Stefanie, Sie sind am 10. März 30 geworden. Haben Sie ordentlich gefeiert?

Nein, ich bin generell nicht so die Partymaus. Meine Geburtstage habe ich noch nie so gefeiert, seit ich kein Kind mehr bin. Ich hatte frei, war daheim im Wallis und habe mich einfach mit lieben Menschen auf den Berg gesetzt.

Ist die 30 ein Einschnitt?

Nein, gar nicht. Das Älterwerden macht mir total Spaß. Ich finde, alles wird leichter, je weniger jung man ist. Ehrlich: Ich freue mich auf das Alter.

Sie tragen die Haare ja neuerdings schon in einer Art Grauton. Zur Vorbereitung?

(lacht) Die Farbe habe ich schon seit zwei Jahren. Schon lustig, wie heftig die Leute auf die Haare reagieren. Ich weiß selbst nicht: Sind sie weiß, sind sie blond? Sind sie gräulich? Einer meiner besten Freunde ist Friseur, er wollte das unbedingt an mir ausprobieren. Ich fand das erst blöd, aber inzwischen mag ich die Farbe wirklich gern.

Heimat ist ein großes Thema auf „All We Need Is Love“, Ihrem ersten Album seit vier Jahren. Wie hat sich das ergeben?

Das Zuhause und meine Familie waren mir immer schon sehr wichtig. Ich lebe immer noch im Wallis, wo ich geboren wurde, ich will hier auch nicht weg. Ich wohne im Haus meiner Oma, die schon lange tot ist, und genieße es sehr, hier meine Ruhe zu haben.

Was tun Sie, wenn Sie Ihre Ruhe haben?

Gerne gar nichts. Oder ich denke nach.

Worüber?

Zum Beispiel über mein Leben. Seit ich mit 18 diese Castingshow mit Stefan Raab gewonnen hatte, war ich wirklich rastlos unterwegs. Mit Anfang 20 kannst du ewig durchhalten. Aber mit 27, 28 merkte ich, wie wahnsinnig müde ich plötzlich bin. Ich habe vieles hinterfragt und begriffen, dass ich mir zu wenig Zeit genommen hatte für mein Privatleben. Ich habe meine Freunde so oft vernachlässigt und versetzt, kam oft nur zum Schlafen und Kofferpacken nach Hause.

Woran haben Sie gemerkt, dass Sie nicht mehr können?

Ich wurde grantig ohne Grund, richtig dünnhäutig. Ich habe mich selbst fast nicht mehr wiedererkannt. Also habe ich mir eine lange Auszeit genommen und mir Gedanken darüber gemacht, was wäre, wenn ich aufhöre zu singen.

Was hätten Sie stattdessen machen wollen?

Schreinerin oder Hebamme. Ich liebe Holz und arbeite gern mit den Händen. Und Hebamme finde ich einfach einen unheimlich vielseitigen, verantwortungsvollen und wunderschönen Beruf.

Kann man die vergangenen zwei, drei Jahre als Sinnkrise bezeichnen?

Ich glaube schon, dass das eine Sinnkrise war. Mit 18 bin ich in diesen Job praktisch reingefallen. Ich habe nie hinterfragt, ob ich eigentlich in der Öffentlichkeit stehen will. Ich bin gar nicht so gestrickt, dass ich viel Aufmerksamkeit brauche.

Sie wirken durch Ihre Stimme automatisch wie die extrovertierteste Rampensau überhaupt.

Ja, das ist wirklich lustig. Und ein großes Missverständnis. Mir macht es mega viel Spaß, auf der Bühne laut zu sein und zu schreien und zu tanzen, aber meine eigentlichen Hobbys sind Wandern und Lesen. Ich bin so ein ruhiger Mensch, das glaubt mir nur keiner. (lacht)

Wie haben Sie Ihr Leben nach der Selbstfindungspause neu sortiert?

Nach den ersten Proben mit meiner Band wurde mir klar, dass ich Musik doch sehr liebe und dankbar sein kann für dieses Riesenprivileg. Also wusste ich: Ich mache weiter. Allerdings setze ich die Prioritäten anders, ich nehme mir viel mehr Zeit für meine Familie, meine Freunde, meinen Freund.

Ihr Freund? Über Ihr Beziehungsleben war bisher wenig bekannt.

Das bleibt auch so. Ich hatte immer mal wieder Beziehungen, aber in meinen Beruf möchte ich meinen Freund nicht reinziehen. Ich habe mir das hier ausgesucht, er hat sich das nicht ausgesucht.

Fragen: Steffen Rüth

Auf ihrer Tour kommt sie unter anderem nach Basel (2. November, Volkshaus), Stuttgart (9. November, Wizemann) und Zürich (24. November, Kaufleuten).