Der Krieg in Syrien ist ein Horror, an den wir uns im Laufe der Jahre gewöhnt haben. Allabendlich sind schreckliche Bilder im Fernsehen zu sehen von zerstörten Städten, weinenden Menschen, Trümmern, Leid.

Nur ein paar Flugstunden von Deutschland entfernt tobt seit Jahren ein Krieg zwischen dem syrischen Machthaber Assad und diversen anderen Akteuren, die das arabische Land für einen Stellvertreterkrieg missbrauchen. Giftgas, Fassbomben, Granatwerfer: Keine Grausamkeit, die hier nicht erprobt worden wäre. Der Opfer sind viele, sowohl bei den Menschen als auch bei den Tieren.

Ein Tierarzt hilft jeden Tag

Man könnte verzweifeln und aufgeben angesichts des Leids. Doch mitten im Kriegsgebiet gibt es einige Menschen, die Unfassbares leisten. Mohammed Alaa al-Jaleel ist bekannt geworden als „der Katzenmann von Aleppo“. Seit Jahren schon rettet er Katzen aus zerbombten Gebieten, versorgt sie mit Tierarzt Dr. Mohamed Youssef medizinisch und bietet ihnen Zuflucht im Ernesto‘s Cat Sanctuary.

Seltener Moment: Mohammed Alaa al-Jaleel kuschelt mit einer der Katzen im Ernesto‘s Cats Sanctuary.
Seltener Moment: Mohammed Alaa al-Jaleel kuschelt mit einer der Katzen im Ernesto‘s Cats Sanctuary. | Bild: Anas Alkharboutli

Während des syrischen Krieges 2012 arbeitete Al-Jaleel als Krankenwagenfahrer in Aleppo, wo er auf dem Heimweg nach der Arbeit Lebensmittel für streunende und verlassene Katzen verteilte. Drei Jahre später fing er an, nach überlebenden Katzen in den vom Krieg verwüsteten Gebieten zu suchen und sie mit nach Hause zu nehmen.

Zufluchtsort für Katzen

Später im Jahr begann er mit Hilfe einer italienischen Katzenliebhaberin Geld und Spenden zu sammeln. Das ermöglichte ihm, einen Zufluchtsort für verlassene Katzen einzurichten. Ernesto‘s Cat Sanctuary hat seinen Namen nach einem geliebten Haustier der italienischen Katzenfreundin Alessandra, das an Krebs gestorben war.

Neben über 200 Katzen beherbergt die Einrichtung heute Hunde, Affen, Kaninchen und andere Tiere und wurde um einen Kindergarten und ein Waisenhaus erweitert.

Ständige Angst vor Raketentreffern

Jeden Tag posten die syrischen Katzenretter Bilder der sich putzenden, dösenden, wieder glücklichen Katzen auf dem sozialen Netzwerk Facebook, und Katzenfreunde aus aller Welt zittern, beten und spenden, wenn wieder einmal die Raketeneinschläge näher kommen oder ein Treffer die Scheiben des Hauses herausdrückt.

Guten Hunger: Inzwischen leben über 200 Katzen in Mohammed Alaa al-Jaleels Obhut. Er und seine Helfer kümmern sich aber auch um Hunde und Pferde sowie Wildtiere.
Guten Hunger: Inzwischen leben über 200 Katzen in Mohammed Alaa al-Jaleels Obhut. Er und seine Helfer kümmern sich aber auch um Hunde und Pferde sowie Wildtiere. | Bild: Anas Alkharboutli/dpa

Vor ein paar Tagen entkam ein Helfer nur knapp dem Tod, weil er mit dem Auto losfuhr, um Katzen in Not zu retten. Wenig später schlug eine Rakete dort ein, wo sein Auto geparkt war. Ein anderer Unterstützer der Initiative wurde erschossen. Er wurde nicht einmal 30 Jahre alt.

Freude an dem Schönen, das geblieben ist

Man könnte bitter werden angesichts dieses Leids. Doch diese Männer haben noch nicht einmal ihren Humor verloren. Sie erzählen Geschichten von liebesdurstigen Katern, vom selbstbewussten Huhn Ludovica, freuen sich tanzend über eine Lieferung Impfstoffe für die Tiere und zeigen den wunderschönen neuen Brunnen, den eine Familie vor Ort gestiftet hat.

Vor ein paar Tagen kamen einige kleine Mädchen in das Katzenrefugium. Sie hatten ein Kätzchen dabei, das sie gefunden hatten und brachten es dem Katzenmann. Im Krieg an die Allerschwächsten, die Wehrlosesten denken – das ist ein Zeichen von Humanität und Hoffnung in all dieser Barbarei. „Wenn diese Jungs das Sagen hätten, gäbe es keinen Krieg“, postete eine Frau vor ein paar Tagen auf Facebook.