Grippeartige Symptome, Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Die Auswirkungen von Covid-Infektionen, die zwar nicht zu einem Krankenhausaufenthalt oder gar in der Intensivstation enden, sind dennoch unangenehm für jeden Betroffenen.

Die Impfung sollte vor diesen Symptomen schützen, doch mit Omikron kam es zu deutlich mehr Impfdurchbrüchen als bei Delta. Nun scheint es, dass die Subvariante von Omikron, BA.2, zu heftigeren Symptomen und langwierigeren Genesungsprozessen führt. Aber stimmt das auch?

Zunehmend Fälle mit schwereren Verläufen

Fixe Zahlen gibt es noch nicht, wie viele Patienten betroffen sind und wie lange sie wegen Covid arbeitsunfähig waren. Diese werden von der Kassenärztlichen Vereinigung auch gar nicht erhoben – weder die Zahl der Krankmeldungen, noch ihre Dauer oder der Grund. Einige Krankenkassen machen aber selbst Erhebungen dazu. Auf Nachfrage gibt die AOK allerdings an, dass die Krankmeldungen der vergangenen Wochen noch nicht erfasst sind, als BA.2 zur dominanten Variante wurde.

Allerdings zeigt schon ein Blick auf die Krankmeldungen wegen Covid vom Februar, dass diese deutlich über den Vergleichszeiträumen der Vorjahre liegen. Die Anzahl der Fälle betrug mit Omikron als dominante Variante in der Pandemie im Februar vergangenen Jahres 5033, ein Jahr später aber schon 80.203, also 16 Mal mehr.

Die Dauer der Ausfälle steigt im Verhältnis allerdings nicht merklich im Februar. Vergleicht man die Zahl der Ausfalltage (berechnet pro 100 Versicherungsmonate), lagen sie bei 2,66 im Februar 2021, aber bei 26,77 ein Jahr später – also eine Verzehnfachung. Andere Krankenkassen bestätigen den Trend von deutlich mehr Infektionen.

Langwierige Genesung

Aber sind sie auch heftiger im Verlauf? Das Phänomen ist bei Hausärzten im Südwesten nicht unbekannt. Christoph Graf ist Hausarzt in Gottmadingen und früherer Delegierter des Hausärzteverbands Baden-Württemberg. Der 61-Jährige sagt, dass etwa 70 Prozent seiner Covid-Patienten nach der aktiven Infektion länger mit den Folgen zu kämpfen haben. Das entspreche ungefähr dem Anteil, der laut Laborbefunden mit der neuen Subvariante von Omikron, BA2, infiziert wurde.

Der Gottmadinger Allgemeinmediziner Christoph Graf kritisiert, dass PCR-Tests in Hausarztpraxen vom Gesetzgeber nicht mehr finanziert ...
Der Gottmadinger Allgemeinmediziner Christoph Graf kritisiert, dass PCR-Tests in Hausarztpraxen vom Gesetzgeber nicht mehr finanziert werden. Er muss seine Patienten zu allgemeinen Abstrichzentren schicken – mit Symptomen. | Bild: Tesche, Sabine

Das Problem: Weil die Labore nicht mehr grundsätzlich auf Virusvarianten testen sollen, werden nur noch stichprobenartige Sequenzierungen der Virusstämme vorgenommen. Genaue Zahlen, wie viele von BA.2 betroffen sind, gibt es deshalb nicht. Entsprechend wird es auch im Nachhinein schwieriger sein, die Folgen der Erkrankung zu erfassen.

Den Beobachtungen des Arztes zufolge reichen die Symptome von schneller Erschöpfung über anhaltende Konzentrationsschwierigkeiten bis hin zu chronischen Kopfschmerzen. Häufig, so Graf, helfen den Patienten auch die üblichen Medikamente gegen solche Symptome nicht, wie etwa Ibuprofen. Die Betroffenen müssen oft über Wochen krankgeschrieben werden müssen. Vier Wochen sei nicht unüblich, manche noch länger.

Virologe hält Maßnahmenstopp für verfrüht

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer analysiert seit zwei Jahren die Virusvarianten der Pandemie. Auch er beobachtet das Phänomen solcher Fälle zunehmend. Betroffene sprechen von grippeähnlichen Symptomen, „leiden deutlich heftiger als bei vorherigen Virusvarianten“. Auch jüngere Menschen seien davon zunehmend betroffen, könnten keinen Sport mehr treiben, geschweige denn arbeiten.

Stürmer hat noch keine Zahlen, die seine These beweisen, wohl aber den Eindruck, „dass die Symptome stärker sind als bei den alten Varianten“, auch wenn die Fälle nicht zu Hospitalisierungen führten. „Das macht mich wahnsinnig, dass das ignoriert wird“, sagt er mit Blick auf die jüngsten Aufhebungen der Corona-Schutzmaßnahmen.

Für den Frankfurter Virologen Martin Stürmer war die Aufhebung der Corona-Schutzmaßnahmen verfrüht: Die Infektionen mit der neuen ...
Für den Frankfurter Virologen Martin Stürmer war die Aufhebung der Corona-Schutzmaßnahmen verfrüht: Die Infektionen mit der neuen Subvariante verlaufen für viele Patienten nicht sehr glimpflich. | Bild: Stürmer

Doch genau da liegt für den Virologen das Problem. Zu wenig sei noch bekannt über Long-Covid, zu viele Menschen hätten aber auch Wochen nach der Krankheit selbst noch Schwierigkeiten. „Wir müssen mehr Erkenntnisse darüber gewinnen“, sagt der Wissenschaftler.

Eine britische Studie, die gerade in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde, legt dagegen nahe, dass die Folgen einer Infektion mit Omikron tendenziell zu einem kürzeren Verlauf führen, der auch weniger schwer ist als bei der Deltavariante. Die Daten beruhen allerdings auf der Variante BA.1, also Omikron. Die Subvariante BA.2 haben die Wissenschaftler dabei nicht untersucht – vermuten aber, dass diese ähnliche Folgen haben werde. Genauer analysiert werden kann die neue Subvariante aber wohl erst nach dem Abflauen der aktuellen Welle.

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Mit den weggefallenen Maßnahmen dürfte die Verbreitung des Virus zunehmen, vermutet auch Stürmer. Für ihn kam die Aufhebung zu früh. Die Maskenpflicht in Innenräumen wäre ein Minimum gewesen, um Ansteckungen wirksam zu vermeiden. Zudem fehle es an Verpflichtungen zum Testen für Personen mit Symptomen, monierte Stürmer.

Wenn das Virus aber vollkommen unkontrolliert zirkuliert, werden sich mehr Menschen anstecken. „Mit einer Durchseuchung hätte ich kein Problem, wenn wir keinen Schaden davontragen würden“, macht Stürmer klar. Danach sieht es derzeit aber nicht aus. „Es sind zu viele betroffen, als dass wir das ignorieren könnten“, schließt der Experte.