Konstanz/Tuttlingen/Teheran – Der Vorstände der Volksbank Konstanz und der Volksbank Schwarzwald-Donau-Neckar aus Tuttlingen schweigen trotzt mehrfacher Anfragen des SÜDKURIER weiter zu ihrem Iran-Geschäft. Zuletzt war bekannt geworden, dass die Genossenschaftsbanken und vier weitere Geldinstitute aus Baden-Württemberg trotz der Androhung von Wirtschaftssanktionen durch US-Präsident Donald Trump gegen den Iran an ihrem Geschäft in dem persischen Land festhalten wollen.

Über die Gründe des außergewöhnlichen Schritts herrscht aber weiter Rätselraten. Der Banken-Experte Hans-Peter Burghof, Inhaber des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim, hat einen Erklärungsansatz. Nach dem Rückzug großer Banken aus dem Land würden kleinere Institute in die Nische springen, erklärt er. "Sie helfen dem deutschen Mittelstand vor Ort", sagt Burghof. Die DZ Bank, das genossenschaftliche Spitzeninstitut, hat bereits jeglichen Auslandszahlungsverkehr mit Iran-Bezug eingestellt. Der Branchenprimus Deutsche Bank ist schon seit Jahren in Bezug auf den Iran zurückhaltend, weil er Angst hat, sich in dem Land die Finger zu verbrennen.

Während die großen Banken bei einem Iran-Engagement Sanktionen aus den USA befürchten müssen, können die kleinen mit weniger Sorgen im Iran wirtschaften. Denn Letztere sind in der Regel nicht in der angelsächsischen Finanzwelt unterwegs. Es drohen hohe Strafen, wenn Banken Sanktionen der USAmissachten. Wie teuer ein Verstoß gegen Vorgaben der Amerikaner sein kann, bekam 2015 die Commerzbank zu spüren. Sie musste wegen Irangeschäften eine Geldbuße von 1,5 Milliarden Dollar zahlen. Die französische Großbank BNP Paribas musste sogar neun Milliarden Euro berappen.

"Der Iran ist ein Sonderfall", betont Hans-Peter Burghof. So seien sich die USA und Europa üblicherweise bei Wirtschaftssanktionen beispielsweise gegen Russland oder Nordkorea einig. Durch die Meinungsverschiedenheit in Bezug auf den Iran biete sich eine Lücke für kleine Banken. Dass die Volksbanken sich weiter im Iran engagieren wollen, hält Burghof nicht für ehrenrührig. "Das muss jeder selber entscheiden. Grundsätzlich ist es gut, den Austausch mit dem Iran am Leben zu halten", sagt er.

Patrizia Melfi, Leiterin des Kompetenz-Center International mit Sitz in Tuttlingen, das die Iran-Geschäfte der sechs Volksbanken aus dem Südwesten bündelt, spricht von einer "großen Verunsicherung", die in vielen Unternehmen vom Mittelständler bis zum Dax-Unternehmen herrsche. „Einige Betriebe ziehen die Reißleine und nehmen keine neuen Aufträge aus dem Iran an. Andere, von denen viele gar keine Geschäftsbeziehung zu den USA haben, wollen ihr Irangeschäft fortsetzen“, sagte Patrizia Melfi.

Auch Sparkassen haben Kunden bei Irangeschäften wieder begleitet – und tun das auch weiterhin, so der Deutsche Sparkassen- und Giroverband. "Inwieweit die von den USA angekündigte Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran die Abwicklung des Zahlungsverkehrs oder die Finanzierung dieser Geschäfte beeinflusst oder unmöglich macht, ist derzeit nicht abschätzbar", teilt der Sparkassenverband mit. Man müsse die Gespräche zwischen Europa und dem Iran abwarten.

Khashayar Nivipour von der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer sieht heute schon "erhebliche Schwierigkeiten" im Zahlungsverkehr mit dem Iran. "Exporteure in den Iran müssen aufwendige Geschäftsprüfungen vornehmen", schreibt er im Außenwirtschaftsmagazin IranContact. Auch die für die Zahlungsabwicklung eingeschalteten Banken müssten das Exportgeschäft überprüfen, so Nivipour weiter. Die Schwierigkeiten im Zahlungsverkehr seien "ein zentrales Problem für die deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen", so der iranische Wirtschaftsexperte.