Bald ist Schluss. Noch bis Anfang November betreibt das Ehepaar Knechtle den Berggasthof Äscher im Alpsteingebirge in der Schweiz, gut eineinhalb Autofahrstunden vom Bodensee entfernt. Mehr als drei Jahrzehnte befand er sich in Familienhand. Wenn Pächter den Gastronomiebetrieb aufgeben, liegt das oft an zu wenig Kundschaft oder Personalmangel.

Bei Knechtles liegt es an zu viel Kundschaft. So viel, dass der Ansturm mit der bescheidenen Infrastruktur auf der Hütte nicht zu bewältigen ist. "Was wir machen konnten, haben wir gemacht. Wir sind am Maximum", erklärte Nicole Knechtle der Schweizer Zeitung "Blick".

Hollywood-Star Ashton Kutcher empfiehlt das Berggasthaus als Geheimtipp

Ein Grund für die Aufgabe sei auch, dass die Stiftung Waldkirchli, der neben der Hütte auch die gleichnamige nur wenige Meter darüber liegende Höhlenkirche gehört, zu wenig in den Gasthof investiere.

Dass sich das idyllisch gelegene Berggasthaus vom Geheimtipp explosionsartig zum Ziel von Touristenmassen wandelte, liegt vor allem am Foto-Netzwerk Instagram. Angefangen hat alles mit der Empfehlung des Hollywood-Schauspielers Ashton Kutcher.

Touristen beim Berggasthaus Äscher
Touristen beim Berggasthaus Äscher | Bild: Melanie Duchene, dpa

Er postete ein Bild des Berggasthofs auf Facebook als einer der "20 geheimen Orte der Welt". Nur wenig später landete die Gaststätte auf dem Titel der Zeitschrift National Geographic und löste einen Hype aus.

Unter dem Hashtag #aescher finden sich auf Instagram 7896 Beiträge mit dem Gasthaus als Foto-Motiv.

Auch Verzascatal erlebt Besucherschwemme

Doch diese durch Instagram erwirkte Bekanntheit sorgt nicht nur am Äscher für negative Auswirkungen. Als ein italienischer Blogger vergangenes Jahr einen Post über das Verzascatal in der Schweiz veröffentlichte, erlebte das Tal eine kaum zu bewältigende Besucherwelle.

Das Verzascatal im Schweizer Kanton Tessin gehört mit seiner wildromantischen Idylle zu einem beliebten Spot für junge Schnappschuss-Jäger. Doch inzwischen sind die Anwohner von den Touristenmassen zunehmend genervt. Kilometerlange Staus und zahlreiche Müllberge mitten in der Natur sorgen für reichlich Ärger. .
Das Verzascatal im Schweizer Kanton Tessin gehört mit seiner wildromantischen Idylle zu einem beliebten Spot für junge Schnappschuss-Jäger. Doch inzwischen sind die Anwohner von den Touristenmassen zunehmend genervt. Kilometerlange Staus und zahlreiche Müllberge mitten in der Natur sorgen für reichlich Ärger. . | Bild: Rolf Haid, dpa

Lokale Medien berichteten von wild parkenden Fahrzeugen und Müllbergen. Solche Blogger haben über soziale Medien eine enorme Reichweite. Was sie veröffentlichen, machen andere nach.

Im besten Fall kurbelt das den Tourismus an. Im schlechtesten Fall ruiniert "Instagram diese Orte komplett", wie es die italienische Reise-Bloggerin Sara Melotti beschreibt.

Am Ende sorgt der Instagram-Hype um den Äscher doch noch für eine Wende: Die Stiftung Wildkirchli kündigte für die Gaststätte umfangreiche Investitionen an. Ob der Ort dadurch seinen Charme behalten kann, müssen dann die Instagram-Touristen entscheiden.

Der Ringedalsvatnet-See in Norwegen: Auch die Trolltunga in Norwegen ist ein Instagram-Ort: Über 110.000 Beiträge findet man unter #trolltunga. Zwischen 2009 und 2014 stieg die Besucherzahl laut "National geographic" von 500 auf 40.000. Die Felszunge, die sich über dem See erstreckt, ist berühmt für ein Motiv: Eine Person sitzt ganz allein vorne auf der Zunge.
Der Ringedalsvatnet-See in Norwegen: Auch die Trolltunga in Norwegen ist ein Instagram-Ort: Über 110.000 Beiträge findet man unter #trolltunga. Zwischen 2009 und 2014 stieg die Besucherzahl laut "National geographic" von 500 auf 40.000. Die Felszunge, die sich über dem See erstreckt, ist berühmt für ein Motiv: Eine Person sitzt ganz allein vorne auf der Zunge. | Bild: Anthony Anex/KEYSTONE/dpa

Mit Material von dpa