Ein Schatten hat sich in den vergangenen Jahren über Siegfried Lenz‘ „Deutschstunde“ gelegt. Der Grund dafür ist der Maler Emil Nolde, dessen Biografie dem Schriftsteller einst Vorbild für eine zentrale Figur war: für einen Maler „entarteter“ Kunst, der zum Opfer des NS-Terrorregimes wurde.

Falscher Opfermythos

In Bezug auf Nolde stellte sich das allerdings als Mythos heraus: Eine Ausstellung in Berlin im Frühjahr führte mit neuen Forschungserkenntnissen vor Augen, was für ein glühender Anhänger der Nationalsozialisten, was für ein Rassist und Antisemit der Expressionist er war.

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Nun hat Christian Schwochow „Deutschstunde“ nach einem Drehbuch seiner Mutter Heide neu verfilmt. Und obwohl Lenz‘ einstige Inspiration für einen Roman, der von der Freiheit und vom Verbot der Kunst in einem totalitären System erzählt, unerheblich sein sollte, kann das Kinodrama doch der aktuellen Situation nicht entkommen.

Zu viele Gedanken im Kopf

„Deutschstunde“ beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Besserungsanstalt für Jugendliche. Dort soll der junge Siggi Jepsen im Unterricht einen Aufsatz schreiben über „Die Freuden der Pflicht“. Zum Ende der Stunde gibt er das Blatt allerdings leer ab, weil ihm zu viele Gedanken zu dem Thema durch den Kopf schießen. Die bringt er später zu Papier, dann fließt es ihm aus den Fingern: eine Reflexion über die eigene Vergangenheit und die formative Zeit seiner Jugend.

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Im Film beginnt damit eine Rückblende, die von der Zeit erzählt, bevor Siggi in die Anstalt kam, irgendwann während des Zweiten Weltkriegs, hoch in Deutschlands Norden an der See. Dort ist sein strenger Vater (Ulrich Noethen) Dorfpolizist. Ein autoritätshöriger Mann mit blindem Gehorsam für das NS-Regime. Das Gegenstück dazu verkörpert Tobias Moretti als expressionistischer Künstler Max Nansen, der mit seiner Frau (Johanna Wokalek) dort lebt. Einst war er ein enger Freund Jepsens, der jetzt allerdings das Malverbot vollstreckt und Gemälde konfisziert, weil die Kunst nicht den Vorstellungen der Nationalsozialisten entspricht.

Strenge Kompositionen

Die strengen Kompositionen machen Schwochows Kunstwillen stets spürbar. Das Resultat sind durchaus berückende Bilder aus dieser post-apokalyptisch anmutenden Welt. Und doch leidet sein Film nicht nur unter der Bleischwere, mit der er inszeniert wurde. Auch die Hauptfiguren sind letztlich zu eindimensional entwickelt

ABSPANN

Land: Deutschland

Regie: Christian Schwochow

Darsteller: Tobias Moretti, Ulrich Noethen, Levi Eisenblätter

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

 

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