindert. Zwar hört man immer wieder Geschichten von Spinnen, die aus dem abgestellten Staubsauger entkommen, aber das funktioniert nur, wenn der Staubsauger nach dem Aufsaugen sofort abgestellt wird und die Spinne sich nicht allzu stark verletzt hat. Dicker wird die im Staubsauger aber definitiv nicht, denn zur Jagd ist sie im Staubsaugerbeutel sicher nicht aufgelegt.

 

So lassen sich Spinnen bekämpfen

So harmlos sie auch eigentlich sein mögen, richtig gerne hat dennoch niemand Spinnen in der Wohnung. Diese Mittel gibt es gegen die Tierchen:

  • Duft: Der Geruch von frischem Lavendel kann helfen, dass keine Spinnen in die Wohnung kommen. Auch Minze soll eine abschreckende Wirkung auf sie haben.
  • Fliegengitter: Wer Spinnen effektiv aussperren will, kann auch auf Fliegengitter an den Fenstern und Balkontüren zurückgreifen. Wenn diese lückenlos schließen, halten sie natürlich auch Spinnen auf.
  • Spinnenfänger: Wenn Spinnen erst einmal in der Wohnung sind, muss man sie nicht gleich einsaugen oder zerdrücken. Für um die 15 Euro gibt es sogenannte Spinnenfänger, mit denen man die Tiere schonend einsammeln und danach wieder aussetzen kann. Die Fänger haben einen recht langen Stiel, sodass man sich den Spinnen auch nicht allzu sehr nähern muss.
  • Chemische Keule: Die Tierchen kann man auch mit dem Einsatz von chemischem Spinnen-Stop-Spray aus der Wohnung halten. Es verschreckt mit seinem Geruch die Tiere.
  • Ultraschall: Ebenfalls helfen sollen Ultraschallstecker. Wenn man diese in die Steckdose drückt, senden sie für den Menschen nicht hörbare Töne aus, die jedoch Spinnen stören sollen. (dod)