Herr Kresser, seit die Neue Alno im März den Betrieb wieder aufgenommen hat, ist es ruhig geworden. Wie steht das Unternehmen aktuell da?

Wir haben in den vergangenen Monaten einiges erreicht, haben jetzt eine klare Strategie und wissen, wie wir sie umsetzen werden. Am Ziel sind wir aber noch nicht.

Wie haben sich denn Umsatz, Gewinn und Aufträge 2018 entwickelt?

Dazu machen wir im Moment keine Angaben. Das besprechen wir mit unserem Eigentümer. Der erste Abschluss mit validen Kennzahlen wird dann im Frühjahr 2019 erfolgen.

Bleibt es dabei, dass man Mitte 2019 wieder profitabel werden will?

Wir wollen Ende 2019 auf eigenen Füßen stehen und unter dem Stich auch wieder Gewinn einfahren. Die Planungen haben sich leicht nach hinten verschoben, nicht zuletzt durch den Abgang meines Geschäftsführer-Kollegen Andreas Sandmann und der damit verbundenen neuen strategischen Ausrichtung.

Worin besteht die neue Strategie?

Die Neue Alno muss sich klar machen, dass sie kein Konzern mehr ist, sondern ein Mittelständler. Die Zeiten, in denen mit Küchen eine halbe Milliarde Euro Umsatz gemacht wurde, sind vorbei. Alno ist diesbezüglich bescheidener geworden. Wir setzen auf hohe Qualität verbunden mit guten Gewinnspannen. Wir gehen aber weg von der schieren Menge. Es ist ein Irrweg, nur um Umsatz zu generieren, jedes Geschäft abzuschließen.

Das heißt genau?

Im Küchengeschäft haben sie zwei Möglichkeiten. Sie könne ihre Küchen mit Hilfe der vier großen deutschen Einkaufsverbünde zum Kunden bringen. Das lassen die sich aber teilweise mit hohen Rabatten bezahlen oder ihre Küchen stehen zwar bei den großen Einrichtungsmärkten der Republik im Sortiment, aber sie verdienen fast nichts mehr an ihnen. Das ist nichts für uns. Die Neue Alno wird künftig die direkte Zusammenarbeit mit Küchenstudios und Fachhändlern suchen. Die sind für uns zentral.

Die Fachhändler haben sie aber 2017 durch die Lieferung unvollständiger Küchen gegen sich aufgebracht. Außerdem gibt es Tausende Händler in Deutschland. Da kommen Sie aus dem Klinkenputzen doch nicht mehr raus…

Das werden wir aber tun. Es stimmt, dass das etwas länger dauern wird, dafür haben wir am Ende eine viel breitere Kundenbasis. Das Geschäftsmodell ist weitaus stabiler, als sich von wenigen Einkaufsverbänden abhängig zu machen.

Küchenstudios und Fachhandel – das hört sich nach Edelküchen an…

Wir bauen Küchen im mittleren und gehobenen Preissegment, ab etwa 8.000 Euro. Im Massengeschäft mitzumischen, ist nicht unser Weg. Wir wollen keine Küche für 1999 Euro anbieten. Das passt weder zu unserer mittelständischen Größe noch zu unserem Qualitätsanspruch.

Dennoch brauchen sie auch Stückzahlen. Anfang des Jahres haben Sie angekündigt, die Produktion in Pfullendorf auf Tausend Einheiten pro Tag hochzufahren. Erreichen Sie dieses Ziel denn?

Ich bin zuversichtlich, dass wir das Niveau bis Jahresende erreichen. Aktuell liegen wir bei etwa 500 bis 600 Einheiten pro Tag. Tendenz steigend. Klar hätten wir gerne mehr Auslastung, aber im Moment ist das nicht so einfach. Unsere alten Marktanteile im Inland haben die Wettbewerber voll aufgesogen. Wir können aber durch Qualität und kurze Lieferzeiten punkten. Mit drei bis vier Wochen liegen wir hier schon deutlich vor wichtigen Konkurrenten, die die Kunden teils acht bis neun Monate warten lassen. Anders ausgedrückt können wir all jenen Menschen helfen, die vor Weihnachten noch ihre Küche haben wollen.

Ist das Werk in Pfullendorf technisch denn noch auf dem Stand der Zeit?

Bei den Maschinen habe ich keine Sorgen. Da gibt es keine technischen Einschränkungen. Bei der Umstellung der veralteten, sehr komplexen und viel zu teuren IT-Systeme sind wir allerdings noch nicht am Ziel. Spätestens bis im Frühjahr, muss der gesamte Neuaufbau der IT-Infrastruktur stehen.

Steht das Ziel, je die Hälfte der Küchen im In- und im Ausland zu verkaufen?

Unsere Mengen werden wir künftig durch das Auslandsgeschäft hereinholen, etwa durch Verkäufe in den Benelux-Staaten, Frankreich oder England. Große Hoffnung setzen wir auf China, Indien, Korea und Taiwan. Die Marke Alno strahlt im Ausland hell. Zudem sind die Margen dort viel höher als im Inland. Perspektivisch soll rund zwei Drittel des Umsatzes aus dem Ausland kommen.

Im Ausland Vertriebsnetze aufzubauen, kostet aber viel Geld…

Wir können das stemmen, auch weil wir die Organisation noch einmal gestrafft haben. In China läuft der Aufbau des Vertriebsnetzes schon an. Klar ist, dass der Vertrieb in den Märkten, seine Kosten einspielen muss.

Alno ist seit Monaten nicht profitabel. Reicht das Startkapital von Ihrem Eigner Riverrock überhaupt noch lange aus?

Wir haben einen Kredit mit Riverrock vereinbart, der lange noch nicht aufgebraucht ist. Der steht auch 2019 zu Verfügung. Da muss sich wirklich niemand sorgen machen, dass der Neuen Alno das Geld ausgeht. Der Eigentümer steht zu uns. Es ist ein ganz enges Miteinander. Die Herausforderung besteht eher darin, die Mittelstandsdenke in der Belegschaft zu verankern. Alle müssen Verantwortung übernehmen, Einsatz zeigen und Geschwindigkeit aufnehmen.

Deutschlands größte Küchenmesse, die MOW, steht an. Was erwarten Sie?

Der Verlauf der Messe wird für die Neue Alno sehr entscheidend. Auf der Messe werden immer noch große Verträge abgeschlossen und wir setzen alles daran, dort ordentlich Aufträge in die Bücher zu bekommen.

 

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