Der Autozulieferer Weber Automotive in Markdorf (Bodenseekreis) hat einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, sei der Schritt unausweichlich, da Weber Automotive wie auch die Weber Industrie Holding GmbH trotz guter Auftragslage in finanzielle Schwierigkeiten geraten seien. Der Geschäftsbetrieb soll weitergeführt werden, die Gehälter seien über das Insolvenzgeld bis Ende September gesichert. Als vorläufiger Sachwalter für das Insolvenzverfahren wurde dem Unternehmen zufolge Christian Gerloff von der Kanzlei Gerloff Liebler bestellt.

Schwerwiegendes Zerwürfnis

Dem Insolvenzantrag ging offenbar ein schwerwiegendes Zerwürfnis zwischen dem Mehrheitseigner, dem französischen Investor Ardian, und den Altgesellschaftern, der Gründerfamilie Weber, voraus. Informationen des SÜDKURIER zufolge hält Ardian 75 Prozent der Anteile an Weber, die Familie 25 Prozent. Öffentlich kommuniziert wurde der Umfang der Anteilsübernahme beim Einstieg von Ardian im Herbst 2016 nicht.

Wie angespannt die Lage ist, zeigt, dass die Weber-Mitarbeiter von der Geschäftsführung angewiesen wurden, keinerlei Informationen nach außen dringen zu lassen. „Funkstille“ heißt die Marschrichtung, insbesondere bei Anrufen von Journalisten. Anstatt dessen versendet das Unternehmen am Montag drei verschiedene Pressemitteilungen.

Eigner fährt schwere Geschütze auf

In ihnen kommen die Absender zu teils gravierend voneinander abweichenden Einschätzungen der Vorgänge, die zu dem Insolvenzantrag geführt hatten. Während Weber-CEO Frank Grunow von einer „zufriedenstellenden Auftragslage“ spricht und sich zuversichtlich äußert, im Zuge des Verfahrens das Unternehmen neu aufstellen und die Arbeitsplätze sichern zu können, fährt der Investor schwere Geschütze auf. Der Insolvenzantrag, lässt Ardian verlauten, folge „der Weigerung der Familiengesellschafter, ein tragfähiges Sanierungskonzept zu unterstützen“. Die ambitionierte Geschäftsplanung der Altgesellschafter habe sich „nicht im Ansatz materialisiert“.

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Im Gegenteil: Die Ertragskraft von Weber liege „signifikant“ unter der Prognose, eine gemeinsame Lösung zur Fortfinanzierung des Unternehmens durch die Gesellschafter und die beteiligten Banken sei am Veto der Gründerfamilie gescheitert, heißt es seitens Ardian. Dem Finanzinvestor zufolge habe ein Sanierungsgutachten neben Kapitalzusagen seitens der Gesellschafter und Banken auch eine langfristige Mietminderung in Höhe von mindestens fünf Millionen Euro pro Jahr gefordert. Der Familie Weber gehören nach wie vor die Immobilien. Dazu sei die Familie aber nicht bereit gewesen. Stattdessen habe die Familie eine Kapitalerhöhung durch die Gesellschafter vorgeschlagen. In bemerkenswert scharfen Worten weist Ardian der Gründerfamilie die Schuld an der Insolvenz zu. Die Altgesellschafter hätten „in Summe deutlich mehr Kapital aus dem Unternehmen abgeschöpft als eingebracht“. Zwischen den Altgesellschaftern und Ardian bestehe keine Vertrauensbasis mehr, die eine Fortführung der Gesellschafterbeziehung ermögliche, heißt es schroff.

Gründerfamilie wehrt sich

Gegen diese Vorwürfe wehrt sich die Gründerfamilie in einer eigenen Mitteilung. Die Familie habe verschiedene Angebote zur Rettung des Unternehmens unterbreitet, die jedoch nicht angenommen worden seien. Den beteiligten Banken habe man ein Finanzierungspaket vorgeschlagen, das die Fortführung des Unternehmens ermöglicht hätte. Die Familie, so heißt es, sei jederzeit bereit für konkrete Gespräche mit den verantwortlichen Personen der Eigenverwaltung und dem vorläufigen Sachwalter.

Seit längerem Streit in Firma

Offenbar scheinen sich der Mehrheitseigner und die Altgesellschafter bereits seit längerem nicht mehr einig über die Unternehmensstrategie gewesen zu sein: Im September vergangenen Jahres wechselten die damaligen Geschäftsführer, die Gebrüder Christian (CEO) und Daniel Weber (CFO), in den Beirat des Unternehmens. Die Übergabe des operativen Geschäftes an die extern rekrutierten Geschäftsführer Grunow und Siegfried Schlabschi (CFO) erfolgte seinerzeit dem Vernehmen nach auf Druck von Mehrheitseigner Ardian. Die zunehmende Internationalisierung von Weber Automotive erfordere auch eine Professionalisierung auf der Managementebene, hieß es damals vielsagend. Heute teilt Ardian unverblümt mit, die Brüder Weber hätten seit dem Einstieg des Investors bis zu deren Ausscheiden aus der Geschäftsführung ihren Wachstumsplan nicht erfüllen können.

Weltweit mehr als 1500 Mitarbeiter

Weber Automotive fertigt Antriebs- und Motorenkomponenten für Pkw, Nutzfahrzeuge und Freizeitmobile wie Jetski und beschäftigt weltweit mehr als 1500 Mitarbeiter, davon rund 500 am Unternehmenssitz in Markdorf. Im vergangenen halben Jahrzehnt ist Weber stark durch Zukäufe gewachsen – auch um seine starke Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor durch andere Sparten zu ergänzen. 2018 erwirtschafte man 328 Millionen Euro Umsatz.