Der Schwarzwälder Waffenhersteller Heckler & Koch (H&K) schreibt rote Zahlen. Wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht, stand zum Jahresende 2017 ein Verlust von 13,4 Millionen Euro – nach einem Plus in Höhe von gut sieben Millionen im Vorjahreszeitraum. Damit weist das Unternehmen zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren ein Minus aus.

Auch der Umsatz des Standardausrüsters der Bundeswehr ist auf Talfahrt. Mit 182 Millionen Euro zum Jahresende verzeichnete der Sturmgewehr-Spezialist ein Minus von gut zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Drei Firmenchefs in gut zwei Jahren

H&K ist seit Jahren in schwerem Fahrwasser. Nach Berichten über wenig zielgenaue Bundeswehr-Sturmgewehre des Typs G 36 ist das Ansehen des Unternehmens beschädigt. Streitigkeiten über die Ausrichtung des Unternehmens haben zudem zu schnellen Wechseln an der Firmenspitze und einer Vielzahl an juristischen Streitigkeiten geführt. Der aktuelle Sprecher der Geschäftsführung, Jens Bodo Koch, ist der dritte Firmenchef innerhalb von zweieinhalb Jahren. Seien Aufgabe wird es sein, die hohe Schuldenlast des Waffenbauers weiter zu senken und das Tagesgeschäft anzukurbeln. Zudem gilt es, die von seinem Vorgänger Norbert Scheuch angestoßene Strategie umzusetzen, Kleinwaffen nur noch in demokratische Staaten, sogenannte grüne Länder, zu liefern.

Probleme im wichtigen US-Markt

Die schlechten Zahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr führt das Unternehmen auf hohe Investitionen und einen schleppenden Absatz zurück. Konkret hat H&K 2017 neue Fertigungslinien aufgebaut, was zu Produktionsverzögerungen und damit zu geringeren Umsätzen geführt habe. Im wichtigsten Einzelmarkt, den USA, stotterte zudem die Markteinführung eines bestimmten Pistolentyps. Außerdem kämpfen die Schwarzwälder in den USA mit einer allgemein "schwächeren Nachfrage" wie es im Geschäftsbericht heißt. Dort errichtet H&K sein erstes Produktionswerk außerhalb Deutschlands. Im US-Staat Georgia sollen künftig Pistolen für zivile Zwecke vom Band laufen. Das Land gilt als große Hoffnung für H&K. Ein knappes Drittel der Umsätze werden in Übersee erwirtschaftet. Insgesamt exportiert das Unternehmen fast 80 Prozent seiner Sturmgewehre, Pistolen oder Granatwerfer.

Mehr Mitarbeiter in der Qualitätssicherung

Die Mitarbeiterzahl stieg 2017 um 171 auf 861 Beschäftigte. Die Zunahme geht hauptsächlich auf Neueinstellungen in den USA sowie auf neue Produktions- und Qualitätssicherungsjobs im Inland zurück. Die Zahl der Leiharbeiter hat sich im Jahresverlauf 2017 auf 99 fast verdoppelt.

Hoher Schulden, aber Großaufträge

Zwar erwartet H&K 2018 mehr Umsatz und Gewinn, finanziell ist die Lage aber weiter angespannt, insbesondere da das Unternehmen mit gut 330 Millionen Euro in der Kreide steht. Das ist zwar weniger als im Vorjahr, aber immer noch "ein erheblicher Wert", wie Jürgen Grässlin, Sprecher der kritischen Aktionäre, dem SÜDKURIER sagte. Man wandele hier weiter "auf dünnem Eis". Das Unternehmen selbst äußerte sich trotz Anfrage nicht. Hoffnung machen Großaufträge aus Nato-Staaten. Seit vergangenem Jahr ist klar, dass die französische Armee mit H&K-Sturmgewehren ausgerüstet wird. Zudem ist H&K Favorit im Rennen um den Nachfolgeauftrag der Standardwaffe der Bundeswehr – das G36. Konkurrenten wie Sig-Sauer oder Steyr-Mannlicher haben hier das Handtuch geworfen.