Die Impfnot wird etwas kleiner: Durch die Zulassung und Lieferung des Impfstoffs von Astrazeneca kann Baden-Württemberg ab sofort weiteren Menschen eine Impfung anbieten. Neben den bereits seit Dezember impfberechtigten Über-80-Jährigen sind nun verstärkt Unter-65-Jährige an der Reihe: Nur für sie ist der Astrazeneca-Impfstoff zugelassen, da in den Augen des Bundes ein klarer Wirkungsnachweis für ältere Bevölkerungsgruppen fehlt.

Impfstoff besser als sein Ruf?

Aus Teilen Deutschlands wurde allerdings auch schon gemeldet, dass die Nachfrage nach dem Astrazeneca-Impfstoff überschaubar ist – mancher sorgt sich vor Nebenwirkungen und geringerer Schutzwirkung im Vergleich zu Biontech. Experten wie Christian Drosten hatten diese Zweifel zuletzt als übertrieben bezeichnet und den Impfstoff gelobt.

Am 26. Februar hat das Land nun noch mehr Menschen für eine Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin berechtigt, nachdem im Verlauf der Woche schon Lehrer und Erzieher profitierten.

Wichtig: Wer sich auf Grund einer Vorerkrankung impfen lassen will, muss ein ärztliches Zeugnis vorlegen, dass diese bestätigt. Die Hausärzte bitten jedoch, den Bedarf eines solchen Attests telefonisch anzukündigen und nicht einfach in die Praxis zu kommen.

Doch für wen ist der Astrazeneca-Impfstoff nun vorgesehen? Ein Überblick. Impfberechtigt sind nach Landesangaben ab sofort, jeweils zwischen 18 und 64 Jahren, Berechtigte der Stiko-Stufen 2 und 3.

  • Personen mit Trisomie 21 (“Down-Syndrom„)
  • Personen nach Organtransplantation
  • Personen mit einer Demenz oder mit einer geistigen Behinderung oder mit schwerer psychiatrischer Erkrankung, insbesondere bipolare Störung, Schizophrenie oder schwere Depression
  • Personen mit malignen hämatologischen Erkrankungen oder behandlungsbedürftigen soliden Tumorerkrankungen, die nicht in Remission sind oder deren Remissionsdauer weniger als fünf Jahre beträgt
  • Personen mit interstitieller Lungenerkrankung, COPD, Mukoviszidose oder einer anderen, ähnlich schweren chronischen Lungenerkrankung
  • Personen mit Diabetes mellitus (mit HbA1c >= 58 mmol/mol oder >= 7,5 %)
  • Personen mit Leberzirrhose oder einer anderen chronischen Lebererkrankung
  • Personen mit chronischer Nierenerkrankung
  • Personen mit Adipositas (Personen mit Body-Mass-Index über 40 – also etwa ein 1,80 Meter großer Mensch, der über 130 Kilo wiegt)
  • Personen, bei denen nach individueller ärztlicher Beurteilung aufgrund besonderer Umstände im Einzelfall ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht
  • Bis zu zwei enge Kontaktpersonen (von 18 bis 64 Jahren) von einer nicht in einer Einrichtung befindlichen pflegebedürftigen Person, die das 70. Lebensjahr vollendet oder eine der oben genannten Erkrankungen hat. Die Kontaktpersonen werden von dieser Person oder von einer sie vertretenden Person bestimmt. Nachweis: Personalausweis oder ein anderer Lichtbildausweis der Kontaktperson + Bestätigung der pflegebedürftigen Person oder einer sie vertretenden Person + Altersnachweis dieser Person oder ärztliches Zeugnis über die Erkrankung
  • Bis zu zwei enge Kontaktpersonen (von 18 bis 64 Jahren) von einer schwangeren Person, die von dieser Person oder von einer sie vertretenden Person bestimmt werden. Nachweis: Personalausweis oder ein anderer Lichtbildausweis + Bestätigung der schwangeren Person oder einer sie vertretenden Person + Nachweis über das Vorliegen einer Schwangerschaft
  • Personen, die in Obdachlosenunterkünften oder Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Asylbewerbern, vollziehbar Ausreisepflichtigen, Flüchtlingen und Spätaussiedlern untergebracht oder tätig sind. Dazu zählen auch Ehrenamtliche.
  • Krankenhaus- und Praxispersonal (auch Zahnarztpraxen) – hier zählen, wie überall, auch Auszubildende und Studierende dazu
  • sogenannte Heilmittelerbringer, etwa Physio- und Ergotherapeuten
  • Reinigungspersonal in Kliniken und Praxen
  • Personen, die im Bestattungswesen Kontakt zu SARS-CoV-2 infizierten Leichnamen haben
  • Podologen
  • Personal der Blut- und Plasmaspendedienste mit Patientenkontakt
  • Personen in Abstrichzentren mit Patientenkontakt
  • Personal des öffentlichen Gesundheitsdienstes mit Patientenkontakt
  • Mitarbeitende der Einsatzdienste von Hausnotrufanbietern,
  • Personal in Justizvollzugsanstalten sowie der forensischen Psychiatrie
  • Polizei- und Ordnungskräfte, die in Ausübung ihrer Tätigkeit zur Sicherstellung der öffentlichen Ordnung, insbesondere bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, sowie Soldaten, die bei Einsätzen im Ausland einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Die Impfung der Polizistinnen und Polizisten im Land wird zentral in Abstimmung zwischen Sozialministerium und Innenministerium organisiert.
  • Personal in der stationären Suchtbehandlung und -rehabilitation
  • Personen mit geistiger Behinderung in besonderen Wohnformen der Behindertenhilfe sowie in Werkstätten und Förderstätten für behinderte Menschen, in ambulant betreuten gemeinschaftlichen Wohnformen der Behindertenhilfe. Auch die in den jeweiligen Einrichtungen tätigen Menschen haben einen Impfanspruch.
  • Zudem Lehrer und Erzieher - egal welcher Schul- oder Kita-Art. Auch Schulsozialarbeiter und vergleichbare Berufe sind damit abgedeckt
  • Ebenso das Personal von Schulen – etwa Hausmeister.

Wer wegen seines Berufs impfberechtigt ist, muss sich vom Arbeitgeber eine Bescheinigung darüber ausstellen lassen. Ein Muster dafür findet sich hier auf der Landesseite.

Das Land weist zudem darauf hin, dass manche Gruppen im Online-Portal impfterminservice.de noch nicht als impfberechtigte ausgewiesen werden. Man sei vom Bund abhängig, er müsse diesen Text ändern. Dennoch seien Termine schon jetzt gültig, wenn man beim Impftermin selbst die entsprechende Berechtigung nachweisen kann, so das Land in einer Mitteilung. Auch über die Hotline 116117 ist weiterhin eine Terminvergabe möglich.

Das könnte Sie auch interessieren