Frau Uhl, „Preis der Freiheit“ handelt von drei Schwestern in der Ära des Mauerfalls. Sie kommen aus der DDR, wie hat Ihre Familie diese Zeit erlebt?

Es waren keine Helden, sondern normale Leute, die ein normales Leben führen wollten – aber in konkreten Situationen mutige Entscheidungen gefällt haben. Meine Familie fing an, sich in der Umweltbewegung zu engagieren, und mein Onkel wurde später in Bautzen inhaftiert. Andere Familienmitglieder haben sich in einem Arbeitskreis gegen Umweltskandale stark gemacht. Viele in der DDR, auch in meiner Familie, mussten auch berufliche Konsequenzen ertragen, weil sie sich weigerten, mit der Stasi zu kooperieren.

Ihre Mama soll Sie zu Konzerten von Punkbands gefahren haben, die dem DDR-Regime ein Dorn im Auge waren…

Ja, als ich wieder mal zum Konzert der „Skeptiker“ wollte, hat sie mich mit ihrem kleinen mittelblauen Trabi hingefahren. Sie hat mir wirklich immer vertraut. Es gab einfach diese kleine, alltägliche Zivilcourage, die den Alltag der Erwachsenen begleitete und die letztlich zu dem Klima geführt hat, das zwischen 1985 und 1989 in der Luft lag und die Wende ermöglicht hat.

Sie waren beim Fall der Mauer 17 Jahre alt. Wie haben Sie den 9. November 1989 erlebt?

Das Leben ist ja manchmal sehr profan. Ich wollte am Morgen zur Schule fahren und habe das alte Röhrenradio meines Opas angeschaltet, das immer eine Weile brauchte, bis der Ton kam. Ich saß auf der Toilette, als durch die Küche der Spruch des Rias-2-Moderators hallte: „Die Champagner-Korken knallen auf der Mauer.“

Und dann?

Was ich dann gefühlt habe, das kann ich nicht mit Worten beschreiben. Ich habe mich fast wie ein kleines Tier meinen regulären Abläufen gewidmet und bin in die Schule gegangen, wir waren aber nur zu dritt im Klassenraum. In der ersten Pause bin ich dann sofort nach West-Berlin gefahren. In diesem Moment öffnete sich für mich die Welt.

Wie hat es Ihnen dort in West-Berlin gefallen?

Ich habe regelrecht körperlich auf die Eindrücke reagiert und hatte nur noch Kopfschmerzen. Es war zu bunt, zu grell, die Gerüche zu synthetisch. Ich war aufgewühlt, aber ich fühlte mich seelisch befreit, es eröffneten sich auch geistige Ebenen, an die in der DDR mit ihren Denkverboten und Meinungskorridoren nicht zu denken war. Es gab aber auch Momente der Enttäuschung. Was unsere Eltern und Freunde durchgemacht haben an Aussprachen, an Inhaftierungen, an gesellschaftlichem Ausschluss – das hat die Leute meiner Generation im Westen gar nicht interessiert. Das war eine bittere Pille, aber als 17-Jährige dachte ich mir: So ist es einfach, das wird nie einer verstehen.

Sind Sie heute enttäuscht, dass es immer noch so viel Trennendes zwischen Ost und West gibt?

Nein, warum denn enttäuscht? Wir sind wie wir sind. Oft unterschiedlich, oft gleich. Ich hatte so viele gute Erlebnisse und kann ganz tolle Menschen in München oder Hamburg treffen, die ganz anders sozialisiert sind als ich. Ich halte das aus. Wir sollten vermeiden, ständig zu betonen, was uns spaltet.

Das dreiteilige Ost-West-Drama „Preis der Freiheit“ ist am 4., 5. und 6. November, jeweils um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.

Jetzt wieder verfügbar: die Digitale Zeitung mit dem neuen iPad und 0 €* Zuzahlung

*SÜDKURIER Digital inkl. Digitaler Zeitung und unbegrenztem Zugang zu allen Inhalten und Services auf SÜDKURIER Online für 34,99 €/Monat und ein iPad 10,2“ (32 GB, WiFi) für 0 €. Mindestlaufzeit 24 Monate. Das Angebot ist gültig bis zum 12.07.2020 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Ein Angebot der SÜDKURIER GmbH, Medienhaus, Max-Stromeyer-Straße 178, 78467 Konstanz.