13 große rote Ziffern markieren den Schuldenstand von Deutschland: Auf gut 1,93 Billionen Euro belaufen sich die Verbindlichkeiten der öffentlichen Hand. Eine Billion, das sind 1000 Milliarden. Jeder Deutsche, vom Baby bis zum Greis, steht damit rein rechnerisch mit fast 24 000 Euro in der Kreide. Und die Schuldenuhr, die über dem Eingang der Bundeszentrale der Steuerzahler in Berlin prangt, läuft weiter. Seit gestern aber zum allerersten Mal rückwärts – die Staatsverschuldung sinkt.

Seit die Uhr vor 22 Jahren zunächst in Wiesbaden in Betrieb genommen wurde, kannte sie nur eine Richtung: vorwärts. Die Schulden stiegen, mal schneller, mal langsamer. Zwischen 1995 und 2015 verdoppelten sich die Verbindlichkeiten fast. Im Zuge der Finanzkrise lag der Wert 2009 bei 4439 Euro je Sekunde. Gestern Vormittag betrug der sekündliche Schuldenzuwachs nur noch 58 Euro. Am Nachmittag zeigte die Anzeige dann sinkende Schulden: 78 Euro weniger pro Sekunde.

Reiner Holznagel, Präsident des Steuerzahlerbundes, sagt im Gespräch mit unserer Zeitung: „Basis sind die aktuell vom Statistischen Bundesamt gemeldeten Zahlen, wonach die Gesamtverschuldung im zurückliegenden Jahr um 2,9 Prozent auf rund 1,93 Billionen Euro zurückgegangen sind.“ Die anhaltend gute Konjunktur führe zu hohen Steuereinnahmen, durch niedrige Zinsen komme den Staat der Schuldendienst zudem seit Jahren weniger teuer zu stehen. Ein Grund zur Entwarnung sieht Holznagel keineswegs: „Die Kuh ist noch lange nicht vom Eis. Deutschland erfüllt noch immer nicht die Stabilitätskriterien des Maastrichter Vertrages. Der Staat gibt weiter das Geld mit vollen Händen aus.“ Am Ende des Jahres 2018 werden sich die Verbindlichkeiten laut Holznagel um lediglich 2,5 Milliarden verringert haben. Gut 770 Jahre würde es so dauern bis zur völligen Schuldenfreiheit des Staates.

Aus Sicht des Steuerzahlerbundes müsse die Politik nun mit deutlichen Entlastungen der Bürger dafür sorgen, dass Wirtschaftswachstum und Konjunktur stabil bleiben. Zum Beispiel solle die neue Regierung unbedingt die Finger von Steuererhöhungen lassen, so Holznagel. Wenn den Bürgern mehr Geld bliebe, stiege der Konsum und damit die Wirtschaftsleistung. Zudem müsse weiter bei unsinnigen Ausgaben gespart werden. Ausufernde oder scheiternde Großprojekt wie Stuttgart 21 oder den Berliner Pannenflughafen BER könne sich der Staat schlichtweg nicht leisten.

Dass manche Bundesländer noch immer auf neue Schulden setzten, sei verantwortungslos, so Holznagel. Das unrühmlichste Beispiel sei Rheinland-Pfalz, das im kommenden Jahr 54 Millionen Euro an neuen Schulden aufnehmen wolle. Dagegen sei erfreulich, dass Bayern stolze 1,5 Milliarden und Baden-Württemberg immerhin 250 Millionen Euro an Schulden zu tilgen planten.

Dass die nun rückwärts laufende Schuldenuhr ihren Schock-Charakter verliert, befürchtet der Chef des Steuerzahler Bundes jedenfalls nicht. Reiner Holznagel: „Unsere Anzeige taugt jetzt mehr denn je zur Mahnung an die Politik. Wenn die Regierung, wie immer sie künftig aussieht, Fehler macht, läuft die Uhr ganz schnell wieder vorwärts.“