Vorab eine Bemerkung: Ich bin Nichtraucherin. Vielleicht ist deswegen lange Zeit ein Trend unbemerkt an mir vorbei gegangen, der sich derzeit überall Bahn bricht: das Rauchen von E-Zigaretten. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass man Gefallen daran finden könnte, an einem USB-Stick zu saugen. So jedenfalls sahen diese Geräte auf den Werbeplakaten aus. Ich nahm sie einfach nicht ernst.

Zigaretten hingegen muss man ja schon alleine deswegen ernst nehmen, weil sie süchtig machen und Krebs erzeugen können. E-Zigaretten hingegen erzeugen nur Dampf. Nicht einmal heißen Dampf, nur Dampf. Keinen Rauch, einfach nur Dampf.

Elektroherd statt offenes Feuer

Ich habe mir den Siegeszug der E-Zigarette dann so erklärt: Ich koche ja auch nicht mehr auf offenem Feuer, sondern mit einem Elektroherd. Da gibt es auch keinen Rauch mehr, sondern nur noch Essensdampf, und das Kochen ist weniger gefährlich, als wenn man ein Feuer in der Küche entfachen würde.

Doch egal, ob ich meine Suppe auf dem Feuer, mit Gas oder auf dem Elektroherd koche, am Ende schmeckt sie immer gleich. Das ist bei den Zigaretten nicht so. E-Zigaretten schmecken anders als Zigaretten – behaupten zumindest jene, die es wissen müssen.

Ein Laden für jeden Bedarf

Kürzlich habe ich einen Freund in einen Laden für E-Zigaretten begleitet. Ja, so etwas gibt es. Warum auch nicht? Immerhin gab und gibt es ja auch Tabakläden für die ganze Bandbreite an analogen Rauchwaren.

Dort empfängt einen dann der intensive Geruch von Tabak über dunkel gebeizten Holzfußböden, und auf der Theke liegen antik aussehende Pfeifen (Zugegeben, mein letzter Besuch im Tabakladen liegt durchaus schon ein Weilchen zurück).

Ganz anders der E-Zigaretten-Laden. Würde man ihn mit geschlossenen Augen betreten und nur olfaktorisch erkunden, würde man auf eine Parfümerie tippen, deren Produktlinien gezielt auf den Geschmack pubertierender Mädchen abgestimmt sind. Es riecht wie rosa und hellblaue Zuckerwatte.

Geschmacksrichtung Doppel-Apfel

Das rührt von den zahllosen künstlichen Aromen, die in Form von sogenannten Liquids in die E-Zigaretten gefüllt und verdampft werden. Das ist also in etwa so, als würde man seinen Raumduftspender rauchen. Da gibt es Geschmacksrichtungen wie Zitrone, Minze, Granatapfel oder Doppel-Apfel (Bitte fragen Sie jetzt nicht … ich weiß es auch nicht). Tatsächlich gibt es aber auch Tabak-Aroma.

Überraschend sind auch die jungen blassgesichtigen Männer hinter der Theke, die unablässig an einem der Flakons saugen und dabei über die Funktionsweise von E-Zigaretten, E-Shishas und über die passenden Geschmacksrichtungen fachsimpeln wie über spezielle Notebookprozessoren. Eigentlich würde man sie eher im Keller beim Hacken des Schulservers vermuten anstatt hier in dieser quietschebunten Geruchswelt.

Eine ganz eigene Welt

Und plötzlich begreift man: E-Rauchen ist nicht einfach nur Rauchen mit Akku anstatt mit Feuer. Hinter der E-Zigarette liegt eine ganz eigene Welt. In ihrer Verspieltheit hat sie irgendwie auch etwas rührend Harmloses. Immerhin sollen E-Zigaretten erheblich weniger gesundheitsschädlich sein als herkömmliche Zigaretten.

Vielleicht hätte man dem 20-jährigen Schüler aus Hessen einfach eine E-Zigarette in die Hand drücken sollen – und er wäre nie auf die Idee gekommen, private Daten von Politikern zu hacken.