Alle Mann in Deckung, die Gender-Armada kapert das Theater! Das Berliner Theatertreffen führt eine Frauenquote für Kunst ein. Wie das? Jeden Mai lädt eine Kritiker-Jury die „zehn bemerkenswertesten Inszenierungen“ nach Berlin ein. In den Jahren 2020 und 2021 sollen mindestens 50 Prozent dieser Inszenierungen von Frauen stammen. Sagt wer? Sagt Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer.

Yvonne Büdenhölzer, Leiterin des Berliner Theatertreffens, ist für die Frauenquote.
Yvonne Büdenhölzer, Leiterin des Berliner Theatertreffens, ist für die Frauenquote. | Bild: Jörg Carstensen / dpa

Auch in die Statuten des Theatertreffens wurde die Neuerung bereits aufgenommen, beschlossen vom Intendanten der Berliner Festspiele, der künstlerischen Leitung des Theatertreffens und der Kulturstiftung des Bundes. Also her mit 50 Prozent Frauen.

Die Pressemeldung lautet: „Für die Festivalausgaben 2020 und 2021 hat sich die Jury des Theatertreffens verpflichtet, bei der Auswahl der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen eine Frauenquote von mindestens 50 Prozent in der Regieposition umzusetzen.“

Die Pflicht ruft

Die Jury hat sich verpflichtet, ächz, die Pflicht ruft, jetzt ist Schluss mit lustig, Kunst und Kreativität. Jetzt zählt außer Qualität auch Quantität, der Frauenanteil. Viel Spaß. Eine Jury, die ihre Freiheiten abgibt, egal ob mehr oder weniger freiwillig, entmachtet sich selbst.

Beim Theatertreffen 2019 stammen drei der zehn Inszenierungen von Regisseurinnen. Zu viel? Zu wenig? Rein rechnerisch gesehen repräsentiert diese Auswahl die Realität: An deutschsprachigen Theatern stammen 30 von 100 Regiearbeiten von Frauen. Wer mehr will, muss bei den Bühnenbetrieben ansetzen, nicht bei einer Jury, die eine künstlerische Wahl zu treffen hat.

Die Schweizer Quote

Auch das Schweizer Theatertreffen wird politisch funktionalisiert. Die Jury ist laut Statut gezwungen, die Vielfalt der Schauspielproduktionen „aus der ganzen Schweiz und allen Sprachregionen“ zu beachten.

Die Schweizer Jury ist Schmiermittel für den nationalen Zusammenhalt. Die Berliner Jury wird zur Frauenförderungsanstalt. Auch eine Form von Missbrauch. Gefühlte Temperatur der Gender-Debatte in der Kunst: 500 Grad Verfahrenheit.