Nach dem Motto "Reparieren statt Wegwerfen" plant die Europäische Union im Rahmen ihres sogenannten "Green New Deal"-Programms ein nachhaltiges Gesetz auf den Weg zu bringen, das Verbraucherinnen und Verbraucher schon bald dazu verpflichten könnte, ihr defektes Gerät vor einer Neuanschaffung zunächst zur Reparatur zu bringen.

Zurzeit sieht das Verbraucherverhalten noch anders aus. So zeigt etwa die Smartphone-Reparatur-Studie 2019 der Online-Marktplatz Clickrepair in Kooperation mit Statista, dass lediglich 15 Prozent der Betroffenen ihr Smartphone im Schadenfall reparieren lassen. Grund dafür sind nicht zuletzt hohe Instandhaltungskosten bei geringem Anschaffungswert. Doch was genau hat die EU vor, welche Vorbilder gibt es, und welche Probleme sehen Verbraucherschützer?

EU: Reparaturen haben bei bestimmten Bedingungen Vorrang

Nach den Plänen der Europäischen Kommission sollen Reparaturen schon bald den Normalfall bilden. Laut einem Vorschlag für eine Neuregelung der gesetzlichen Gewährleistung sollen laut EU künftig Reparaturen immer Vorrang haben, vorausgesetzt die Kosten für ein Ersatzprodukt fallen höher oder genauso hoch aus wie eine Reparatur. Für den nächsten Schritt auf dem Weg zu einer verbindlichen Gesetzgebung muss der Kommissionsvorschlag vom Europäischen Parlament und vom Rat angenommen werden.

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Frans Timmermans, Europas erster geschäftsführender Vizepräsident und Kommissar für Klimaschutz, betont: "Reparatur ist ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, das Modell der Wegwerfgesellschaft ad acta zu legen, das für unseren Planeten, unsere Gesundheit und unsere Wirtschaft so schädlich ist. Ein fehlerhaftes Kabel oder ein beschädigter Ventilator muss nicht bedeuten, dass man ein ganz neues Produkt kaufen muss. (...) Heute schlagen wir vor, die Reparatur zu einer einfachen und attraktiven Option für die Verbraucherinnen und Verbraucher zu machen." Doch wie kommen Verbraucherinnen und Verbraucher dabei weg?

Kritik kommt von der Verbraucherzentrale

Kritik am EU-Vorhaben kommt von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv): "Mit der geplanten Neuregelung wird das Wahlrecht der Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich eingeschränkt", kritisiert Elke Salzmann, vzbv-Referentin für Ressourcenschutz gegenüber der Berliner Morgenpost.

Grundsätzlich begrüße Salzmann aber, dass sich die EU für eine neue Pflicht zur Reparatur stark macht. "Wir brauchen ein wirkungsvolles Recht auf Reparatur, das den Wettbewerb der Hersteller um gut reparierbare und haltbare Produkte stärkt", so die Verbraucherschützerin. Allerdings verliere die EU-Kommission bei ihrem Vorstoß das Kernproblem der zu hohen Reparaturkosten aus den Augen.

Verbraucherschützerin: Statt Vorgaben lieber Anreize schaffen

Der Verbraucherschutzverband fordert stattdessen die Reparaturkosten auf Seiten der Verbraucher zu senken."Zu hohe Kosten sind der Hauptgrund, Produkte nicht reparieren zu lassen", so Slazmann. Der Austausch eines kaputten Handy-Displays etwa koste zwischen 42 bis 73 Prozent des Anschaffungswerts.

Die Verbraucherzentrale schlägt deshalb eine finanzielle Förderung von Reparaturen vor, etwa über eine Senkung der Mehrwertsteuer für Reparaturen oder durch Förder- oder Anreizsysteme, die es bereits in anderen EU-Staaten und auch bei uns schon gibt.

Reparaturkosten subventionieren: Vorreiter sind Frankreich, Österreich und Thüringen

So übernimmt der österreichische Staat bis zu 50 Prozent der anfallenden Reparaturkosten von Elektrogeräten. In Frankreich hingegen sind Reparaturen laut Europäischem Verbraucherzentrum aus einem Fonds gefördert, in den die Hersteller einzahlen, die sich darüber hinaus dazu verpflichten, die Ersatzteile mindestens fünf Jahre verfügbar zu halten.

Doch der Blick muss nicht mal zwingend über die Landesgrenzen gehen. Selbst in Thüringen gibt es bereits ein Anreizsystem. Verbraucher, die im Freistaat ein Gerät reparieren möchten, erhalten einen Reparaturbonus von bis zu 100 Euro. Über 12.000 Anträge wurden laut MDRbisher bewilligt. Eine Dauerförderung soll der Bonus laut Umweltminister Bernhard Stengele (Grüne) jedoch nicht werden.

Übrigens: Dass beim Thema nachhaltiges Wirtschaften nicht alle an einem Strang ziehen, zeigt zum Beispiel der Messenger WhatsApp, der alte Smartphone-Modelle schon bald von seinen Diensten ausschließen will.