Seit zehn Wochen herrscht in Familien mit kleinen Kindern durch die Schließung von Kitas und Schulen der Ausnahmezustand – jetzt steigt der Handlungsdruck auf die Landesregierung weiter. Am Montag haben sich landesweit Elternvertreter von Kita-Kindern zu einem kommissarischen Landeselternbeirat zusammengeschlossen, um die Interessen von Kindern und Familien in der Kindertagesbetreuung wahrzunehmen – „als Reaktion auf die teils dramatische Lage“, teilt Mitinitiator Claus Mellinger aus Reutlingen mit.

Kita-Eltern wollen mehr Mitsprache

Die Eltern fordern in einem offenen Brief an Kultusministerin Susanne Eisenmann Mitspracherecht bei politischen Entscheidungen und die sofortige Einrichtung eines runden Tischs zur Situation von Kindern und Familien in der Corona-Krise. „Kinder- und Familienpolitik, ohne die Familien mit am Tisch zu haben, das geht jetzt nicht mehr“, so der neue Landeselternbeirat, der eine vergleichbare gesetzliche Stellung wie die der Elternvertreter der Schulen anstrebt. Das Kultusministerium konnte bislang noch keine Bewertung zu der neu gegründeten Initiative abgeben.

Kinder unter zehn Jahren im Fokus

Noch richten sich viele Elternhoffnungen auf das Ergebnis der vom Land finanzierten und Ende April gestarteten Studie an den Unikliniken in Tübingen, Freiburg, Ulm und Heidelberg. Die Studie soll aufzeigen, welche Rolle Kindern unter zehn Jahren bei der Verbreitung des Coronavirus spielen. Von den Ergebnissen wollte die Landesregierung abhängig machen, wie und wann es an den Kitas und Schulen im Land weitergehen könne.

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Bei der Vorstellung der Studie am 24. April hatte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) die Kinder als Hauptbetroffene der Krise bezeichnet. „Wir nehmen ihnen die Kita, die Schule, den Zugang zu ihren Freunden“, so Bauer damals, deshalb sei es eminent wichtig, zu wissen, ob die Schließungen überhaupt epidemiologisch gerechtfertigt seien.

Schließungen überhaupt gerechtfertigt?

Doch die Antwort auf diese Frage steht weiter aus. „Wir hoffen, in Bälde Zwischenergebnisse zu bekommen“, teilt Regierungssprecher Rudi Hoogvliet am Montag mit. „Ich bedaure es auch, dass die ursprünglichen Infos der Zuständigen nicht gehalten werden konnten, aber wir werden die Wissenschaftler nicht in eine Veröffentlichung drängen, solange die Studie aus ihrer Sicht noch nicht fundiert ist.“ Das federführende Uniklinikum Heidelberg konnte ebenfalls kein Datum nennen. „Auch wir warten auf die Ergebnisse“, teilte eine Pressesprecherin mit.

Eine Frau joggt mit ihren Kindern, die eigentlich in der Kita wären, auf einem Weg. Maximal 50 Prozent der Kinder dürfen seit 18. Mai wieder in Kitas, vielfach reicht das Personal aber nur für die Notbetreuung.
Eine Frau joggt mit ihren Kindern, die eigentlich in der Kita wären, auf einem Weg. Maximal 50 Prozent der Kinder dürfen seit 18. Mai wieder in Kitas, vielfach reicht das Personal aber nur für die Notbetreuung. | Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Unterdessen aber sorgt man sich im Kultusministerium und bei den Kommunalen Landesverbänden unter der Hand bereits vor neuen Eltern-Erwartungen, sollte die Studie eine geringe Beteiligung von Kindern am Infektionsgeschehen beweisen. Denn von einem Vollbetrieb in Kitas oder an den Schulen kann noch länger nicht ausgegangen werden – die Kita-Träger melden bis zu 40 Prozent Personalausfälle, an den Schulen fehlt jeder vierte Lehrer. „Aber es ist natürlich schwierig zu vermitteln, wenn Biergärten geöffnet sind und die Kitas zu bleiben“, sagt eine Sprecherin des Kultusministeriums.

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