Ein Zirkus löst Carmens Hand auf der Bregenzer Seebühne ab. Darauf lassen zumindest die ersten Andeutungen schließen, die die Bregenzer Festspiele im Zuge einer Pressekonferenz preisgegeben haben. Am 17. Juli 2019 hat Giuseppe Verdis „Rigoletto“ Premiere. Regisseur und zugleich Bühnenbildner ist Philipp Stölzl, den nach eigener Aussage die Liebe zur Pop-Kultur antreibt. Und Verdi, sagt er, sei der Popmusiker unter den Opernkomponisten. Stölzl hat Musik-Videos für Rammstein, Madonna und die Toten Hosen gedreht, aber auch Spielfilme wie „Nordwand“, „Goethe“ und „Der Medicus“. Auch die Opernbühne ist ihm nicht fremd.

In Verdis Musik zum "Rigoletto" sieht er etwas "Zirkushaftes". Wird also der Narr Rigoletto bei ihm zum Clown und der Herzog zum Zirkusdirektor? Noch wissen wir es nicht. Es gehört zu den Spielregeln der Bregenzer Festspiele, die Geheimnisse um die Seebühne und die Inszenierung immer nur nach und nach zu lüften. Fest steht aber, dass Ende Januar die ersten Konturen der Bühne sichtbar sein werden und Anfang April Richtfest gefeiert wird.

Stölzl will den "Rigoletto" kontrastreich zwischen Spektakel und intimem Kammerspiel anlegen. Er findet die Oper wegen der populären Musik (Die Melodie von "La donna è mobile" wurde schon vielfach in Werbespots verwendet) ideal für einen erlebnisreichen Sommerabend am See. Zugleich aber sei es "eine Geschichte, die auch etwas sagen will". Der "Rigoletto" sei das passende Stück zur MeToo-Debatte, weil es hier auch um Machtmissbrauch und ungewollten Sex gehe.

Der Vorverkauf ist bereits hervorragend angelaufen, wie Michael Diem, Kaufmännischer Direktor, zufrieden berichtet. Schon 40 Prozent der 185 000 „Rigoletto“-Tickets sind gebucht. IM Vergleich zum Vorjahr liege man damit gleich auf mit den Spitzenwerten des Vorverkaufs zur "Carmen". Offenbar hat das sehr erfolgreiche "Carmen"-Doppeljahr die Aufmerksamkeit für die Festspiele noch einmal erhöht.

Es wird ein Sommer der Narren

Die Bregenzer Festspiele bestehen nicht alleine aus dem Spiel auf dem See. Mehr als 80 Veranstaltungen stehen während des Sommers auf dem Spielplan. Und nach den Frauen im vergangenen Sommer bestreiten nun wieder die Männer die Titelrollen der wesentlichen Werke. Diese Männer seien näher betrachtet allesamt Narren, erläutert Festspielintendantin Elisabeth Sobotka. Auf den Narren Rigoletto folgt Don Quijote, für Sobotka der "Prototyp des Theaterschaffens". Er liest so viele Ritteromane, dass er irgendwann Dichtung und Wahrheit nicht mehr auseinanderhalten kann und sich selbst für einen Ritter hält. Als solcher erlebt er auch in Jules Massenets Oper "Don Quichotte" allerlei Abenteuer. Das Stück wird in Bregenz als Oper im Festspielhaus gezeigt.

Zwei Tage später zeigt das Deutsche Theater Berlin den Cervantes-Klassiker „Don Quijote“ in einer Bühnenfassung. Niemand Geringeres als Jan Bosse führt Regie. Und auf der Bühne stehen mit Ulrich Matthes und Wolfram Koch zwei renommierte Schauspieler.

Noch stärker als in vorangegangenen Jahren zeigt sich das Programm für 2019 thematisch wie aus einem Guss. Auch im Konzertprogramm geht es um Don Quijote: Das Symphonieorchester Vorarlberg widmet dem "Ritter von der traurigen Gestalt" seine traditionelle Konzertmatinee. Rund um die Geschichte von Don Quijote stehen Werke von Maurice Ravel, Jacques Ibert und Richard Strauss auf dem Programm.

Zu den Figuren Rigoletto und Don Quijote gesellt sich eine dritte Figur: Eugen Onegin. Für Sobotka ist im Grunde auch er ein Narr. Die schöne Tajana, die ihn liebt, weist er zurück. Als er sie Jahre später wiedersieht, ist es zu spät: Sie hat den Fürsten geheiratet und geht auf seine Liebesbeteuerungen nicht mehr ein. Tschaikowskys Oper wird im Opernstudio erarbeitet, das seinerseits sein 5-jähriges Bestehen feiert.

Schnitzlers "Reigen" als Oper

Spannend wird es auch auf der Werkstattbühne. Dort ist als österreichische Erstaufführung Bernhard Langs „Reigen“ zu sehen. Das Musiktheater nach Arthur Schnitzler wurde 2014 bei den Schwetzinger Festspielen uraufgeführt. Man darf gespannt sein, wie Regissuerin Alexandra Liedtke das frivole Stück auf die Bühne bringen wird. Denselben Stoff verarbeitet auch die Tiroler Musicbanda Franui unter dem Titel "Arthur Schnitzler. Reigen" zu einem Konzert mit Drama. Franui begleitet die Lesung sämtlicher Rollen durch die Schauspieler Sven-Eric Bechtolf und Regina Fritsch mit Prater-Karussellmusik, Belcanto und böhmischen Weisen.

Zum Festspielfinale gibt es noch eine Koproduktion mit den Donaueschinger Musiktagen: Der französische Multimedia-Künstler François Sarhan realisiert mit „Wunderwandelwelt“ eine musiktheatrale Installation an zwei Abenden auf der Werkstattbühne. Es gibt viel zu entdecken in diesem Bregenzer Jahrgang.

Bregenzer Festspiele: 17. Juli bis 18. August 2019. Infos und Tickets:
http://www.bregenzerfestspiele.com

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