Pünktlich zum Jahreswechsel haben sich die Strom- und Gaspreise auf breiter Front erhöht. Höchste Zeit also, sich über Alternativen Gedanken zu machen. Wer den Tarif oder Anbieter wechselt, kann Hunderte Euro pro Jahr sparen. Eine Übersicht, auf was geachtet werden sollte.

  1. Wie viel kann man sparen? Der einfache Grundsatz lautet bei Strom und Gastarifen: Wer noch nie den Anbieter gewechselt hat, kann beim erstmaligen Anbieterwechsel die höchsten Einsparungen erzielen. Der Energiekunde befindet sich in diesem Fall nämlich in den teuren Grundversorgungstarifen des örtlichen Versorgers. Ein Beispiel: Nach Daten des Vergleichsportals Verivox kann eine in Singen am Hohentwiel lebende Familie mit einem Jahresverbrauch von 18 000 Kilowattstunden Gas 440 Euro im Jahr sparen, wenn sie den neuen Anbieter geschickt wählt. Bei einem Single-Haushalt beträgt die Ersparnis rund 180 Euro. Wer sich entschließt, einen Wechselbonus in Anspruch zu nehmen, kann die Kosten im ersten Vertragsjahr noch einmal erheblich senken. Übrigens: „Auch wer in den vergangenen Jahren bereits hin und wieder den Anbieter gewechselt hat, macht in den meisten Fällen noch einen Schnitt“, sagt Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher (BdE). „Im Markt herrscht viel Wettbewerb“, sagt er. Nicht immer muss übrigens der Versorger gewechselt werden. Wer mit seinem Energieanbieter zufrieden ist, kann dort auch verlangen, in einen günstigeren Tarif gebucht zu werden. Oft geht das.
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  2. Wie lange dauert es, den Anbieter zu wechseln? Das geht nicht länger als eine halbe Stunde. Der Tarifvergleich unserer Zeitung listet beispielsweise eine Auswahl besonders günstiger Tarife auf. Auch Vergleichsportale im Internet wie etwa Verivox oder Check24 geben einen guten Überblick. Diese Portale führen den Nutzer in wenigen Schritten zum neuen Anbieter, listen allerdings nicht alle verfügbaren Versorger auf. Dennoch winken teils hohe Einsparungen. Wer das Internet nicht nutzen will, geht so vor: Sobald man sich für einen neuen Versorger entschieden hat, genügt ein Anruf beim neuen Lieferanten. Nötig sind dann nur der Name des alten Anbieters, die Kunden sowie die Zählernummer. Wichtig: Nicht selbst beim alten Versorger kündigen, sondern das dem neuen Lieferanten überlassen. Außerdem ist Eile geboten, denn bis neue Energie fließt, kann es einige Wochen dauern.

    Auch die Stromtarife steigen in diesem Jahr vielerorts.
    Auch die Stromtarife steigen in diesem Jahr vielerorts. | Bild: AdobeStock
  3. Ist der Anbieterwechsel sicher und bekommt man immer Energie? „Es besteht keine Gefahr, ohne Strom oder Gas dazustehen“, sagt Verbraucherschützer Peters vom BdE. Sollte beim Wechsel etwas schiefgehen, springe immer der lokale Grundversorger ein.
  4. Laufzeiten und Fristen – was ist wichtig? BdE-Chef Aribert Peters rät zu Vertragslaufzeiten von maximal 12 Monaten und einer möglichst kurzen Kündigungsfrist. Das erlaube den Energiekunden hohe Flexibilität. Unabhängig davon bestehe ein Recht auf Sonderkündigung, sofern der Versorger seine Tarife anhebe. Das gelte auch, wenn staatliche Anteile im Preis – etwa Steuern und Umlagen – steigen, für die der Energieversorger nicht verantwortlich ist.
  5. Wie wichtig sind Grund- und Arbeitspreis und Preisgarantien? Die laufenden Kosten verschiedener Tarife – vor allem der Grund- und der Arbeitspreis – stellen die wahren Kosten eines Energietarifs dar. Sie genau zu erfassen, lohnt sich daher. Außerdem sollte der Kunde auf Preisgarantien achten, sagt Dagmar Ginzel vom Verbraucherportal Verivox. Sie sollten möglichst lange laufen, mindestens ein Jahr.
  6. Wie entwickeln sich die Strom- und Gaspreise langfristig? Seit 2013 waren die Gaspreise in Deutschland auf Talfahrt. Das änderte sich erst im Herbst vergangenen Jahres, als die Tarife zu einem neuen Höhenflug anhoben, der 2019 voll auf die Kunden durchschlägt. Rund 300 von 900 Gas-Grundversorgern haben nach Daten der Vergleichsplattform Verivox für das laufende Jahr Preiserhöhungen angekündigt, die meisten davon erfolgten zum Jahreswechsel. „Preise zu vergleichen, lohne sich im Moment besonders“, sagt Ginzel. Auch die Strompreise traten in den vergangenen Jahren de facto auf der Stelle, bis sie 2018 wieder deutlich anstiegen. Energieexperte Peters hält es für wahrscheinlich, dass insbesondere die Gaspreise im Jahresverlauf weiter anziehen könnten. Bei Strom sei die Tendenz derzeit „nicht klar abzuschätzen“.
    Windräder liefern mittlerweile Strom recht günstig
    Windräder liefern mittlerweile Strom recht günstig | Bild: dpa
  7. Warum steigen die Energiepreise? Jahrelang waren es vor allem die staatlichen Anteile am Strompreis, die Energie teurer machten“, sagt Expertin Ginzel. Steuern und Abgaben machen mittlerweile etwa 55 Prozent am Strom- und gut 25 Prozent am Gaspreis aus. Die aktuellen Preiserhöhungen lassen sich aber auf gestiegene Notierungen für Brennstoffe wie Kohle und Gas und anziehende CO2-Preise zurückführen. Aktuell ist es also der Energiemarkt, der die Preise treibt.
  8. Macht die Energiewende Strom teurer? Mittelfristig ja. Allein die sogenannte EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien ist in den vergangenen zehn Jahren um den Faktor sechs auf knapp sieben Cent pro Kilowattstunden angestiegen, zuletzt aber wieder leicht gesunken. Zum Vergleich: Eine Kilowattstunde Strom kostet den Verbraucher derzeit rund 30 Cent. Der jetzt vorgelegte Fahrplan zum Kohleausstieg wird zudem dazu führen, dass jährlich zwei Milliarden Euro darauf aufgewendet werden müssen, die Stromtarife stabil zu halten. Dafür berappt nicht der Verbraucher, aber der Steuerzahler. Dem gegenüber stehen allerdings Einsparungen, die dadurch entstehen, dass durch den Neubau von Wind- und Solarkraftwerken Importe von Gas, Kohle und Öl vermieden werden. Auch das summiert sich auf Milliardenbeträge pro Jahr.
  9. Können Energieversorger pleitegehen? Mit Teldafax und Flexstrom sind schon größere Energieanbieter pleite-gegangen. Zuletzt traf es im Januar den Strom-Discounter BEV. Gemessen an rund tausend Versorgern bundesweit, seien Insolvenzen aber die Ausnahme, sagt BdE-Experte Peters. Um dennoch vorzusorgen, rät der Experte vom billigsten Anbieter die Finger zu lassen. Bei einer Insolvenz sollten Kunden zudem Zahlungen an den Anbieter sofort einstellen und den Vertrag fristlos kündigen. Im Zweifel lohnt laut Peters ein Blick auf die Webseite verbraucherhilfe-stromanbieter.de. Dort werden Kundenbeschwerden über unseriöse Unternehmen ausgewertet.
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  10. Lohnen Ökotarife? „Die Teilung des Marktes in Normal- und Ökotarife besteht de facto nicht mehr“, sagt Expertin Ginzel. Das bezieht sich insbesondere auf den Preis. Oft sind Öko-Strom oder -Gas günstiger als Normalenergie. Beim Strom hängt das mit dem erheblich gestiegenen Anteil an Öko-Strom im deutschen Strommix zusammen. Aktuell kommen rund 40 Prozent des deutschen Stroms aus regenerativen Quellen. Beim Gas setzten fast alle Anbieter auf gewöhnliches Erdgas, bieten aber Kompensationsmaßnahmen an, um ihre Energie „grün“ zu machen.
  11. Gibt es echte Öko-Anbieter? Einige Stromversorger zeichnen sich durch strikte Verwendung von Öko-Energie, Bürgerengagement, Transparenz und Unabhängigkeit von Konzernen aus. Fachleute wie Peters nennen hier etwa Geenpeace Energie, die Bürgerwerke aus Heidelberg, die Naturstrom AG oder die Elektrizitätswerke aus Schönau im Schwarzwald.
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  12. Ist Energie in Baden-Württemberg besonders teuer? Der Südwesten gehört nicht zu den günstigen Bundesländern. Beim Strom liegt der Durchschnittstarif mit 1166 Euro für eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 4000 kWh ungefähr auf Bundesniveau. Gasverbraucher zahlen nach Verivox-Daten mit 1236 Euro im Jahr durchschnittlich knapp 60 Euro mehr als anderswo.
  13. Lohnen Boni und Rabatte? Viele Energieversorger werfen Köder aus, damit die Kunden zubeißen. Dazu gehören etwa einmalige Boni für Wechselwillige. Diese können aus Kundensicht sinnvoll sein, allerdings sollte man sich bewusst sein, dass sie zwar die Energiekosten im ersten Jahr senken, aber auch die wahren Kosten des Stromangebots – den Grundpreis und den Arbeitspreis – verschleiern. Der Grund: Je mehr Kilowattstunden auflaufen, desto geringer wird der Einfluss der einmaligen Boni.
  14. Was tun bei Drängelangeboten? Es kommt vor, dass Drückerfirmen Haushalte gezielt anrufen, um den Kunden einen Stromvertrag aufzuschwatzen. Verbraucherschützer Peters rät in solchen Fällen, sich gar nicht erst auf Diskussionen einzulassen, sondern sofort aufzulegen. Die Praxis ist illegal und beschäftigt derzeit bundesweit Gerichte. Die Hintermänner der Aktionen seien oft schwer zu ermitteln, da sie oft aus dem Ausland agierten, sagt Peters.