Das Telefon klingelt: „Hallo, hier spricht ein Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts. Sie haben Geld bei sich, das mit dem Coronavirus verseucht ist. Einer unserer Mitarbeiter kommt vorbei, um es abzuholen, in Ordnung?“

So oder so ähnlich versuchen Betrüger in Zeiten der Corona-Krise Senioren um ihr Erspartes zu bringen. Klar, vom Enkeltrick oder den falschen Polizisten hat man gehört. Aber diese noch skrupellosere Masche ist neu.

Einer der ersten Fälle dieser Art hat sich vor wenigen Tagen in Konstanz abgespielt. Zum Glück durchschaute die betroffene Person am anderen Ende der Leitung noch früh genug den Spuk und informierte die Polizei. Die Ermittlungen laufen.

Polizei will Menschen sensibilisieren

Doch die Polizei fürchtet, dass es bei Einzelfällen nicht bleiben wird. „Es wird wahrscheinlich auch bei uns immer mehr Menschen geben, die versuchen, die Corona-Krise für sich auszunutzen. Sie spielen mit der Angst der Menschen. Deshalb möchten wir davor präventiv warnen“, erklärt Polizeisprecherin Tatjana Deggelmann im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

So schützen Sie sich vor dem neuen Corona-Trick

Enkeltrick im neuen Corona-Gewand

In ganz Deutschland gehen Kriminelle mit dem neuen Telefontrick vor. Auch ein abgewandelter Enkel-Trick gehört in ihr Repertoire: Die Anrufer geben sich am Telefon als Verwandte aus und behaupten, mit dem Virus infiziert zu sein. Deshalb bräuchten sie Geld, um die Behandlung zu bezahlen. Oft bitten sie um Geld oder Wertgegenstände, die ein angeblicher Freund dann abholt.

Bei einigen Angerufenen haben sie wahrscheinlich Erfolg. „Die Verbrecher sind in Gesprächsführung sehr gut geschult und haben Erfahrung. Da muss man gut aufpassen“, sagt Deggelmann. Auch deshalb ist die Dunkelziffer hoch. Denn nachdem die Geschädigten merken, dass sie einem Betrüger aufgesessen sind, schämen sie sich oft so sehr, dass sie die Polizei gar nicht erst informieren.

Falsche Ärzte wollen Geld für Corona-Test

Vermutlich kommt das auch beim Trick mit dem falschen Arzt vor. Bei dieser Masche geben Betrüger sich als Ärzte aus, der beim Betroffenen dringend einen Coronatest anordnet. Der Test koste allerdings Geld.

Wie die Verbraucherzentrale mitteilt, kommen die falschen Ärzte teilweise mit diesem Vorwand direkt in die Wohnung. Das Opfer wird ablenkt, der Komplize sucht nach Geld und Schmuck. Vor dieser Masche warnt auch das Bundeskriminalamt.

Fake-Nachricht auf Facebook

Und es bleibt nicht bei dieser Corona-Betrügerei. Auf Facebook zum Beispiel wurde eine unwahre Nachricht gepostet, in der behauptet wird, dass falsche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes unterwegs sind. Sie geben vor ins Haus der Betroffenen zu müssen, weil sich angeblich Covid-19 in den eigenen vier Wänden ausgebreitet haben könnte.

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Während sie das Haus dann „desinfizieren“, werden Regale leer geräumt. „Wir sind dem nachgegangen. Es gibt keine Hinweise, dass diese Verbrecher wirklich hier unterwegs waren“, sagt Deggelmann. Aber Fakt ist: mit dieser Masche waren Betrüger in einer anderen Region in Deutschland tatsächlich bereits erfolgreich. Es ist also nicht auszuschließen, dass die Fake-Reiniger auch hierzulande zuschlagen könnten.

Internet-Abzocke mit Masken und „Immunpaket“

Nicht nur über Anrufe erschleichen sich Betrüger vertrauen. Sie nutzen auch die Gutgläubigkeit der Menschen im Internet aus. „Es gibt Fake-Shops, die Desinfektionsmittel oder Masken zu horrenden Preisen anbieten“, erklärt die Polizeisprecherin. Echte Kunden bestellen die Ware. Doch die Produkte kommen nie an. Das Geld ist weg.

Genauso bei der Abzocke mit Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln, die angeblich vor dem Virus schützen sollen. Wie die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg mitteilt, werde verstärkt Werbung mit einem sogenannten „Immunpaket“ für nahezu 60 Euro gemacht.

Es enthalte neben 100 Millilitern Ingwerkonzentrat genau 90 Nährstoffkapseln mit allgemein bekannten und leicht verfügbaren immunstärkenden Stoffen wie Zink und Vitamin D. Verkauft würden auch „Notfallpakete“, die vor allem aus Keksen und abgelaufener Schokolade bestünden und vorgaukeln, dass der anbietende Händler überständige Ware teuer loswerden wolle. Die Verbraucherzentrale rät, sich möglichst ausgewogen zu ernähren. Dann brauche es in der Regel keine Nahrungsergänzungsmittel.

Gefälschte Mails drohen auch in der Region

Die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen warnt Bürger zudem vor sogenannten Phishing-Mails mit Bezug auf das Coronavirus. Mails wie „Unsere Bankfiliale wird wegen des Coronavirus geschlossen, aber wir sind weiterhin per Mail oder Telefon für Sie da“, locken auf gefälschte Webseiten, auf der persönliche Daten abgegriffen werden, um damit Identitätsdiebstahl zu begehen.

Wie erkenne ich eine Phishing Mail?

Anders als viele andere Phishing-Mails wirkt diese Variante professionell, betonen auch Fachleute aus dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): „Sie ist sprachlich sehr gut, spielt mit Emotionen und adressiert das aktuell bestimmende Thema Corona.“

Gefälschte Weltgesundheitsorganisation

Verbrecher machen sogar vor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht halt. Betrüger fordern mit einem angeblichen Schreiben dieser Organisation persönliche Daten von Betroffenen an.

Die WHO warnt auf ihrer Webseite vor dieser Masche und weist darauf hin, dass sie niemals Menschen nach ihrem Benutzernamen oder Passwort fragt. Empfänger sollten diese Mail löschen und auf keinen Fall auf Links oder Anhänge klicken.

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