Die Stimmung in Großbritannien ist zweifellos im Keller, dem Brexit-Drama sei Dank. Doch während die royale Familie der Windsors in den vergangenen Jahren verlässlich für den Wohlfühlfaktor sorgten und etwas Glamour in die Brexit-Tristesse brachten, ließ die Nummer sechs der Thronfolge die Nation zuletzt ein wenig im Stich – ausgerechnet Harry, der Posterboy des Königshauses, der am Sonntag seinen 35. Geburtstag feiert.

Prinz Harry und Herzogin Meghan, hier bei einem Besuch einer Farm in Australien im vergangenen Jahr, geraten derzeit mit ihrem Wunsch eines Privatlebens gehörig in die Kritik: Die Briten erwarten von ihren Royals mehr Öffentlichkeit. Bild: dpa
Prinz Harry und Herzogin Meghan, hier bei einem Besuch einer Farm in Australien im vergangenen Jahr, geraten derzeit mit ihrem Wunsch eines Privatlebens gehörig in die Kritik: Die Briten erwarten von ihren Royals mehr Öffentlichkeit. | Bild: CHRIS JACKSON

Yellow Press wird Prinzen zum Verhängnis

Tatsächlich dürfte sich Prinz Harry nach positiven Nachrichten sehnen. Denn Meghan und der Herzog von Sussex, die 2018 geheiratet haben und im Mai erstmals Eltern von Baby Archie Harrison geworden sind, hangelten sich zuletzt von einem Skandälchen zum nächsten Skandal.

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So gerieten die „High-Flyers“ in die Kritik, weil sie im Privatjet in den Urlaub gereist sind – vier Flüge in elf Tagen, wo führt das hin? Immerhin setzen sich die beiden prominent für den Umwelt- und Klimaschutz ein. Ist das betonte Ökobewusstsein reine Heuchelei?

Prinz Harry von Großbritannien und Meghan, Herzogin von Sussex, kommen mit ihrem Sohn Archie Harrison Mountbatten-Windsor zu einem Fototermin in der St. George‘s Hall im Windsor Castle.
Prinz Harry von Großbritannien und Meghan, Herzogin von Sussex, kommen mit ihrem Sohn Archie Harrison Mountbatten-Windsor zu einem Fototermin in der St. George‘s Hall im Windsor Castle. | Bild: DOMINIC LIPINSKI

Es war keineswegs das einzige PR-Fiasko in dieser Soap Opera. Eingefleischte Fans waren weniger amused, als die Sussexes die Taufe von Archie „zu privat“ hielten und sich etwa weigerten, die Paten preiszugeben. Die beiden verwischten die Linien zwischen „royal“ und „prominent“, lautet der Kern der Kritik.

Man könne nicht die Presse für die eigene Aufmerksamkeit ausschlachten und sie dann dafür verabscheuen, meinte eine Kolumnistin des „Guardian“ und verwies auf den offiziellen Instagram-Account, auf das Paar regelmäßig und fein orchestriert aktiv ist.

Kein Verständnis für Wunsch nach Privatsphäre

„Harry und Meghan wollen keine Privatsphäre, sie wollen ein privates Leben in der Öffentlichkeit – niemand hat darauf ein Recht“, war in der Zeitung „The Times“ zu lesen.

Immerhin, die Steuerzahler kommen finanziell für die Ausgaben der Mitglieder des Königshauses auf, inklusive der Renovierung des neuen Heims der Familie in Windsor in Höhe von 2,4 Millionen Pfund.

Herzogin Camilla (von links nach rechts), der britische Thronfolger Prinz Charles, Doria Ragland, Prinz Harry, Lady Jane Fellows, Herzogin Meghan, die ihren Sohn Archie in den Armen hält, Lady Sarah McCorquodale, Prinz William und Herzogin Kate nach der Taufe.
Herzogin Camilla (von links nach rechts), der britische Thronfolger Prinz Charles, Doria Ragland, Prinz Harry, Lady Jane Fellows, Herzogin Meghan, die ihren Sohn Archie in den Armen hält, Lady Sarah McCorquodale, Prinz William und Herzogin Kate nach der Taufe. | Bild: Chris Allerton

Im Gegenzug fordert das Volk, dass die Royals den „gelegentlichen öffentlichen Dienst leisten und den royalen Traditionen folgen, die die Monarchie seit Hunderten von Jahren erhalten haben“, hob eine Beobachterin hervor.

Ob die Kritik an dem Herzog abprallt? Er ist kein Fan der Medien, hielt mit Schelte nicht zurück. Überhaupt brach der Prinz gerne immer wieder aus dem goldenen Königskäfig aus. Tatsächlich tat der Enkel der Queen in seinen Zwanzigern viel für sein wildes Image und sorgte bei den Boulevardblättern für hohe Auflagen.

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Durchzechte Sauftouren, eine Schlägerei mit einem Paparazzo, Kiffer-Eskapaden, Besuche im Striplokal, ein freizügiger Auftritt in Las Vegas und natürlich der Aufsehen erregende Eklat, als er 2005 zu einer Kostümparty in Wehrmachtsuniform und mit Hakenkreuzbinde erschien.

Der britische Prinz Harry, Herzog von Sussex, besucht die britische militärische Einheit 42 Commando Royal Marines auf ihrem Stützpunkt
Der britische Prinz Harry, Herzog von Sussex, besucht die britische militärische Einheit 42 Commando Royal Marines auf ihrem Stützpunkt | Bild: Finnbarr Webster

Harry musste seinen Platz in der Königsfamilie erst finden. Während er sich in der Eliteschmiede Eton eher unwohl fühlte, blühte er beim Militär auf. Er absolvierte eine Offiziers-Ausbildung und wurde 2006 als Mitglied der „Blues and Royals“ vereidigt.

Die Popularität des Hubschrauberpiloten „Captain Harry“ wuchs, nachdem bekannt wurde, dass er an Fronteinsätzen in Afghanistan teilgenommen hatte. Und der Horror des Krieges hat ihn geprägt.

Distanz zum Bruder

Prinz Harry zählt zu den beliebtesten Royals auf der Insel, auch weil er mit seiner charmanten Lockerheit stets nahbarer wirkte als sein Bruder, Prinz William. Mit ihm und Herzogin Catherine engagierte sich Harry in der „Heads Together“-Kampagne, die auf die Bedeutung hinweist, über psychische Probleme zu sprechen. Die Brüder brauchten nach eigenen Angaben lange, um den Tod der Mutter, Prinzessin Diana, zu verarbeiten. Mittlerweile treten sie nur noch selten gemeinsam auf.

Prinz Harry lächelt während eines Besuchs an der Lealands High School in Luton.
Prinz Harry lächelt während eines Besuchs an der Lealands High School in Luton. | Bild: Arthur Edwards

Harry und Meghan haben eine neue Stiftung gegründet, um eigene Wohltätigkeits-Projekte voranzutreiben. Sie setzen sich für die Rechte von Mädchen und Frauen ein, kämpfen gegen HIV und Aids, und wollen auf das Thema psychische Gesundheit aufmerksam machen. Darum soll es auch Ende des Monats gehen, wenn der Herzog und die Herzogin im Dienst der Krone durch Afrika touren. Ohne Skandälchen, please.