Stuttgart – Autonom fahrende Feldroboter in der Landwirtschaft; Drohnen, die Schädlings- und Unkrautkontrollen für Obst- und Weinbau durchführen; autonom fahrende Busse, die abgelegene Täler ans Nahverkehrsnetz anbinden; Patienten, die bei einem weit entfernten Arzt in die online-Sprechstunde gehen – keine Zukunftsmusik mehr, sondern möglich durch die neue Mobilfunk- und Netztechnologie 5G.

Riesige Datenmengen in Echtzeit übertragen

Der Übertragungsstandard verspricht Kommunikation und den Transfer auch riesiger Datenmengen quasi in Echtzeit. Dadurch erst werden Technologien wie digitale Landwirtschaft, autonomes Fahren, vernetzte Verkehrssteuerungen oder das Internet der Dinge überhaupt erst möglich.

Alles Zukunftstechnologien, die Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erst recht nach seinem jüngsten Besuch im kalifornischen Silicon Valley auch in Baden-Württemberg mit aller Macht und viel Geld vorantreiben will. Nur: So schnell wird es wohl nichts damit im Land. Und "weiße Flecken" – Regionen, in denen gar kein Empfang möglich ist, wird es wohl auch künftig geben. Das zumindest legen die Antworten nahe, die die FDP-Landtagsfraktion jetzt von der grün-schwarzen Landesregierung auf eine Anfrage zum 5G-Ausbau erhalten hat.

Mancherorts noch nicht einmal LTE-Speed

Klaus Hoher, FDP-Sprecher für den ländlichen Raum und Landtagsabgeordneter des Bodenseekreises, zeigt sich von den Antworten ernüchtert und fordert von der Landesregierung mehr Engagement in Sachen Netzausbau: "Wenn wir die flächendeckende Abdeckung mit 5G-Mobilfunk nicht hinbekommen, brauchen wir über autonomes Fahren, smarte Landwirtschaft und das Internet der Dinge gar nicht mehr zu reden", so Hoher. Anfang versteigert 2019 die Bundesnetzagentur die 5G-Lizenzen und legt die Bedingungen fest, die die Mobilfunk-Anbieter bis 2022 erfüllen müssen. Indes: Speziell in Teilen des Schwarzwalds ist schon die Vorgängertechnik noch Zukunftsmusik. In fünf Prozent der Haushalte und auf 17 Prozent der Landesfläche ist derzeit nicht einmal LTE verfügbar, wie aus der Anfrage hervorgeht.

Ausbau "wirtschaftlich nicht darstellbar"

5G-Sendemasten aber müssen an ein leistungsstarkes Glasfaserkabelnetz angeschlossen werden. Dieser Ausbau kommt in Baden-Württemberg trotz einer Vielzahl von Förderbescheiden nur schleppend in Gang. Vor allem aber erfordert das breitere Frequenzspektrum des 5G-Standards auch jede Menge neuer Sendemasten. Und speziell in Baden-Württemberg leisten Bürger zum Teil erbitterten Widerstand. "Für eine nahezu vollständige Beseitigung der 'weißen Flecken' muss eine große Zahl an Mobilfunkmasten zustäzlich errichtet werden", heißt es in der Antwort auf die FDP-Anfrage. Dafür müssten geeignete Standorte gefunden und die Akzeptanz der Bevölkerung erhöht werden. "Aufgrund der topographischen Gegebenheiten wird in einigen Gebieten ein Mobilfunknetzausbau wirtschaftlich nicht darstellbar sein, wenn er überhaupt möglich ist", heißt es weiter.

Ohne Infrastruktur keine Digitalisierung

Und zudem stünden dem Ausbau zum Teil auch Naturschutz oder Denkmalschutz entgegen. Für die FDP eine unbefriedigende Auskunft. "Wenn man zum Vorreiter der Digitalisierung werden will, muss man sich auch um die nötige Dateninfrastruktur kümmern", fordert Hoher.