Kai Brünker, Sie wechseln vom Drittliga-Absteiger Großaspach nach Magdeburg. Wie geht es jetzt weiter, wie sieht Ihr Fahrplan in den kommenden Tagen und Wochen aus?

Kommende Woche werde ich mir in Magdeburg ein paar Wohnungen anschauen. Am 10. August ist dann Trainingsauftakt.

Worauf dürfen sich die Fans des FCM freuen? Sie werden seit längerer Zeit Panzer genannt, in Anlehnung an Ihr körperbetontes Spiel.

Ich werde genauso viel Einsatz zeigen, wie ich es bei meinen vorherigen Vereinen getan habe. Mein persönliches Ziel ist es, noch mehr Tore zu schießen, zweistellig wäre super. Auf jeden Fall werde ich mich zerreißen für den Club.

Sie haben auch bei Bradford City in der dritten englischen Liga gespielt. Welche Liga ist qualitativ besser, wo sind die Unterschiede zwischen der 3. Liga in Deutschland und der in England?

Qualitativ würde ich nicht sagen, dass eine Liga besser ist als die andere. Sie sind einfach komplett verschieden. In England wird vor allem Wert auf Physis und Dynamik gelegt. Dort gibt es viele individuell starke Spieler, die zum Beispiel auf dem Flügel das Eins-gegen-Eins suchen. Der Spielaufbau ist auf der Insel nicht so vorhanden, da wird das Ding auch mal nach vorn geschlagen und auf die zweiten Bälle gegangen. In Deutschland dagegen wird eher auf Taktik, Technik und einen geordneten Spielaufbau geachtet. In England laufen teilweise brutale Kanten, richtig starke Charaktere rum. Und dort kennt einfach jeder jeden, weil das Land nicht so groß ist.

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In der abgelaufenen Drittliga-Saison war vor allem das Aufstiegsrennen bis zum Ende spannend. Was macht Ihrer Meinung nach die 3. Liga in Deutschland aus?

Die Liga ist brutal stark und wird auch kommende Saison nicht schwächer, da kommt Zweitliga-Absteiger Dynamo Dresden dazu. Es macht großen Spaß, darin zu spielen, weil einige namhafte Clubs dabei sind – Ex-Bundesligisten, bei denen viel Tradition dahintersteckt. Wenn Corona nicht gewesen wäre, spielt man vor tollen Kulissen, was im Fußball mitentscheidend ist. Wenn ich mich jetzt in dem blauen Trikot von Magdeburg sehe, würde ich mir schon die Fans herbeiwünschen (lacht).

Der 1. FC Magdeburg hat als Zweitliga-Absteiger der Runde 2018/19 die Klasse in Liga drei knapp gehalten. Können Sie schon etwas zum Saisonziel des Clubs sagen?

Darüber haben wir intern noch nicht gesprochen. Das wird in der Vorbereitung ein Thema sein. Aber ich denke, der Verein ist so groß, dass er sich den maximalen Erfolg wünscht.

Mit der SG Sonnenhof Großaspach sind Sie am Ende klar abgestiegen. Was hat Ihrer Meinung nach zum Klassenerhalt gefehlt?

Schwierig zu sagen. Wir sind super aus der Corona-Zeit herausgekommen, waren wie ausgewechselt und hatten eine gute Stimmung im Team. Der Trainer Hans-Jürgen Boysen hat uns ein super Angebot gemacht, in dem wir ständig rotiert haben. Eine Elfergruppe durfte das Mittwochspiel machen, die andere das am Wochenende. So haben wir noch ordentlich Punkte geholt. Gegen Ingolstadt wurden wir etwas betrogen, als wir einen Elfmeter gegen uns bekommen haben. Ansonsten wäre vielleicht noch mal etwas drin gewesen. Generell ist es so: Wenn du im Abstiegskampf bist, kommt Unruhe auf, die von außen nach innen dringt. Ich weiß nicht so recht, woran es lag. Qualität war auf jeden Fall da, aber vielleicht hat die gewisse Chemie gefehlt zwischen den Spielern.

Der Verein in Aspach wird liebevoll Dorfklub genannt. Was macht ihn so besonders?

Es ist ein sehr bodenständiger, familiärer Verein mit enorm niedrigem Etat. Alle kennen sich und es ist so, als wenn man im Dorf Fußball spielt – nur eben, wie bis jetzt, in der 3. Liga. Die Gegend mit ihren Weinbergen ist schön.

Ein Edelfan Ihres Ex-Clubs ist Andrea Berg, Ehefrau des SG-Mitgründers Uli Ferber und seit vielen Jahren im Hotel Sonnenhof in Aspach lebend. Haben Sie die Schlagersängerin einmal persönlich kennengelernt? Oder werden nach Siegen wenigstens ihre größten Hits in der Kabine gespielt?

Andrea habe ich kennengelernt. Ich hatte jetzt nicht so viel mit ihr zu tun. Aber als wir im vergangenen Jahr im Abstiegskampf waren, haben wir mal eine Nacht in ihrem Dorf übernachtet. Das hatte sie organisiert, damit wir uns gut vorbereiten konnten auf das Spiel gegen Zwickau. Und ja, einige Male lief ihr Lied „Ja ich will“ in der Kabine.

Zurück zu Ihnen: Sie kamen in der vergangenen Drittliga-Saison auf 30 Einsätze mit sechs Toren, zwei Vorlagen und sechs Gelben Karten. Sind Sie zufrieden damit? Wo wollen Sie sich noch verbessern?

Mit meiner Entwicklung bin ich zufrieden. Klar, ich möchte mich weiter steigern und noch mehr Tore schießen.

Wie war eigentlich die Zeit während des Corona-Lockdowns für Sie? Kann man als Profifußballer überhaupt die Spannung halten, wenn nur Einzeleinheiten möglich sind und das Mannschaftstraining wegfällt?

Die ersten beiden Wochen geht das. Danach merkt man so ein bisschen, wie man in einen Trott hineinkommt. Ich habe mich irgendwann gefragt, ob das überhaupt noch Sinn macht, ob es weitergeht oder nicht. Beim DFB hatte es in Sachen Fortsetzung der Saison eine ständige Diskussion gegeben. Das alles hat mich aber nicht davon abgehalten, dass ich damit aufhöre, mich fit zu halten. Ich habe mich dann auch mit anderen Sportarten und Übungen auseinandergesetzt, um Abwechslung zu schaffen. Oder an Schwächen gearbeitet, die im normalen Spielbetrieb zu kurz kommen.

In Zeiten des fußballerischen Homeoffice haben Sie viel Zeit in Ihrer Heimat Villingen-Schwenningen verbracht. Wie oft werden Sie in Zukunft von Magdeburg aus in den Schwarzwald zurückkehren können?

Der Trainingsplan liegt ja momentan noch nicht vor. Je nach Belastung muss man das dann entscheiden, natürlich auch in Absprache mit dem Trainerteam, ob ein Wochenend-Trip in den Schwarzwald drin ist.

Gönnen Sie sich jetzt noch etwas Urlaub oder geht der Blick schon vollkommen in Richtung Magdeburg?

Dieses Wochenende gehe ich nach Österreich in die Berge.