Der Caravan Salon in Düsseldorf ist die Leitmesse der gesamten Camping-Branche. Die neuesten Trends spiegeln sich in 2100 neuen Modellen für das Jahr 2020. Obwohl vielerorts bereits von Rezession gesprochen wird, bleibt die Caravaning Branche auf Rekordkurs. Dies gilt nicht nur für die Besucherzahlen, sondern mit +14,3% auch für die Reisemobil-Neuzulassungen.

Die globale Sicherheitslage, Nachhaltigkeits-Trends und Niedrigzinsen bei Krediten und Spareinlagen begünstigen das mobile Reisen, bei dem hohe Lebensqualität und Wertstabilität aufeinandertreffen. Der Caravaning Industrie Verband Deutschland (CIVD) überschreibt die Branchentrends mit Konnektivität, Komfort und Kompaktheit. Neben der Weiterentwicklung von Grundrissen gehören Digitalisierung, Energiekonzepte und strategische Kooperationen mit markenbegleitendem Zubehör zu den Neuerungen der Saison 2020.

E-Mobilität wird wichtiger

E-Mobilität spielt auch bei Reisemobil-Herstellern zunehmend eine große Rolle. Der Energiebedarf beim Caravaning ist im Vergleich mit Haushalten zwar Ressourcen schonend, aber meist zu wenig an Bord. Um das zu ändern, stellen die Hersteller ganz unterschiedliche Konzepte vor.

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Für großes Interesse sorgte erneut der Iridium der Firma WOF aus Kirchheim/Teck. Nach der Weltpremiere auf der CMT zeigt sich das erste vollelektrische Reisemobil jetzt mit 400 km Reichweite. Kombiniert mit edlem Aufbau sorgt der Iridium allerdings für exklusive Kundschaft, welche die massiven Preisunterschiede zu den dieselbasierten Reisemobilen ignorieren will.

Unterm Hochdach: Da wartet im Weinsberg CaraTour 600 MQH ein ausziehbares Hochbett über der Fahrerkabine.
Unterm Hochdach: Da wartet im Weinsberg CaraTour 600 MQH ein ausziehbares Hochbett über der Fahrerkabine. | Bild: Stefan Blanz

Dethleffs lud zu seinem ganz eigenen Friday for Future. Schwänzen hat in der Industrie zwar keinen Platz, dafür liefert Dethleffs jetzt einen kompakten Allrounder mit Elektroantrieb aus. Globevan e.Hybrid heißt das serienreife E-Reisemobil mit begleitendem 1,0 Liter-Benzingenerator. Der Ford Transit Custom hat elektrische Antriebsachsen. Beim Bremsen oder Gaswegnehmen wird freiwerdende Rekuperations-Energie in die Batterie eingespeist.

Der Globevan e.Hybrid hat eine Reichweite von rund 50 km. Damit liegt er über der durchschnittlichen Alltagsstrecke von 43 km. Im Zusammenspiel mit dem Benzinmotor ist eine Reichweite von 500 km für vier Personen möglich. Mithilfe eines Klappdachs verwandelt sich der Kleinbus in ein Reisemobil mit ausreichender Stehhöhe.

Energie-Rückspeisung

Ergänzende Energiesysteme – meist auf Basis von Lithium-Batterien – erhöhen die Ressourcen von Reisemobilen. Hymer hat zur Maximierung der Autarkie bereits ein Smart-Batterie-System eingeführt. Dethleffs arbeitet mit dem e.Home Coco am Wohnwagen der Zukunft mit eigenen Elektromotoren, Mover, Solaranlage, Rekuperation und Reduktion der Anhängelast, um hohe Reichweiten für Gespanne mit E-Cars als Zugfahrzeug zu ermöglichen.

Knaus Tabbert präsentierte in Kooperation mit Bosch ihr neues 48-Volt-System für Caravans. Es nutzt die elektrifizierte Achse und Rekuperation zur Energieerzeugung, die in Lithium-Ionen-Akkus gespeichert wird. So erhalten Caravans mehr Autarkie und Power für die Endgeräte inklusive Beweglichkeit mit dem App-gesteuerten Mover.

Das Bett über der Garage: Diese Idee hatten die Designer beim Outlaw.
Das Bett über der Garage: Diese Idee hatten die Designer beim Outlaw. | Bild: Knaus

Bei den Grundrissen hat insbesondere Weinsberg die kompakten Camping Utility Vehicles (CUV) mit der bisher unbeliebten H3-Basishöhe ins Visier genommen. So hat man im Weinsberg Outlaw das Bett im Heck in die Höhe montiert und darunter eine gasdichte Garage für Motorräder oder Quads eingerichtet.

Im Weinsberg CaraBus/CaraTour 600 MQH hat das Hochdach die Integration eines zusammenschiebbaren Hochbetts ermöglicht. Nun kommen auch vierköpfige Familien, Paare mit getrennten Betten und Menschen mit mehr als 1,90 m Größe gut unter.

Immer im Blick: die 3,5-Tonnen-Grenze

Leichtbau-Komponenten gehören ebenfalls zu den Top-Themen im Reisemobilbau. Die Vöhringer Gruppe ist zwar Top-Lieferant, hat aber auf dem Caravan Salon mit einem Konzept-Van mit komplett hauseigenen Leichtbau-Produkten überrascht. Resultat: 30% weniger Möblierungsgewicht. Das hilft nicht nur bei der beworbenen CO2-Ersparnis, sondern auch bei der Maximierung der Zuladung – ein Dauerthema für die 3,5-Tonnen-Gewichtsgrenze.

Hingucker des Caravan Salon 2019: das Hymer ConceptCar VisionVenture.
Hingucker des Caravan Salon 2019: das Hymer ConceptCar VisionVenture. | Bild: Stefan Blanz

Das Conceptcar VisionVenture von Hymer begeisterte Publikum und Fachwelt gleichermaßen. Teil der Kooperation mit BASF ist der Karosseriebau im 3D-Druckverfahren, mit dessen Hilfe Linien der Sprinter-Basis in ein neues Design- und Funktionsgefüge aufgelöst wurden. Im Zwei-Personen-Mobil wird im aufblasbaren Klappdach geschlafen. Wabenförmige Luftkammern stabilisieren und isolieren gleichermaßen.

Sogar mit Balkon!

Das Klappdach lässt sich aufs Dach hin öffnen, wo ein kleiner Balkon wartet. Beim Interieur holte man sich Inspirationen aus der Selbstausbauer-Szene und verband verschiedene Materialien zu einem Wohnerlebnisraum. Die Hecktüre wird zu einer Terrasse aufgeklappt. Sie bringt mitsamt einer ausziehbaren BBQ-Station Camper nah an die Natur. Die Marktreife wird bis 2025 angestrebt. Aber wer weiß, welche Innovationen es bis dahin noch gibt!