Der iPhone-Bezahldienst Apple Pay ist jetzt auch in Deutschland verfügbar. Mit dem Service kann man im Laden mit dem iPhone oder der Apple Watch wie mit einer Kreditkarte bezahlen. Außerdem kann man mit Apple Pay ähnlich wie mit Diensten wie PayPal auch bei Online-Käufen bezahlen. Zuvor hatte Google schon im Juni sein ähnlich funktionierendes Bezahlsystem Google Pay eingeführt. Doch was bringt das und wie sicher ist es?

  1. Kann man jetzt mit jedem Smartphone bargeldlos zahlen? Nein, aber Nutzer aktueller Modelle in den meisten Fällen schon. Wer ein iPhone hat, muss mindestens ein iPhone 6 oder neuer haben – also ein Gerät, das nach September 2014 erschienen ist. Wer als Android-Nutzer Google Pay nutzen will, muss einen NFC-Chip im Handy verbaut haben und mindestens Android 5.0 Lollipop installiert haben. Beides ist bei fast allen aktuellen Geräten der Fall.
  2. Unterstützt jede Bank den Bezahldienst? Bei weitem nicht. Die zwei großen deutschen Hausbanken Sparkasse und Volksbank sind weder bei Google noch bei Apple an Bord. Sie haben eigene Apps für bargeldlose Bezahlen, allerdings nur bei Android. Bei Google Pay ist es aber möglich, von einem Paypal-Konto aus zu bezahlen – das wiederum von einem beliebiges Konto bei jeder Bank abbuchen kann. Anders bei Apple: Hier kann man zwar auch auf eine Visa- oder Mastercard-Kreditkarte zurückgreifen – die allerdings wieder auf ein Konto einer Apple-Partnerbank verweisen muss. Über den Dienst VimPay ist allerdings auch bei Apple der Rückgriff auf jedes beliebige deutsche Konto möglich.
  3. Welche Läden bieten das Handy-Bezahlen an? Hier gibt es mal eine wirklich gute Nachricht in der deutschen Digitalisierungs-Depression: Die Infrastruktur für das bargeldlose Bezahlen ist hierzulande deutlich besser als in anderen Ländern. Über 800 000 Bezahlterminals – also die Geräte, in die man sonst seine EC-Karte schiebt – unterstützen das kontaktlose Bezahlen. Bei allen großen Handelsketten sollte man deswegen keine Probleme haben, per Handy zu bezahlen – egal mit welchem Dienst.
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  4. Wie sicher ist diese Zahlungsmethode? Sie gilt als wirklich sicher. Der Datenverkehr zwischen Handy und Bezahlterminal ist kaum abzufangen. Dabei werden auch keine Bankdaten übermittelt, sondern ein verschlüsselter Code, der nur für eine einzige Bezahlung funktioniert. Ab 25 Euro Rechnungsbetrag verlangen viele Läden zudem noch die Handy-Pin als zusätzliche Bestätigung. Apple und Google selbst betonen zudem, keinerlei Informationen über Einkäufe oder Bankdaten der Pay-Nutzer zu speichern. Arno Walter, der Chef der Comdirect Bank, die Google Pay unterstützt, sagt, er kenne bisher keinen einzigen Betrugsfall bei diesem Dienst.
  5. Und wenn das Handy verloren geht? Ein für mobile Bezahlung eingerichtetes Smartphone zu verlieren, ist wie eine Kreditkarte zu verlieren. Zwar müssen Diebe es erst einmal entsperren, um damit bezahlen zu können. Das gelingt diesen durch Tricks aber auch teils. Apple und Google bieten aber einfach Wege an, ein verlorenes oder geklautes Handy endgültig zu sperren. Damit werden Pay-Dienste unbenutzbar.
  6. Wird sich der Dienst durchsetzen? Deutschland ist ein Bargeldland, immer noch. Doch der Anteil der Bargeld-Bezahlung sinkt, 2017 wurde erstmals mehr als die Hälfte aller Geldtransaktionen ohne Scheine und Münzen durchgeführt. Das liegt vor allem an Bezahlungen per Girocard. Ob sich das Handy-Bezahlen durchsetzt, wird sich zeigen. Comdirect-Chef Walter ist zuversichtlich: "Mehr als die Hälfte der registrierten Kunden bei Google Pay nutzt den Dienst regelmäßig", sagt er, "ich glaube schon, dass sich das mobile Bezahlen auch in Deutschland etablieren wird".