Man war gespannt: Zum ersten Mal nach dem Lockdown ein Orchester in Komplettbesetzung zu erleben, dazu internationale Sängerstars, ein attraktives Programm aus der großen Welt der romantischen Oper, der erfahrene Operndirigent Marcus Bosch und als Moderator Holger Wemhoff von Klassik-Radio mit seiner vertrauten Plauderstimme – der so prominent besetzte und mit etlichen Sponsoren und vielen Helfern gezimmerte Eröffnungsabend zur Reihe „Sommerwiesen“ erwies sich als Glücksfall, was die Zuhörer auch mit Beifall, Jubel und „Bravo“-Rufen immer wieder bestätigten. Holger Wemhoff sprach von „Gänsehaut-Moment“, Intendantin Insa Pijanka von anstrengenden Vorbereitungen, Marcus Bosch, der Initiator des Abends, von verwirrenden Vorgaben der Politik – Corona war sozusagen das Bühnenbild des Abends – auf der Bühne im Konstanzer Bodenseestadion unsichtbar, aber dennoch gegenwärtig.

Verdis Ouvertüre zu „Die Macht des Schicksals“ stand am Anfang und Marcus Boschs Dirigat war so energiegeladen, als ob es gelte, das Schicksal zu bezwingen. Ein wie befreit aufspielendes Orchester nahm den Ball auf und trotzte allen Gefahren des ersten Stücks. Das feierliche Ende des Abends gelang mit der Schlussansprache des Hans Sachs aus Wagners „Meistersinger“. „Verachtet mir die Meister nicht, und ehrt mir ihre Kunst“ heißt es da, und diese Worte waren natürlich mit Bedacht gewählt – als ein Plädoyer für die lebenswichtige Unterstützung der Kunst und der Künstler.

Dazwischen reihten sich Highlights der Opernliteratur von Wagner, Verdi und Puccini. Nicht alles gelang auf Covent-Garden-Niveau, aber den aufmerksamen Zuhörern entgingen die besonderen Momente nicht, z.B. wie sich in der Arie des Wolfram aus „Tannhäuser“ der warme Bariton von Michael Volle mit den tiefen Streichern und der fein gespielten Harfe verband, nicht zu vergessen seine grandios gestaltete Szene aus Verdis Falstaff als darstellerischer Höhepunkt des Abends, oder wie sich die Sopranistin Gabriela Scherer in die quälenden – sich bis zur Verzweiflung steigernden – Gedanken einer verlassenen Frau hineinsang (Puccinis „Manon Lescaut“).

Bisweilen wähnte man sich in Veronas berühmter Opern-Arena. Barbara Frittolis große Stimme und ihr italienisches Timbre berührte unmittelbar, besonders in der Rolle als Elisabeth in Verdis „Don Carlo“, aber wie der Tenor Massimo Giordani den Wechsel der Emotionen glaubhaft vermittelte, stimmlich auf höchstem Niveau und gestisch unterstützend, war schlicht hinreißend.