Für Frauen ist es das Grauen: Ihr Mann bleibt zu Hause und ist erkrankt. Nicht etwa an einem grippalen Infekt oder so. Nein, er brütet etwas aus, das im Volksmund als Männergrippe bezeichnet wird. In ihrem neuen Buch gehen die Autorin und Heilpraktikerin Lucinde Hutzenlaub und die Ärztin Anna Herzog dem Mythos TMG („tödliche Männergrippe“) in einer Mischung aus mildem Spott und handfesten Tipps, meist naturheilkundlicher oder homöopathischer Natur, auf den Grund.

Mythos TMG

Denn während Frauen eine Erkältung für gewöhnlich mit reichlichem Verbrauch von Tempos, Nasensalbe, Tee und einer doppelten Mütze Schlaf durchstehen, ist ein Männerschnupfen eine ernste Sache. Der Gatte liegt im Bett, sagt kaum noch etwas und ist so klein mit Hut. Bestenfalls. Oder er verlangt nach Rund-um-die-Uhr-Betreuung, Trost und Hühnersuppe. Und das, wo mann sich sonst im Keller halbe Finger abschneidet, ohne groß drüber zu klagen. Desinfizieren, Pflaster drauf, fertig. Ist doch nur ein Kratzer!

Aber ein Schnupfen? Frauen verstehen das Ganze nicht. Warum ist der auf einmal so ein Weichei? Es kursieren Parodien einer gelben Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, auf der fiese Dinge stehen wie: „krank/schwer leidend/kaum noch am Leben/an Mutti überwiesen.“ Auf Facebook gibt es sogar eine eigene satirische Männergrippe-Gruppe für Betroffene, die allerdings, man muss es sagen, von einem Nasenspray-Hersteller ins Leben gerufen wurde.

Das Y-Chromosom ist schuld

Wobei: Ganz gerecht ist der Spott nicht. „Mir hat ein Mann gesagt, er würde lieber täglich eine Wurzelbehandlung ohne Narkose durchführen lassen als nur einen Tag erkältet zu sein“, erklärt Lucinde Hutzenlaub. Das klingt nun wirklich übel. Tatsächlich haben Genetiker herausgefunden, dass sich auf den X-Chromosomen, von denen Frauen ja zwei haben, mehr Gene befinden, die fürs Immunsystem zuständig sind. Das könnte Frauen weniger anfällig machen. Hinzu kommt: Männer neigen ja im Allgemeinen nicht so unbedingt zu exzessivem Händewaschen, Gemüseessen und Spazierengehen. Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel.

Dazu kommt: Frauen sind über ihre Hormone besser gegen Erkältungen abgesichert. Östrogen stimuliert das Immunsystem, Testosteron unterdrückt es eher. Erkältungen verlaufen bei Frauen also meist milder, solange die Geschlechtshormone in ihrem Körper noch auf und ab tanzen. Das heißt also: Die Kerle leiden wirklich mehr, und wir haben sie ziemlich unberechtigt aufgezogen. Nach den Wechseljahren fällt dieser Schutz für die Frauen leider weg, was einerseits gemein ist, sie aber andererseits in dieser Sache endlich den Männern gleichstellt.

"Einfach in Ruhe lassen"

Was nun aber tun, wenn man einen an Männergrippe Erkrankten zu Hause hat? Hutzenlaub rät: „Einfach in Ruhe lassen. Keine gut gemeinten Ratschläge geben, maximal eine Hühnersuppe anbieten. Das ist für beide Seiten das Beste.“ Insofern könnten sich Frauen von den Männern, die darniederliegen, durchaus etwas abschauen. „Aus einer harmlosen Erkältung kann auch eine ernsthafte Erkrankung werden, allein schon weil das Immunsystem geschwächt ist.“ Ein guter Anhaltspunkt sei, wenn man nur noch mit einem Kombipräparat, die von Experten übrigens eher kritisch gesehen werden, den Arbeitstag überstehe, rät Hutzenlaub. Dann sollte man zu Hause bleiben.

Wirklich gefährlich werde es erst, wenn sich hohes Fieber einstelle. Das sei bei Erwachsenen nämlich unüblich. Allerdings, so meint Lucinde Hutzenlaub: „Wenn es wirklich ernst wird, wollen Männer nicht zum Arzt. Dann wollen sie lieber allein in ihrem Bett sterben...“

Das Buch: Dr. Anna Herzog, Lucinde Hutzenlaub: Männergrippe. Husten, Schnupfen, Heiserkeit und andere für Kerle lebensbedrohliche Zustände. Eden-Books, 9,95 €.