Hinter Clarissa und Daniel Thau liegen sieben Wochen Ungewissheit. Sieben Wochen, in denen sie nicht wussten, wann sie ihr Restaurant „Löwen„ in Rielasingen, das wie die anderen Gastronomiebetriebe in Baden-Württemberg aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen werden musste, wieder öffnen können. „Man verliert ein bisschen den Mut“, erzählt Clarissa Thau. Umso schöner ist die Nachricht, die das Inhaber-Ehepaar Ende der vergangenen Woche erreichte: Ab kommendem Montag, 18. Mai, darf die Gastronomie in Baden-Württemberg im Außen- und Innenbereich wieder öffnen.

Freude auf die Gäste

„Wir freuen uns, darauf, unsere Gäste und Mitarbeiter wieder zu sehen“, sagt Thau. Die Angestellten des Restaurants befanden sich in den vergangenen Wochen in Kurzarbeit, Clarissa und Daniel Thau hielten den Betrieb zu zweit am Laufen – denn obwohl keine Gäste bedient werden durften, gab es viel zu tun. Aufgaben, für die sonst keine Zeit blieb, wurden angegangen, etwa die Renovierung einiger Zimmer des zum Löwen gehörigen Hotels. Dort hätten sich noch einige Geschäftsreisende eingemietet, die versorgt werden mussten. Allerdings sei die Auslastung bei etwa 40 Prozent im Vergleich zu der gelegen, die normalerweise für April und Mai üblich sei. Dennoch: „Wenigstens etwas“, sagt Clarissa Thau.

So sieht es in den Außenbereichen der Restaurants bisher noch aus. Ab Montag dürfen Gaststätten aber wieder öffnen.
So sieht es in den Außenbereichen der Restaurants bisher noch aus. Ab Montag dürfen Gaststätten aber wieder öffnen. | Bild: Jens Kalaene

Problematischer sei die Situation für ihre Schwester gewesen, die ebenfalls in Rielasingen den Berggasthof Burg Rosenegg betreibt. Weil deren Küche erst erneuert wurde und der Gasthof daher lange geschlossen blieb, habe sie in diesem Jahr erst wenig Einnahmen zu verzeichnen können. Weil der Burggasthof sich in keiner zentralen Lage befindet, stellte Clarissa Thau ihre Küche und ihren Biergarten zur Verfügung, damit ihre Schwester dort von einer Hütte aus Essen zum Mitnehmen anbieten konnte.

Jetzt muss nach der Zwangspause der Betrieb auch beim Löwen wieder hochgefahren werden – und an die geltenden Anforderungen angepasst werden, die zum Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus an Gaststätten gestellt werden. Personen, die in einem Zeitraum von bis zu 14 Tage vor Restaurantbesuch Kontakt zu einem Infizierten hatten oder Symptome aufweisen, dürfen Gaststätten demnach nicht betreten. Außerdem müssen die Kontaktdaten der Gäste vier Wochen lang aufbewahrt werden.

Zusätzlich müssen unter anderem Abstände von 1,5 Meter zu allen Anwesenden eingehalten, Körperkontakt vermieden und Tische 1,5 Meter voneinander aufgestellt werden. Der Kontakt und die Kommunikation der Angestellten mit den Gästen muss „auf ein notwendiges Mindestmaß“ beschränkt werden. Allgemeine Hygieneregeln sind „in besonderem Maße zu beachten“, die Beschäftigten müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Bei Barzahlung – die nach Möglichkeit vermieden werden soll – soll direkter Kontakt zwischen Gästen und Angestellten vermieden werden.

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Auflagen sind umsetzbar

Löwen-Inhaberin Clarissa Thau hat mit der neuen Verordnung kein Problem. „Mit den Auflagen komme ich zurecht“, sagt sie. Vor allem die Hygieneregeln seien überhaupt kein Problem, sie und ihre Angestellten seien es von jeher gewohnt, hygienisch zu arbeiten. Die Anforderungen seien schon immer streng gewesen. Die Abstandsregeln lassen sich ihrer Meinung nach leicht umsetzen – vor allem im Außenbereich.

Aber auch in der Küche sei es kein Problem, Abstand zu halten, da der Löwen nur über zwei Koche verfüge, die sich dank einem geräumigen Arbeitsplatz gut aus dem Weg gehen können. Weil der Raum außerdem klimatisiert sei, werde es den Köchen trotz ihrer Arbeit am Herd unter den Mundschutzmasken sicherlich auch nicht zu warm. „Alles in allem ist das für mich in Ordnung“, sagt Clarissa Thau. Im Laufe der Woche will sie ihre Mitarbeiter in Hinblick auf die neuen Regeln schulen.

Das Hotelrestaurant Barbarossa
Das Hotelrestaurant Barbarossa | Bild: Verein historische Gasthäuser (gratis)

Auch das traditionsreiche Hotelrestaurant Barbarossa aus Konstanz sieht die Auflagen als umsetzbar. „Allzu schwer ist es nicht“, sagt Inhaber Florian Miehle. „Jeder weiß mittlerweile, dass es außergewöhnliche Zeiten sind und wir alle mit Einschränkungen leben müssen.“ Das Barbarossa soll daher am Montag wieder aufmachen – zunächst allerdings soll nur die Bewirtung auf dem Obermarkt starten. „Dann sehen wir, wie es angenommen wird und danach entscheiden wir, wie es weiter geht.“

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Kritischer eingestellt ist Jochen Sarnow, Inhaber des Landgasthofs Rebstock in Stühlingen. Er glaubt nicht, dass eine Öffnung in der kommenden Woche rentabel ist. Wenn das Wetter gut sei, könne er sich zwar vorstellen, dass die Außengastronomie gut angenommen wird, aber „bei der Innengastronomie habe ich Bedenken“, sagt er. Die Auflagen seien zwar umsetzbar, er rechnet durch sie aber mit einer Zurückhaltung der Gäste. Dann könne es passieren, dass die Kosten für die Öffnung im Vergleich zu den Einnahmen zu hoch seien.

Der Rebstock werde aus diesem Grund nicht bereits am kommenden Montag öffnen, sondern erst am 29. Mai, wenn auch das angeschlossene Hotel wieder Touristen und nicht nur Geschäftsreisende aufnehmen darf.

Gäste müssen mitmachen

Ganz ohne Bedenken ist auch Clarissa Thau nicht. Sie habe ein wenig Angst vor Verstößen durch die Gäste. Zwar könne sie darüber informieren, welche Regeln gelten. Allerdings habe sie keine Möglichkeit, Vorschriften wie etwa die Einhaltung der Kontaktbeschränkung zu kontrollieren. Seit Montag dürfen sich Personen in der Öffentlichkeit auch mit Angehörigen eines weiteren Hausstands aufhalten. Bislang war das nur Angehörigen eines Hausstands erlaubt.

Wer aber zu welchem Hausstand gehöre, könne sie nicht wissen, sagt Clarissa Thau. Sie befürchte nun, unter Umständen für ein mögliches Fehlverhalten ihrer Gäste haften zu müssen. „Ich hoffe einfach dass die Leute vernünftig sind.“ Das sagt auch Barbarossa-Inhaber Florian Miehle: „Wir hoffen, dass Sie alle Gäste an die Auflagen halten werden, so dass wir den Virus schnellst möglich besiegen, denn nur dann wird ein Normalbetrieb ohne Umsatzeinbußen wieder möglich sein.“

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Aber selbst, wenn sich alle an die Regeln halten, weiß Clarissa Thau noch nicht genau, womit sie ab der kommenden Woche rechnen soll. Vieles sei noch ungewiss, etwa, ob und wie viele Gäste überhaupt kommen. Weil sie viele Reservierungsanfragen per Mail oder Telefon bekommt, rechnet sie zwar mit Gästen. Garantieren kann sie es aber nicht. Und sie sagt: „Ich glaube nicht, dass es zu den üblichen Umsätzen kommt.“ Gleich sieht es das Barbarossa: Man freue sich auf die Gäste, „auch, wenn es weniger sein werden als üblich zu dieser Jahreszeit.“

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