Die Kinderkliniken im Südwesten sind nach den Worten von Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) wegen der Welle an Atemwegsinfekten sehr belastet. „Alle erkrankten Kinder und Jugendlichen im Land werden behandelt“, sagte der Ressortchef der „Stuttgarter Zeitung“, den „Stuttgarter Nachrichten“ und anderen Zeitungen (Samstagausgaben).

„Alle, die einen Intensivtherapieplatz brauchen, bekommen diesen derzeit auch noch“, sagte Lucha. Er wisse, dass Eltern Probleme hätten, eine Kinderpraxis oder freie Termine zu finden. Mit der Kassenärztlichen Vereinigung wolle man daher schnelle als auch langfristige Lösungen finden, versicherte der Grünen-Politiker.

Kinderschutzbund fordert finanzielles Notprogramm

Der Deutsche Kinderschutzbund hatte angesichts der Lage im Bund ein „rasches finanzielles Notprogramm“ für Kinderkliniken gefordert. „Das ist ein Gefühl völliger Ohnmacht“, sagte Präsident Heinz Hilgers dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Bundesweit stoßen Kinderkliniken momentan an ihre Grenzen. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sprach bereits von einer „katastrophalen Lage“ auf den Kinder-Intensivstationen.

Die aktuelle Krise ist nach Hilgers Ansicht das Ergebnis einer „jahrzehntelangen Vernachlässigung“ durch die Politik. Aufgrund eines Mangels an Fachkräften könne sie „kurzfristig nicht bewältigt werden“. Hilgers zufolge wird seit Jahren vor einer solchen Überlastung in Kliniken und Arztpraxen gewarnt. Leider seien keine Verbesserungen angegangen worden „wegen der ausschließlich betriebswirtschaftlichen Orientierung des Systems, das auf Vollauslastung ausgelegt ist“.

Lauterbach kündigt Hilfsmaßnahmen an

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte der Deutschen Presse-Agentur, es brauche jetzt Maßnahmen, um die Versorgung von Kindern kurzfristig zu verbessern. So müsse die Koordination freier Klinikbetten ausgebaut werden. In Kinderstationen könnten Fachkräfte anderer Bereiche einfache Aufgaben übernehmen. Ambulante Angebote in Notfallpraxen sollten ausgeweitet werden.

„Die Versorgungssituation von Kindern in Kliniken und Arztpraxen ist derzeit alarmierend“, sagte Dahmen. Es gebe Not in vielen Krankenhäusern. Dies sei das Ergebnis saisonbedingt ansteigender Atemwegserkrankungen und zunehmenden Personalmangels.

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Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat schon Hilfsmaßnahmen angekündigt. So soll Pflegepersonal aus Erwachsenen- in Kinderstationen verlegt werden. Er forderte die Krankenkassen auf, Vorgaben zur Personalbesetzung vorerst nicht zu prüfen und Sanktionen auszusetzen. Zudem appellierte er an Eltern und Kinderärzte, nicht unmittelbar nötige Vorsorgeuntersuchungen zu verschieben. (dpa)