Seit 14,5 Jahren haben mein Mann Joachim und ich das Vergnügen, unser Leben mit Lulu zu teilen, unserer Katze, die wir damals aus dem Waldshuter Tierheim im Steinatal geholt haben. Wobei „geholt“ eigentlich das falsche Wort ist. Die Katze hat uns ausgesucht, nicht etwa wir sie. Da saß diese schlanke Schönheit mit getigert-weißem Fell und bernsteinfarbenen Augen und machte sich so unwiderstehlich wie möglich. Aber Moment mal! Die hat ja nur noch ein Auge! Sofort war mein Mitleid geweckt, das arme Tierchen! Natürlich durfte sie mit nach Hause.

Lulu ist eine ausgesprochen verträgliche, nette Katze, hat aber, wie es sich für Katzen nun mal gehört, ihren eigenen Kopf. Dauerthemen bei uns: Die Katze soll nicht auf dem Esstisch herumspazieren und sie soll sich nicht einfach irgendwo auf das Sofa legen, sondern auf ihre eigene Decke. Hier geht es um ein ständiges Neu-Austarieren der Kräfte, bei denen mal die Katze, mal der Mensch Sieger bleibt.
Mein Mann hatte also wieder mal die Katze zusammengestaucht, weil sie etwas gemacht hatte, was sie nicht sollte. Lulu ließ das vollkommen kalt, sie schaute ihn böse an und drohte ihm sogar! Da hatte sie aber nicht mit Joachim gerechnet. Mein Mann ist sportlich, schlank und leicht. Er kletterte kurzerhand auf den deckenhohen Kratzbaum in unserem Wohnzimmer und ließ die Beine herunterbaumeln. „So, was sagst du jetzt?“, fragte er die Katze. Die schaute total perplex. Wenn einer oben sitzt, ist das für Katzen ein klares Dominanzsignal. Und wenn es mal wieder Diskussionen zwischen Mensch und Katz gibt, muss Joachim nur sagen: „Lulu, ich bin hier der Boss, ist das klar, oder soll ich wieder auf deinen Kratzbaum klettern?“